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Die Schuld hat immer der Reiter?

Warum macht mein Pferd das nicht? Ich reite schon seit ich ein Kind bin, aber dieses Pferd! Ich liebe mein Pferd, aber! Ich habe schon mein Leben lang Pferde, aber! Mein Pferd mach dies nicht! Mein Pferd kann das nicht! Ich habe das beste Pferd, aber! Mein Pferd versteht nicht! Ich habe keine Angst, aber ich will nicht, dass mein Pferd dies oder das macht!

All diese Fragen und Feststellungen haben die selbe Ursache. Die Wenigsten werden zustimmen oder zugeben dass es so ist, aber dafür gibt es lediglich eine Antwort: „Du verstehst die Pferde nicht!“ In 99% aller Fälle ist dabei der Reiter schuld.

Wenn sich jedoch das Pferd am Boden oder im Sattel nicht so verhält, wie der Reiter dies will, kommen meist oben genannte Ausreden. Zudem auch noch erklärend hinzu: „Der ist mit dem linken Fuß aufgestanden“ oder auch „das liegt sicher am Wetter“.

Ray Hunt, einer der besten Horsemen der Welt sagte einmal zu diesem Thema: „Viele Reiter mogeln sich so durch. Hie und da werden ein paar Basisübungen ausgelassen und konsequente Übungsabläufe unterbrochen. Die Ausbildung eines Pferdes ist jedoch wie ein Puzzle und alle Puzzleteile müssen an der richtigen Stelle liegen. […] Für Reiter, die jedoch keine fundierte Ausbildung genießen konnten und deswegen bei dem Puzzle noch nicht einmal die Ecken des Bildes und somit die Eckpfeiler der Reiterei finden, wird es ganz schön schwer.“

Dies geschieht zumeist aus einer Vermeidungsstrategie heraus, die der Reiter einnimmt. Oft sind hier zu wenig Wissen oder Können, zu geringes Selbstwertgefühl sowie zuwenig oder falsche Empathie der Grund. Es wird zudem auch bei Pferden ein Gedankengut hinein interpretiert, dass das Pferd eigentlich so gar nicht hätte. Anthropomorphismus, so der lateinische Fachbegriff dazu. Man kann ein Pferd nicht mit einem Menschen vergleichen. Dazu ist das Denken, Handeln und Fühlen zu sehr unterschiedlich.

Oft wird von ReiterInnen auch gesagt: „Ich schau mir mal verschiedene Ausbildungskonzepte an und hol mir dann etwas davon raus.“ Ist das nicht wie: Ich lerne mal ein paar Wörter Französisch, Englisch und Latein und dann kann ich Esperanto sprechen?

Ein Pferd braucht einen Leader, eine Orientierungshilfe. An wem soll sich das Pferd orientieren, wenn nicht am Reiter? Bekommt ein Pferd keine konsequente Führung, so übernimmt das Pferd automatisch diese Führungsrolle und bestimmt dann selbst als Leader was zu tun ist.

Pat Parelli, amerikanischer Horseman und auch Schüler von Ray Hunt gibt zu diesem Thema immer wieder zu bedenken: „It is not about the problem, it´s about the relationship!“ Es geht nicht um das Problem, es geht um die Beziehung. Ein Pferd, dass dich akzeptiert und respektiert, wird machen wonach du frägst. Dies bedingt jedoch, dass wir konsequent mit den Pferden arbeiten. Denn wie soll sich ein Pferd auskennen, wenn du heute ein Verhalten belohnst und morgen das Pferd für selbiges Verhalten bestrafst?

75% aller ReiterInnen haben zudem enorme Defizite im Reiten. Sie kennen keine Abfußungsfolge, spüren nicht ob das Pferd auf der Vorderhand läuft oder wann es sich auf die Hinterhand setzt, wissen nicht wann man welchen Zügel wie einsetzt und von einem korrekten Sitz ist oft gar keine Rede.

