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Pferdehufe: 20 Irrtümer über weiße Hufe, lange Eisen und die Bedeutung des Strahls ein Bericht von Regina Käsmayr

Pferde haben vier Hufe und müssen regelmäßig zum Schmied. So weit sind sich noch alle Reiter einig. Was alles andere angeht, kursieren serienweise Ammenmärchen über den Pferdefuß, der eigentlich eine Zehenspitze ist. Gemeinsam mit dem staatich geprüften Hufschmied Klaus Grimm haben wir die  20 häufigsten Irrtümer zusammengefasst.


Irrtum 1: Weiße Hufe sind schlechter. Ist ein Huf weiß, so liegt das einzig und allein daran, dass im Horn keine Farbpigmente enthalten sind. Das gleiche gilt für die Haut unter allen weißen Abzeichen am Körper. Farbpigmente haben aber nichts mit Festigkeit zu tun. Dass immer noch viele Pferdebesitzer an die Schauergeschichten über weiße Hufe glauben, liegt einzig und allein daran, dass man Druckstellen, Hämatome und andere Veränderungen bei hellen Hufen besser und schneller sieht. In der Natur gibt es übrigens keine weißen Hufe. Diese Mutation ist ein reines Zucht-Produkt.

Irrtum 2: Jeder Huf trägt ein Viertel Pferd. Das hieße bei einem Warmblut von 600 Kilogramm Gewicht, dass jeder Huf 150 kg tragen müsste. Stimmt schon allein deshalb nicht, weil das Pferd in natürlicher Selbsthaltung 60 Prozent seines Gewichts auf der Vorhand trägt und nur 40 Prozent auf der Hinterhand. Dazu kommt noch die unterscheidliche Fußfolge der jeweiligen Gangarten. So stützt sich das Pferd im Galopp teilweise auf drei Beinen ab, teilweise aber auch nur auf einem. Der britische Hufschmied Gail Williams hat unter Einbeziehung sämtlicher Kräfte, wie beispielsweise der Fliehkraft im Galopp, berechnet, dass Hufe in der Einbeinstütze bei Spitzengeschwindigkeit bis zu 1000 kg tragen.

Irrtum 3: Acht Nägel in acht Löcher. Ein Schmied, der alle acht Löcher eines Hufeisens mit Nägeln füllt, hat noch nie etwas vom Hufmechanismus gehört. Bei jedem Schritt dehnt und weitet sich der Huf. Diese Formveränderung sorgt für die notwenidge Durchblutung des komplizierten Konstrukts im Inneren. Ein Beschlag vermindert den Hufmechanismus ohnehin. Bringt der Schmied allerdings nur drei Nägel auf jeder Seite ein, so bleibt der Bereich von den Trachten bis zur breitesten Stelle in der Mitte des Hufs unversehrt. Hier findet die stärkste Dehnung statt. Die siebte und achte Bohrung gibt es nur aus dem Grund, weil bei brüchigem Horn oder anderen Hufkrankheiten eine Ausweichmöglichkeit für Nägel da sein muss. Es bringt übrigens nichts, wenn ein Schmied die vorletzte Bohrung auslässt und stattdessen die letzte benutzt. Auch das schränkt den Hufmechanismus ein.

Irrtum 4: Druck auf den Strahl ist wichtig. Nach neuesten Erkenntnissen stimmt es nicht, dass der Druck auf den Strahl zwingend für den Hufmechanismus ist. Bisher hat man angenommen, der Hufmechanismus entstünde allein dadurch, dass in der Bewegung der Strahl wie ein Schwamm zusammengequetscht würde und dadurch eine Durchblutung stattfindet. Vielmehr scheint es nun so zu sein, dass vom Boden her äußere Druckkräfte auf alle unteren Teile des Hufes einwirken und von innen heraus das Gewicht des Pferdes das Hufbein leicht nach unten drückt. Berührt der Strahl den Boden nicht, so leiten eben Tragrand, Sohle und evtl. Eckstreben die Druckkräfte nach innen. Das heißt aber noch lange nicht, dass man den Strahl einfach nach Belieben hochschneiden darf. Damit nimmt man dem Huf eine wichtige „Federung“ und begünstigt Zwanghufe und Stellungsfehler.