„Reiten ist wie Tanzen mit dem Pferd“, stellte Buck Brannaman einmal in den Raum. Um aber gute Figuren tanzen zu können, muss ich wissen, wann welcher Fuß wo ist. Andernfalls werde ich mich selbst behindern. Wenn man beim Pferd nicht weiß, welcher Fuß gerade wo ist, werde auch ich mein Pferd in der Ausübung mehr behindern, als ich ihm helfe. Leichtigkeit, Gefühl und Timing ist das A und O im Reiten.

„Reiter sehen es nicht gerne, wenn Grenzen gesetzt werden. Am liebsten würden sie alles ohne Druck machen. Doch wie auch bei antiautoritärer Erziehung hängt das Pferd ohne eine Zurechtweisung oft in der Luft. Grenzen setzen ist meiner Meinung nach fair. Keine Grenzen zu setzen ist sogar oft unfair“ so Birger Gieseke, selbst ein ausgezeichneter und erfahrener Horseman aus Deutschland.

“Wenn ihr das hier begreift, wenn ihr das hier hinkriegt, dann macht euch das besser. Und zwar in Dingen, von denen ihr nie geglaubt habt, dass sie mit Pferden zu tun haben”, sagt Buck Brannaman zu Beginn seines Filmes „Buck“

Es ist an uns zu begreifen, dass das Pferd aus dem Trieb handelt, sich selbst und die Art zu erhalten. Das ist vernünftig, sonst gäbe es keine Pferde mehr. Der Reiter hat das zu respektieren und sein Handeln danach zu richten. Ein Pferd soll die Sicherheit bekommen, dass es tun kann, was der Mensch von ihm erwartet, ohne dass es sich aufgeben muss. In erster Linie muss der Mensch erkennen und lernen, weniger zu tun um mehr zu erreichen. Statt dass er, wie so oft, mehr und mehr Druck ausübt. Blind dafür, dass er so immer weniger erreicht.

Ray Hunt: “Jetzt geht da raus und lernt von euren Pferden. Versucht, es auf ihr Niveau hinaufzuschaffen. Statt sie auf Eures herunter zu zerren.”

Quelle: http://www.nfwrc.com/cms/reiter-schuld/

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Aus der Mitte zur Harmonie

Zu dem unten genannten Thema haben wir im Frühjahr 2014 einen Centered Riding Kurs (Reiten aus der Körpermitte, Sitzschulung) nach Sally Swift mit Catherine Gratzl geplant. Genaue Termine stehen noch nicht fest. Werden aber sobald sie bekannt sind, online gestellt.


Reiten aus der Mitte – was ist das wirklich? In anderen Kulturen gilt das Bewusstsein über den eigenen Körper, das Kontrollieren des Verstandes und das Sensibilisieren der Gefühle als Voraussetzung für einen guten Sitz und eine feine Hilfengebung im Sattel. Der Begriff ‚Körper, Geist und Seele‘ wird bei uns meist direkt in die Schublade mit der Aufschrift ‚Esoterik‘ gesteckt. Dabei ist das Zusammenbringen dieser drei Bereiche die Lösung zu Harmonie. Wer aus der eigenen Mitte heraus reiten möchte, kann durch viele praktische und bodenständige Übungen zu einem besseren Sitz gelangen. Manche sagen: man kann dadurch zu einem besseren Menschen werden.

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Ruhig, aber nicht spannungslos, energiereich aber nicht überdreht, geformt, aber nicht in einen Rahmen gepresst – Reiterpaare, die durch ihre harmonischen Bewegungen zu zweit begeistern, haben ihre Basis dafür nicht nur auf einen Pfeiler gebaut. Das ganze Bild fügt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Reiten aus der Mitte ist keine allein stehende Technik oder Art zu Reiten, sondern vielmehr ein Weg, der die einzelnen Teile – wie Gefühle, Technik, körperliche Balance und Koordination – in den Einklang bringt. Die Asiaten und auch andere Kulturen bezeichnen damit das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Für uns Reiter, die – ganz gleich auf welchem Pferd oder in welcher Reitweise – nett mit ihrem Pferd umgehen möchten, schön reiten und leicht auf dem Reitplatz oder im Gelände im Sattel sitzen möchten, hängt das Erreichen des ‚Reitens aus der Mitte‘ eigentlich nur von einem ab: man muss es wirklich wollen. Die Mitte ist immer nur in einem Selbst zu finden. Es geht dabei weniger um das Reiten, sondern viel mehr um das, was man sonst im Leben tut: laufen, singen, tanzen, arbeiten, mit Freunden oder Kollegen kommunizieren all dies hat Einfluss auf das Reiten aus der Mitte und ist sehr individuell. Doch bei aller Persönlichkeitsentwicklung: Man wird in dem gut, was man am meisten tut. Je mehr man also reitet, desto besser wird man drinnen.