Irrtum 5: Der Schmied kann allein aufheben. Aufheben ja, aber nicht plan ausschneiden. Weil der Schmied beim Aufheben das Bein zwischen seine Knie klemmt, muss er es ein Stück weit unter dem Pferdekörper heraus in seine Richtung ziehen. Dadurch ist das Bein im Karpalgelenk abgeknickt und die untere Hälfte des Hufs ist nicht mehr parallel zum Horizont, sondern ebenfalls leicht abgeknickt. Das Ergebnis sind meist Hufe, deren äußere Wand höher ist als die innere – das führt zu einem falschen Abrollpunkt, einer ungleichen Lastaufnahme und nicht selten zu Chipfrakturen oder Sehnenproblemen.

Irrtum 6: Vorn 45 Grad, hinten 55 Grad. Laut Bilderbuch stimmt es, dass Vorderhufe einen Zehenwinkel von 45 Grad haben, Hinterhufe einen von 55 Grad. In der Realität sind Abweichungen bis zu 15 Grad völlig normal. Wichtig ist vielmehr, dass der Winkel des Hufs mit dem der Fessel übereinstimmt und beide Vorderhufe denselben Winkel haben, ebenso beide Hinterhufe. Kontrollieren und nachmessen kann man den Wert mit einem Hufwinkelmesser.

Irrtum 7: Ein Ballentreter tritt eben gut unter. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ein fleißig untertretendes Pferd tritt zwar mit den Hinterhufen in die Spur seiner Vorderhufe – oder sogar darüber hinaus – aber erst, wenn der Vorderfuß längst wieder abgehoben hat. Kommt es stattdessen zum berüchtigten „Klack“-Geräusch, so kann das verschiedene Ursachen haben. Erstens: Das Pferd ist im Rücken extrem kurz. Zweitens: Das Pferd ist überanstrengt und müse. Drittens: Es gibt Rittigkeitsprobleme wie das „Laufen auf der Vorhand“. Viertens: Die Zehen der Hinterhufe sind zu lang. Fünftens: Die Schenkel der vorderen Hufeisen sind zu lang.

Irrtum 8: Hufrolle ist eine Krankheit. Jedes Pferd hat eine Hufrolle. Die Konstruktion aus Hufbein, Strahlbein, Schleimbeutel und tiefer Beugesehne wird so bezeichnet. Die tiefe Beugesehne kommt vom Karpalgelenk und setzt unten am Hufbein an. Kurz vor dem Hufbein läuft sie über eine Art „Umlenkrolle“, das Strahlbein, welches von einem Schleimbeutel geschützt wird.Deshalb heißt das Ganze auch Hufrolle. Krank ist ein Pferd nur dann, wenn es eine Hufrollenentzündung (Podotrochlose) hat. Dabei ist das Konstrukt aus Knochen, Sehne und Schleimbeutel – meist wegen Überbelastung – entzündet.

Irrtum 9: Barhuf-Pferde laufen genug Horn ab. In freier Wildbahn bei 16 Stunden Bewegung am Tag und unterschiedlichen Bodenverhältnissen ja. In der Box nein. Wer deshalb nicht alle sechs bis acht Wochen den Schmied zum Ausschneiden holt, handelt tierschutzwidrig.

Irrtum 10: Hufrehe ist eine Eiweißvergiftung. Zuviel Eiweiß tut keinem Pferd gut. Hufrehe allerdings ist, salopp gesagt, eher eine Zuckervergiftung, denn sie wird durch sogenannte Fructane, also Kohlenhydrate in den Pflanzen, verursacht. Diese sind je nach Wetterlage mehr oder weniger stark im Gras vorhanden. Scheint die Sonne und ist es überdies warm und feucht, so betreibt jede Pflanze Photosynthese. Das heißt, sie wandelt die Energie der Sonne in Wachstum um. Scheint allerdings nur die Sonne und ist es trotzdem bitterkalt und trocken, so speichert die Pflanze die Energie in Fructanen ab. Sobald es wieder wärmer und feuchter wird, werden die Fructane aufgelöst und fürs Wachstum verwendet. Daher gilt: Hufrehe-gefährdete Pferde sollten nur dann auf die Weide, wenn das Gras optimale Wachstumsbedingungen hat und keinen Zucker speichert. Darüber hinaus sollten die Weiden natürlich gemäht werden, um die Aufnahme von Kohlenhydraten möglichst gering zu halten.

Irrtum 11: Huffett hält die Hufe feucht. Jede Art von Fett legt sich lediglich auf die Oberfläche des Horns. Um einem Huf die nötige Feuchtigkeit zu verschaffen, sollte man ihm stattdessen regelmäßig Wasser zuführen. Am besten geht das, indem das Pferd morgens 20 Minuten lang auf die taufrische Koppel kommt. Alternativ kann man das Pferd eine Weile in einen Bach stellen oder die Hufe mit Eimern wässern. Anschließend etwas Oliven-, Lorbeer- oder Teebaumöl auf den Kronrand auftragen.