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Sally Swift erarbeitete vor vielen Jahren als eine der ersten das Thema in dem Buch ‚Reiten aus der Körpermitte‘. Die eigene Mitte fühlen durch die Vorstellungskraft von Bildern war ein wichtiges Augenmerk. Dass man Zügel halten soll wie man ein Vögelchen halten würde, konnten sich viele Reiter schnell einprägen und auch fühlen: die Hand muss so fest geschlossen werden, dass der Vogel in der Hand nicht zerdrückt wird, aber auch nicht so locker, dass er wegfliegt. Und je nach Stärke, Größe und Willen des kleinen Federtieres muss man sein Gefühl anpassen. Heute scheint es, als würden ambitionierte Freizeitreiter, wieder Wert auf die echten kleinen Momente zwischen sich und ihrem Pferd legen, denn Technik alleine lässt das Pferd vielleicht Dinge vollführen, sein Herz erreicht der Reiter damit aber nicht. Wer mittig reiten möchte, findet keine allgemeingültige Anweisung, denn den eigenen Weg zu finden – auch im Sattel – ist individuell unterschiedlich. Während der eine Reiter vielleicht Schwierigkeiten hat sich auf Aufgaben zu fokussieren, hat er andere vielleicht mehr Schwierigkeiten mit der Balance, ein anderen klare Grenzen und auch einmal nein zu sagen. Jeder Lebensweg ist anders, jede Person fühlt und lernt anders und jede Reiter-Pferd-Kombination bringt andere Elemente zum Vorschein. Welche Übungen, Techniken und Philosophien da die richtigen sind, muss der Reiter oft für sich alleine herausfinden. Rika Schneider hat einige Ansätze für Sie herausgefiltert:

Luft zum Atmen und Reiten
Viele von uns leben – betrachtet man die Atmung – in einer Art Panik-Stadium. Für Amanda Barton ist das bewusste Atmen eines der fundamentalen körperlichen Übungen, um einen Reiter ins Gleichgewicht zu bringen. „Wer tief bis an die untersten Rippen atmet, bringt gleichzeitig seinen Schwerpunkt zum Zentrum. Atmet der Reiter nur flach in den oberen Bereich des Brustkorbes, liegt das Gewicht oder der Balancepunkt auch dort. Dies bedeutet, dass er schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen ist und instabil im Sattel sitzt. Die Atmung ist stark mit den Emotionen des Reiters verbunden. Bei Unsicherheit und Angst atmet der Mensch automatisch nur in den oberen Bereich des Brustkorbes. Um Angst zu beiseitigen, also um die Gefühle zu beeinflussen, ist es deshalb umso wichtiger, tief zu atmen. Es kann Angst befrieden und den Reiter wieder entspannen“, erklärt die Ausbilder, die nach den Methoden ihres Ausbilders Mark Rashid arbeitet. „Aber nicht das Einatmen ist entscheidend, sondern das Ausatmen. Denn nur wer die Lunge richtig leert, wird danach natürlich tief Luftholen“, Fährt Barton fort.