Irrtum 12: Hufteer ist gut gegen Strahlfäule. Da freuen sich die Fäulnisbakterien! Hufteer schließt den Huf luftdicht ab. Darunter können die Bakterien dann munter weitergären. Also auf betroffene Hufe niemals Hufteer auftragen, sondern den Schmied anrufen, damit er die verfaulten Stellen ausschneiden kann!

Irrtum 13: Hufabszesse können nur mit der Zange ertastet werden. Es stimmt, dass ein geübter Tierarzt oder Hufschmied einen Abszess durch Abdrücken mit der Zange finden kann. Wesentlich schmerzloser und effektiver ist allerdings ein Messgerät, das die Temperatur des Hufs auf ein Zehntel-Grad genau anzeigt. Damit fährt der Schmied über die Sohle und erkennt auf den ersten Blick, wo die wärmste Stelle ist – genau dort sitzt dann der Abszess.

Irrtum 14: Der Huf ist das Pendant zum Fuß des Menschen. Falsch. Wir Menschen sind Sohlengänger. Pferde sind Zehenspitzengänger. Das heißt, das Hufbein, also der unterste Knochen im Huf, ist vergleichbar mit unseren obersten Fingerknochen. Dementsprechend stimmt das Fesselgelenk mit unseren Knöcheln überein, die Röhre mit unseren Handmittelknochen und das Karpalgelenk mit unserem Handwurzelgelenk (nicht etwa mit dem Ellbogen oder gar dem Knie!). Der Ellbogen sitzt an der Vorderhand des Pferdes und das Knie an der Hinterhand – beides etwa auf Höhe des Rumpfs.

Irrtum 15: Die weiße Linie trennt das Hufbein vom Horn. Das Hufbein ist ein schwammartig poröser Knochen, der normalerweise niemals schwere Lasten tragen könnte. Er kann es nur, weil er innigst mit der tausendfach gefältelten Huflederhaut verbunden ist. Diese bildet mit einem passenden Gegenstück, der Hornkapsel, eine elastische Verbindung. Die Stelle, an der Lederhaut und Hornkapsel wie Finger ineinandergreifen, ist die sogenannte weiße Linie. Sie ist also genau genommen keine eigene „Schicht“ im Huf, sondern ein Zusammenschmelzen von Wandhorn und Sohlenhorn. Nur in diesem Bereich gesetzte Nägel können ein Hufeisen ordentlich halten. Weiter nach außen gesetzt, verliert der Huf das Eisen. Weiter nach innen kommt es zur gefürchteten „Vernagelung“, weil der Nagel „ins Leben“ trifft. Das löst beim Pferd Schmerzen aus und kann eine Infektion zur Folge haben.

Irrtum 16: Biotinmangel verursacht die meisten Hufprobleme. Es wird angenommen, dass nur etwa fünf Prozent der Hufprobleme mit einer Unterversorgung an Biotin zu tun haben. Alles andere ist eine Frage der Haltung, Pflege, Beanspruchung oder der grundsätzlichen Fütterung. Trotzdem ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Zufütterung von Biotin bei spröden und rissigen Hufen die Hornqualität verbessert.

Irrtum 17: Pferde sollen auf dem Tragrand laufen. Der US-amerikanische Hufschmied Gene Ovnicek beobachtete bei einer herde Mustangs, dass sie ihr Gewicht mit Sohle, Eckstreben und Strahl tragen. Der sogenannte Tragrand war bei allen Tieren komplet abgelaufen.

Irrtum 18: Die Eisen müssen genauso lang sein wie die Hufe. Während der sechs bis acht Wochen, die das Pferd mit den Eisen unterwegs ist, wächst der Huf ganz normal weiter. Dabei schiebt sich meist die Zehe nach vorn und die Trachten sacken ab. Um das zu verhindern, sollten die Schenkel der Eisen leicht überstehen. Dadurch unterstützen sie Trachten und Fesseln und die sitzen auch nach zwei Monaten noch korrekt.

Irrtum 19: Stellungsfehler müssen sofort korrigiert werden. Normalerweise lebt das Pferd schon eine ganze Weile mit seinem Stellungsfehler. Ob bodeneng, zehenweit, mit zu langer Zehe oder einseitig hohger Hufwand – das komplizierte Konstrukt aus Sehnen, Bändern und Knochen rund um den Huf hat sich darauf bereits eingestellt. Schneidet man jetzt den Huf sofort in Form, so sieht das nur äußerlich gut aus. Innerlich stehen jetzt unter Umständen sämtliche Knochen „schief“, Sehnen und Bänder werden überbelastet. Deshalb muss der Schmied in solchen Fällen langsam und überlegt vorgehen.

Irrtum 20: Jedes Pferd muss plan stehen. Das muss der Tierarzt oder Hufschmied von Fall zu Fall entscheiden. Bei Arthrose-Pferden kann es unter Umständen Sinn machen, sie um einige Grad schief zu stellen, nämlich zu der Seite, auf der sie sich von Natur aus mehr ablaufen, um die schmerzende Stelle zu entlasten. Der bayerische Hufschmied Klaus Grimm hat extra für diesen Zweck einen Huf-Achsmesser erfunden, der aufs Grad genau misst, wie das Pferd steht oder wie es sich krankheitsbedingt bei Arthrose schräg läuft.

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Seit gestern ist eine Anmeldung zum Centered Riding Kurs mit Catherine Gratzl im Mai 2014 möglich

CR

Es erscheint den meisten wahrscheinlich noch etwas voreilig, ich habe aber bereits einige mündliche und telefonische Zusagen. Und ich kann nur sagen wer zuerst kommt…. Ich würde euch daher bitten schnellstmöglich die Kursanmeldung auszufüllen und einzureichen. Die Anmeldung findet ihr wie immer unter dem Reiter Kontakt. Die Plätze sind begehrt und ich möchte allen die gleiche Chance geben, am Kurs teilzunehmen und nicht alle Plätze unter der „Hand“ vergeben. Freue mich wieder mal etwas völlig neues kennen zu lernen, das mir hoffentlich bei meiner Reiterei hilft 😉 Jede Reitweise ist willkommen und erwünscht! Einige Informationen zu Centered Riding findet ihr hier oder unter den Kursinformationen auf der rechten Seite. Wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Die Körperhaltung

Wir reiten mit den Knochen

Warum solltest du die Struktur deines Skelettes kennen, wenn du ein Pferd reiten willst? Jedenfalls denken nicht viele Reiter über ihre Knochen nach, ausser vielleicht über Ihre Gesässknochen. Jeder scheint sich auf die Muskeln zu konzentrieren. Doch in Wirklichkeit muss die Balance von einem Knochen zum anderen, den ganzen Körper hinauf und hinunter, stimmen, ebenso die Verbindung der Gelenke, ehe der Reiter koordiniert und ausbalanciert ist. Wenn die Knochen am richtigen Platz sind, stehen die Muskeln für das Bewegen der Knochen zur Verfügung und werden nicht mehr für das Abstützen des Körpers missbraucht.

Wie ist meine Haltung auf dem Pferd?

Wenn wir Menschen auf der Strasse beobachten, so können wir eine Vielfalt von Gangmustern und Körperhaltungen beobachten. Jeder Mensch hat eine individuelle, für ihn bezeichnende Art, sich zu bewegen. Es kommt vor, dass wir einen Freund oder Verwandten aus einer grossen Distanz nur an seinem Gang oder seiner Haltung erkennen. Viele Menschen leiden jedoch unter der Art, wie sie sich bewegen. Rückenschmerzen, Schulter- und Nackenverspannungen gehören schon fast zu unserem Alltag. Die Haltung, in der wir uns im Alltag bewegen, nehmen wir auch mit aufs Pferd. Meistens fühlen wir uns in dieser Haltung wohl, weil unser Körper sich daran gewöhnt hat.

Wie reagiert das Pferd auf unsere Haltung?

Bevor man nicht zentriert, ausbalanciert und in Harmonie mit dem eigenen Körper ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, die Grundbalance des Pferdes zu stören. Das Pferd kann sich nur dann wirklich schwungvoll und ausdrucksstark bewegen, wenn sein Reiter diese Harmonie selber erreicht hat. Das Pferd ist der Spiegel des Reiters. Ist der Reiter im Nacken verspannt und hat dadurch unruhige Hände, wird das Pferd nicht über das Genick laufen können. Sitzt der Reiter im Hohlkreuz, wird das Pferd seinen Rücken nicht aufwölben können. Schaut der Reiter zu Boden, fällt das Pferd auf die Vorhand, um nur einige Beispiele von Geichgewichtsproblemen zu nennen. Meistens ist der Reiter der auslösende Faktor für solche Pferdefehler.