Anatomisch gesehen befindet sich das Zentrum etwas zwei Zentimeter unterhalb des Bauchnabels, zwischen Bauchdecke und Wirbelsäule, wobei der Balancepunkt wie oben erwähnt, seine Position verändern kann. Das Zentrieren und Atmen geht Hand in Hand und ist nicht von einander zu trennen. „Wer nicht tief atmet kann auch nicht seinen Schwerpunkt finden, da er mit flacher Atmung nicht möglich ist. Zentriert man sich erst, bringt man die Atmung direkt in die richtige Form“, erklärt die Engländerin. Zudem arbeitet Barton – je nach Charakter des Reiters – mit Bildern, Vorstellung von Gefühlen oder mit Gehörbeispielen. Für den einen ist es vielleicht einfacher, sich vor zustellen, wie leise die Hufe den Boden berühren, andere brauchten das animierte Bild dazu, andere wollen sich das Gefühl des Schwungs dafür abspeichern. Neben Atmung und Zentrierung des Reiters, ist aber auch die Reittechnik wichtig und das Zusammenbringen von Reiter und Pferd. Hier ist es wichtig, den richtigen Ausbilder zu finden, der die eigenen Persönlichkeit und die des Reiters mit berücksichtig.

Zentrierter Reiten durch Aikido
Im Aikido, der asiatischen Kampfkunstart, die Ausbilder Mark Rashid unterrichtet, funktioniert keine Übung effektiv, wenn man nicht tief atmet oder sein Zentrum im Schwerpunkt hält. Die Verteidigungsart, deren Ziel immer die Harmonie ist, führt nichts mit Druck oder Anspannung aus. Der Gegner wird nicht umgestoßen oder gedrückt, sondern ihm wird durch leichte Bewegungen die Balance genommen. Rashid hat diese Punkte mit in seinen Unterricht übernommen und schult das Zentrieren im Sattel. Hinzu kommt, dass er nicht nur die Mitte des Reiters bedenkt, sondern auch die des Pferdes. „Wie wir Menschen manchmal unsere Mitte zu weit oben oder unten bringen, so haben auch Pferde ihren Schwerpunkt manchmal zu weit vorne und sind schwer auf der Vorhand oder hektisch, wobei der Punkt dann äußerst sprunghaft wäre. Alles im Leben ist Aikido. Alles im Leben ist Reiten. Es gibt keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Situationen, denn es ist immer so wie wir sind. Ist man besonders geduldig, schnell verletzt, grobmotorisch oder aufmerksam so wird dies in allem was wir tun gespiegelt. Auch im Pferd. Reiten aus der Mitte ist also das Zusammenspiel von Denken, Fühlen, Bewegen und regelmäßigem bewussten Üben von Atmung und Bewegungsabläufen.

Über den Körper zur Mitte
Der Körper zeigt immer, wie es im innern eines Menschen vorgeht. Das Gangbild oder auch der Reitersitz verraten viel über den Menschen. Frauke Behrens ist Reiter-Physiotherapeutin und erarbeitet das Reiten aus der Mitte durch Übungen mit dem Körper. „Als Kinder haben wir viel mehr Dinge getan, die die eigene Körperwahrnehmung schulen. Wir sind auf Bäume geklettert, gerannt, hingefallen oder auf Stelzen gelaufen. Man war flexible und kannte seinen Körper in der Bewegung gut. Als Erwachsener fällt dies oft schwer. Der Reiter wird im Sattel von dem Pferd bewegt, eine Erfahrung, die sonst eher selten vorkommt. Er reagiert nur und lässt sich bewegen“, erklärt Behrens. Durch Übungen mit den Reitern, wie Rückwärts auf ein Trampolin fallen lassen, bringt sie Reiter wieder mehr in Verbindung mit sich selbst und ihrem Schwerpunkt. „Um zentriert zu Reiten bedarf es nicht nur Reittechnik. Selbstwahrnehmung, eine weiche Körperbeherrschung und das Verstehen und Umgehen mit den eigenen Emotionen gehen da Hand in Hand. Wer also durch Beruf oder Privat gestresst ist, hat vielleicht Nackenverspannungen und kann nicht gut loslassen. Ich verursache Körpererfahrungen, die Dinge lostreten und freisetzten können. Über das Massieren von tief liegenden Muskeln – zum Beispiel durch Reiten mit dem Tennisball, löse ich die Muskulatur. Der Reiter kann nicht anders als die damit zusammenhängende emotionale Verspannung raus zu lassen“. Frauke Behrens setzt also erst am Körper an und versucht dadurch die Entspannung im Reiter zu fördern. „Denn diese ist Vorraussetzung für Reiten aus der Körpermitte. Auf die Mittelpositur ist deshalb ein besonderes Augenmerk gelegt. Das Becken muss locker, entspannt und in Balance sein. Die eigene Mitte im Leben und im Sattel findet man nur, wenn man zulässt, Emotionen rauszulassen. Manche Reiter können große Verhaltensmuster auf einmal loslassen, für andere passiert dies Schritt für Schritt. Als Ausbilderin trage ich die Verantwortung dafür, dass die Schüler, nach ihrem eigenen Zeitrahmen ihre Mitte finden.“