Was beeinflusst unsere Haltung?

Jeder Mensch ist anders gebaut. Lange Oberschenkel, kurzer Oberkörper, schmale Schultern, kurze Beine etc. Auch jedes Pferd hat eine andere Körperform. Langer Rücken, dicker Bauch, überbauter Widerrist etc. Was dem einen Reiter leicht fällt, ist für einen anderen fast nicht möglich. Jeder Reiter braucht deshalb seinen eigenen Plan, mit seinem Pferd harmonisch reiten zu lernen sowie Gleichgewicht und Körpergefühl zu entwickeln. Zwei Kräfte beeinflussen permanent unseren Körper. Die Schwerkraft sowie das neuromuskuläre System. Genauso wie ein Gebäude wird auch unser Körper von der Schwerkraft beeinflusst. Sie ist immer vorhanden. Jedes Mal wenn du aufs Pferd steigst, musst du die Schwerkraft überwinden. Die Muskeln werden vom Nervensystem gesteuert (neuromuskuläres System). Unsere Stimmung, unsere Gedanken und unsere Einstellung haben einen enormen Einfluss auf unser Nervensystem und somit auf unsere Muskeln. Auch Stress, unser Bewegungsverhalten sowie schlechte Vorbilder beeinflussen unsere Körperhaltung.

Eine gute Haltung beinhaltet körperliches, psychisches und emotionales Gleichgewicht.

Die Arbeit mit Vorstellungsbildern – Ideokinese

Das Arbeiten mit Vorstellungsbildern wird seit Jahren in vielen Sportarten im mentalen Training angewendet. Bilder haben eine unmittelbare Wirkung auf die Muskeln. Einem verspannten Reiter können passende Bilder sofort helfen, locker zu werden.

Im Sattel sitzen wie eine Fichte

Ein Beispiel: Stell dir vor, du bist eine Fichte, deren Zweige herunterhängen. Der Baumstamm geht von deiner Mitte aus nach oben durch deinen Oberkörper, zwischen deinen Ohren hindurch und oben aus deinem Kopf heraus. Die Zweige hängen. Deine Arme und Schultern hängen von deinem Kopf heraus. Die Zweige hängen. Deine Arme und Schultern hängen von deinem Kopf und Hals. Deine Rippen hängen von deiner Wirbelsäule und deinem Brustbein. All diese Zweige haben die Freiheit, sich im Wind zu bewegen. Der Stamm ist auch nicht starr. Er kann schwanken, aber er fällt nie um. Deine Körpermitte und dein Becken sind der Waldboden und deine Beine die Wurzeln. Wenn der Stamm des Baumes nach oben wächst, wachsen die Wurzeln tiefer und tiefer hinunter, um den Baum im Gleichgewicht zu halten. Der Baum wächst einfach. Du erlaubst deinem Körper nach oben und nach unten zu wachsen wie die Fichte. Dieses Bild hilft deinem Körper, tief und breit in den Sattel zu kommen, gross zu werden und trotzdem weich zu bleiben, um den Bewegungen des Pferdes zu folgen. Es ist eine ganz andere Bewegungsqualität, als wenn du angewiesen wirst, gerade zu sitzen und dich zu strecken.

Quelle: http://www.centered-riding.ch/styled/styled-9/index.html und http://www.gratzl.co.at/

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Serie Starting Colts von Stefan Ostiadal

Ein Großteil dieses Artikels, war Kursinhalt in unserem Allaroundkurs mit Stefan. Für alle die nicht mitgeschrieben haben. 😉 Alle Teile seiner Serie findet ihr unter dem folgendem Link

Quelle: http://www.wittelsbuerger.de/wissen/2013/starting_colts_8.htm


„Colt Starter“, so nannte man in den USA die Personen, die fast ausschließlich für das Einreiten von Jungpferden zuständig waren. Oft verstand man unter „Colt Starting“ das schnelle Einreiten von Pferden, bis es aufgibt und nicht mehr buckelt. Die Methoden dabei waren oftmals alles andere als pferdeschonend, und der Job wurde nicht selten von ehemaligen Rodeoreitern übernommen – ein Vorgehen mit Konzept und Rücksichtnahme auf die Psyche des jungen Pferdes war dabei sehr selten. Damals war das Einreiten etwas für mutige Mannsbilder, und die Arbeit sollte meist in wenigen Tagen erledigt sein. Bodenarbeit war ein Fremdwort und nichts für „harte Männer“.

Die Zeiten haben sich geändert und – Gott sei Dank – herrscht bei uns ein anderes Bewusstsein, was den Umgang mit Pferden betrifft. Schon seit einiger Zeit weiß man, dass gerade die ersten Erfahrungen, die ein junges Pferd bei der Zusammenarbeit mit dem Menschen macht, von prägender Bedeutung sein können. Aus diesem Grund schätzt man heute ein solides Basistraining, weil es ein Fundament ist, auf das man immer wieder zurückgreift.

Nachdem ich das Pferd nun einige Tage mit dem Sidepull geritten habe, kommt nun die Zeit es mit der Trense zu arbeiten. Es ist sinnvoll das Pferd an diesen „Fremdkörper“ zu gewöhnen und deshalb ziehe ich ihm schon Tage vorher in seiner Box die Trense für 1-2 Stunden an. Das Pferd hat dabei Gelegenheit, sich an die neue Situation mit der Trense zu gewöhnen. Wenn ich das Pferd das erste Mal mit Trense reite, benutze ich keine Maulsperre. Es soll und darf noch mit dem Gebiss „rumspielen“ und es ist normal, dass es dabei auch gelegentlich sein Maul öffnet.

Da ich die ersten Wochen noch nicht an der Nachgiebigkeit durch das Genick arbeite, reite ich in dieser Zeit mit relativ viel Slack, also mit kaum anstehendem Zügel.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Pferde, die gleich ausgebunden werden, kurz nachdem sie die Trense erstmals im Maul hatten, sich oftmals sehr „maulig“ entwickeln.

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Deshalb gebe ich den Pferden anfangs Zeit sich an die Trense zu gewöhnen und habe ganz gute Erfahrungen damit gemacht. Wie am Anfang der Serie auch geschrieben, benutze ich während dieser Phase keinerlei Hilfszügel, auch wenn die unter Umständen für „mehr Form“ sorgen würden. Ich glaube daran, dass Pferde ihren Hals anfangs brauchen um sich auszubalancieren. Ein Ziel der ersten Wochen ist das „fallen lassen“ des Halses, Kontrolle des Takts und die ersten Anfänge von Geraderichten.

Um ein Pferd gerade zu richten, muss ich Kontrolle über den gesamten Pferdekörper erzielen.

Ich sehe immer wieder Reiter, die ein junges Pferd in der Anreitphase mit zahlreichen Hilfen überfordern und glauben, das Pferd könnte all diese Hilfen gleichzeitig erlernen und verstehen.

Können wir uns nicht alle an unsere ersten Fahrstunden im Auto erinnern? Verlangte der Fahrlehrer auch gleich das Lenken, Kuppeln, Schalten, Gas geben, usw.? Mein Fahrlehrer tat dies nicht. Er ließ mich erst lenken und Woche für Woche kamen weitere, neue Aufgaben auf mich zu. Genauso gehe ich bei einem jungen Pferd vor. Ich versuche erst die einzelnen Körperteile (Kopf, Schulter, Mittelhand und Hüfte) separat zu kontrollieren und wenn ich diese Kontrolle erzielt habe, kann ich versuchen, mehrere Hilfen gleichzeitig einzusetzen. Denn erst wenn das möglich ist, können wir ein Pferd „geraderichten“

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 Stellung und Kontrolle der Schulter

Im Sidepull erarbeitete ich mir, dass das Pferd dem direkten Zügel nachgibt. Das versuche ich nun mit der Trense wenn das Pferd steht und auch in der Vorwärtsbewegung. Es kann sein, dass das Pferd anfangs beim Aufnehmen des Zügels das Maul etwas öffnet. Ich ignoriere das und gebe – wie immer – dann mit dem Zügel nach, wenn das Pferd ansatzweise versteht.

Warum muss das Pferd dem direkten Zügel weich nachgeben? Dies erleichtert uns ungemein die erste grundlegende Gymnastik und irgendwann später wollen wir doch bestimmte Lektionen reiten, bei denen wir immer mal wieder das Pferd mit dem direkten Zügel (auch wenn später das innere Bein den direkten Zügel ersetzen soll) aufnehmen müssen.

Und wer will dabei schon eine schwere Einkaufstüte in der Hand haben.