Selber Fühlen, denken und entscheiden
In früheren Zeiten lernten Reiter auf gut ausgebildeten Pferden. Monatelang erfuhren sie an der Longe, wie ein losgelassenes, sich selbst tragendes und versammeltes Pferd sich anfühlte. Später, wenn sie ihre Mitte im Sattel gefunden hatten, durften sie alleine reiten. Heute wählt keiner mehr einen so langen Ausbildungsweg, zudem gibt es auch nicht mehr die Pferde und die Lebensweise in Deutschland, die so einen Ausbildungsweg unterstützen würde. Hier haben wir oft Pferde, die nicht locker und entspannt, mit leichten Hilfen zu reiten sind und Reiter, die nicht gelernt haben, in der Balance sitzend, feine Hilfen zu geben. Dennoch ist das Reiten aus der Mitte für jeden Reiter erstrebenswert. Ausbilder Peter Kreinberg beschreibt dies als Ensemble, in dem nur mehrer Instrumente zusammen spielend das harmonische Stück ergeben: „Damit der nicht ausbalancierte Reiter sicher seinen Weg mit dem Pferd bestreiten kann, ist es erst mal wichtig, Pferd und Reiter von Außen eine Form zu geben, an der sich beide orientieren können. Lernt der Reiter über systematisch aufgebaute Hilfen, dem Pferd beständig einen klaren aber weichen Rahmen zu geben und lernt er dadurch, seine eigenen Körperbewegungen immer feiner zu koordinieren, wird er und auch das Pferd locker werden“, erklärt der erfahrene Pferdekenner. „Lockerheit in der Muskulatur des Pferdes ist eines der wichtigsten Ziele, da nur dann der Reiter zu einem geschmeidigen Sitz kommen kann. Lernt der Reiter, das Pferd locker zu reiten, wird er bald immer mehr im Zentrum sitzen können. Denn auch er muss locker in der Muskulatur werden, um seine Mitte fühlen zu können“. Wichtig ist dem Ausbilder, dass der Reiter lernt eine Eigenverantwortung für seine Handlungen aufzubauen.

Wirklich aus der Mitte heraus reiten heißt auch mental mittig zu sein. Der Reiter lernt also durch die Schulung Entscheidungen selbst fällen und dementsprechend Hilfen gefühlvoll verändern zu können. „Ich möchte keine Schüler, die nur tun, was der Lehrer sagt, sondern Reiter, die anfänglich zwischen dem angeleiteten und dem selbst erfahrenen Erlebnissen wechseln. Sie sollen experimentieren und ausprobieren und ihre Hilfen anpassen, wann sie nötig sind. Der Ausflug dorthin kann vorerst in kleinen Dosen verlaufen, der Reiter kann immer wieder in sein System zurück, wenn es ihm zuviel wird. So hat er aber die Möglichkeit, langsam in sich zu wachsen, Erfahrungen zu sammeln, sich selbst eine Meinung zu schaffen und zu fühlen, was unter ihm passiert. Nur ein selbst denkender und fühlender Reiter kann aus der Mitte heraus reiten. Für viele Reiter ist es schwer, Fehler zu machen, aber nur durch diese lernt er und nur durch diese wird er ein stetiger und mittigerer Reiter.“ Als Lehrer weiß Kreinberg auch, was für ein Lerntyp der Reiter ist. „Alle Stützräder müssen irgendwann weg, damit Schüler ihre eigenen Erfahrungen machen können“, erinnert Kreinberg. Und jede Erfahrung bringt einem etwas bei. Und jeder Lernschritt lässt einen ein bisschen mehr entspannen und besser reiten. Das Zusammenspiel von einem System von Außen und dem Einbringen von innerlichen Aspekten, wie Gefühle, Intuition oder Absicht kann genauso in Balance gebracht werden, wie das individuelle Pendel des Reiters.