Dem direkten Zügel nachgeben erleichtert also unsere Kontrolle. Manche Trainer nennen dies auch „Flexing“. Jedoch sehe ich gelegentlich auch Reiter, die das „Flexing“ aus meiner Sicht übertreiben. Es wird dabei Kontrolle gewünscht und das Pferd wird ununterbrochen fast 90 Grad nach links und rechts gestellt. Das Pferd bekommt keine Ruhe mehr im Maul und beantwortet dies nicht selten mit permanentem Schweifschlagen. Ich möchte, dass mir das Pferd willig nachgibt. Aber ich möchte das Pferd nicht dauernd damit belästigen, sonst geht irgendwann die „mentale Zufriedenheit“ verloren und wir bekommen einen „Wrangler“.

Außerdem glaube ich, dass Pferde zufriedener sind und sich besser bewegen können, wenn sie „gerade“ bleiben.

Nicht selten sehe ich Pferde, die auf einem 20 Meter Zirkel permanent nach innen gestellt werden. Sie laufen den großen Zirkel und sollen IMMER nach innen schauen. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Wenn ich ein Pferd auf einem 20 Meter Zirkel vorstelle, schaut es bei mir nach vorne auf die Schiene in der es sich bewegen sollte und nicht nach innen. Erst wenn Kreise deutlich kleiner werden, haben auch bei mir die Pferde die Nase sichtbar innen. Aber bitte nicht falsch verstehen: ein Pferd sollte sich natürlich auf einem großen Zirkel bewusst nach innen und außen stellen lassen um es gymnastizieren zu können und Kontrolle über die Schulter zu erzielen. Nur permanent verlange ich diese Stellung nicht!

Wenn ich das Pferd nun stellen kann, habe ich noch lange keine Kontrolle der Lenkung, da diese sich in der Schulter abspielt. Erst wenn ich die Schulter des Pferdes kontrollieren kann, habe ich Lenkung. Und besonders Westernpferde sollten eine sehr gute Schulterkontrolle bekommen.

Es gibt viele Beispiele von Schulterkontrolle innerhalb der bekannten Lektionen. Wenn das Pferd aus dem Stand die Schulter langsam seitwärts bewegt, ergibt sich in der Regel daraus eine Hinterhandwendung. Die Schulter 180 Grad in die andere Richtung „springen“ zu lassen ergibt den Rollback. Aber auch ein guter Springreiter braucht die totale Schulterkontrolle, wenn sein Pferd den Sprung gemeistert hat und der Reiter eine enge, zeitsparende Abkürzung nehmen will. Aber wir kennen auch das Gegenteil: Der Reiter möchte auf dem Zirkel bleiben und das Pferd läuft „über die Schulter“ nach außen. Hier ging die Kontrolle der Schulter und die Akzeptanz des begrenzenden äußeren Zügels verloren.

Kurz und bündig – habe ich Kontrolle der Schulter, habe ich auch Kontrolle über die Richtung!

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Deshalb arbeite ich nach wenigen Tagen sehr bewusst an der Kontrolle der Schulter. Ich möchte den äußeren begrenzenden Zügel installieren und dazu verwende ich folgende Übung: Ich reite bewusst ein Sechs- oder Achteck und zwischen den Ecken gerade Verbindungslinien.

In der Praxis sieht es folgendermaßen aus: Auf dem Platz stelle ich mir dieses „Stoppschild“ vor und versuche die Linien erst mal nur in eine Richtung zu reiten. Auf den geraden  Verrbindungslinien zwischen den Ecken sollen meine Hilfen parallel sein – meine Waden passiv, aber leicht am Pferd angelegt, meine Hände mit breiterer Zügelführung und der Hals des Pferdes soll gerade bleiben. Komme ich an eine „Ecke“, gehen meine Hände leicht zur Seite (nach innen), sodass der äußere Zügel angelegt wird und begrenzend einwirkt.

Im gleichen Augenblick nehme ich den inneren Schenkel vom Pferd weg und erhöhe den Druck mit dem äußeren Schenkel. Da meine Pferde bereits von Boden gelernt haben dem Druck zu weichen, verstehen sie meistens schnell und gehen mit der Schulter den Schritt zur Seite. Nun wartet ja wieder eine Gerade von etwa 5-6 Metern, auf der das Pferd wieder „nur“ gerade laufen soll, bis es an der nächsten Ecke ankommt und ich das Gleiche erneut abfrage. Dort verlange ich mit denselben Hilfen, dass das Pferd den Schritt zwischen die Zügel macht. Es kann sein, dass ich Anfangs dem ganz jungen Pferd ein klein wenig mit dem direkten, inneren Zügel helfe, damit es besser versteht. Aber ich vermeide auf jeden Fall ein „nur am inneren Zügel ziehen“! weil das Lernziel ja der begrenzende äußere Zügel sein soll. Das Pferd soll, wie die Bezeichnung schon sagt, diesen Zügel als Begrenzung akzeptieren! Deshalb muss ich ihn auch einsetzen. Da Pferde durch Druck wegnehmen lernen, verlange ich an der Ecke auch nur 1-2 Tritte des Lenkens und dann soll das Pferd wieder ein Stück gerade laufen und sich entspannen können.
Bei dieser Übung wird noch etwas anderes berücksichtigt: Da Pferde zwei Gehirnhälften haben, die kaum miteinander transferieren, ist das mehrmalige Lenken zur einen Seite (an jeder Ecke) eine gute Maßnahme, dem jungen Tier zu zeigen was es tun soll. Es bekommt bei dieser Übung mit Hilfen eine Aufgabe gestellt und es soll die Lösung finden (dem Druck weichen und zwischen die Zügel gehen). Hat es die Lösung gefunden, lässt man es auf dem kleinen geraden Stück auch in Ruhe.

Warum nehme ich dabei den inneren Schenkel weg? Weil der innere Schenkel sonst schon eine zweite gleichzeitige Hilfe wäre, auf das sich das Pferd noch gar nicht konzentrieren kann.
Außerdem mache ich mit dem weggenommenen Schenkel die „Tür“ für das Pferd auf. Es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund bei dieser Übung keinen inneren Schenkel zu benutzen: Ich möchte bei dieser Übung abbiegen und nicht biegen! Möchte ich ganze oder halbe Volten reiten, macht es später natürlich Sinn, den inneren Schenkel aktiv oder verwahrend einzusetzen, nachdem das Pferd diese Hilfe erlernt hat.

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Bei der beschriebenen Übung jedoch, möchte ich Aufmerksamkeit gegenüber dem äußeren Schenkel und Zügel. Wir befinden uns bei dem Erlernen dieser gymnastischen Übung noch am Anfang, also dürfen wir von unserem (Fahr)Schüler noch nicht zuviel verlangen! Und wie immer wenn wir neue Prozesse beginnen, müssen wir nun regelmäßig und mit Gefühl daran arbeiten. Es kann durchaus sein, dass der erste Versuch sich bescheiden anfühlt, das Pferd gegen den Schenkel drückt, sich vielleicht noch gegen den leicht angenommen Zügel wehrt und rum mault. Wenn ich ein Pferd das erste Mal auffordere zwischen die Zügel zu gehen und das Pferd drückt gegen meine äußeren Hilfen, dann strafe ich nicht gleich oder erhöhe den Druck ungemein. Nein, ich lasse das Pferd ruhig einige Meter dagegen drücken, achte aber darauf, dass sich mein Druck keinesfalls verringert! Das Pferd hat die Lösung noch nicht gefunden und es gefällt ihm auch nicht, dass da von außen noch immer Druck kommt und jemand den Zügel annimmt. Ich warte ab, bis das Pferd nur eine Tendenz weicht und belohne es sofort mit Druck wegnehmen. Es kann sein, dass ich mein geplantes Sechseck schon total verlassen habe. Dies spielt jetzt jedoch keine Rolle. Wichtiger ist, dass das Pferd die Lösung zur Druckminimierung finden muss. Auch wenn dies erst einige Meter später als geplant geschieht.

Der erste Tag, die erste Aufforderung, die erste Idee – sie fühlte sich oftmals wie eine schlechte „Fünf“ in der Schule an. Nun ist Gefühl und Timing angesagt. Zu fühlen, wann das Pferd zu verstehen beginnt – das ist die Aufgabe beim Training junger Pferde!

Keine Sorge, wenn der erste Versuch sich sehr bescheiden anfühlt. War es nicht genau so, als der junge Hund erstmals Leine und Halsband trug? Es gibt keine Hilfen die genetisch in Pferden verankert sind – auch nicht bei Quarter Horses – selbst wenn manche Züchter dies behaupten. Es ist immer ein Prozess des Lernens!

Üben ist nun angesagt! Wenn man ruhig und mit Plan bei der Sache bleibt, fühlt sich diese Übung morgen, nach weiteren Minuten wie eine „Vier“ an. Und am Ende der Woche haben wir ein „Befriedigend“ erreicht. Es wird noch paar Wochen dauern, bis daraus ein „Sehr gut“ geworden ist. Aber die Verbesserung ist das Ziel – nicht das Erzwingen der Note „Sehr gut“

Nächstes Mal:  Nach dem Stellen und der Schulterkontrolle nun der Klassiker: Die Kontervolte!

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