Ob man sich einen Plan aufstellt, ihn einhält, regelmäßig übt, ihn verwirft und erst Monate später die Übungen umsetzt oder die Aufgaben selbstverständlich über den Tag einstreut – jeder Reiter ist anders und so sind auch die Lernwege unterschiedlich. Wie schnell ein Lernprozess, zum Beispiel ein natürliches und ruhiges Atmen, etabliert werden kann oder man es schafft, den sanften Blick auch in stressigen Situationen anzuwenden, hängt individuell vom Reiter ab und der sollte nichts erzwingen. Häufig sind es nicht unerwartete Weggabelungen, die einen weiter bringen und Dinge neu erkennen lassen. Man kann neue Erkenntnisse und Erfahrungen zu seinem bisherigen Leben addieren und sich dadurch weiter entwickelt. Einen Schalter umlegen oder mit einem Trick die Lösung zum Zentriert-Reiten zu finden, gibt es wohl kaum. Geduld, Freundlichkeit, Klarheit, Beständigkeit, Ruhe, Offenheit – was immer man sich persönlich als Ziel gesetzt hat kann nur von einem angesteuert werden: von jedem Reiter selber. Und die Lernschritte brauchen soviel Zeit wie sie nun mal brauchen. Auch jedes Pferd braucht soviel Zeit wie es nun mal braucht, um Loszulassen oder etwas zu lernen.

Text & Fotos: Rika Schneider

Übungen zum Reiten aus der Körpermitte – nach Sally Swift
Erklärung: Reiten aus der Körpermitte nach Sally Swift ist kein Reitstil wie es etwa Western-, Jagd-, Gangpferde oder das klassische Dressurreiten sind. Reiten aus der Körpermitte erzieht vielmehr Geist und Körper zu mehr Balance und Integration von Bewegung. Durch das Reiten aus der Körpermitte kann der Sitz und die Absicht des Reiters im Sattel einfacher verbessert werden. Sally Swifts Konzepte basieren auf vier Grundlagen und dem Erden: den Schwerpunkt finden (zentrieren), atmen, umfassend blickende Augen und aufbauen von Bausteinen für das Gleichgewicht. Folgende praktische Übungen zeigen einen Auszug aus den Grundlagen.

Augen
Der richtige Gebrauch der Augen hat Einfluss auf folgende Faktoren: ein größeres Blickfeld, mehr Bewusstsein in Bezug auf den eigenen Körper und den des Pferdes, weniger Verspannungen und leichtere und freiere Vorwärtsbewegung.

Übung:
•Am stehenden Pferd, schließen Sie die Augen und atmen Sie entspannt ein und aus. Wo wünschen Sie sich in Ihrem Körper noch mehr Losgelassenheit, atmen Sie zu dieser Körperstelle und lassen sie los. Öffnen Sie Ihre Augen und fokussieren einen Punkt, zum Beispiel das Ohr Ihres Pferdes und beobachten Sie was in Ihrem Körper passiert, spannt sich irgendwo etwas an?
•Schließen Sie wieder die Augen und entspannen Sie sich. Öffnen Sie wieder Ihre Augen und nehmen den Raum in Ihrem Blickfeld wahr, in diesem Raum befindet sich auch das Ohr Ihres Pferdes was sie vorher fokussiert haben. Sanft, umfassend blickende Augen, die Losgelassenheit möglich machen.
•Um Gewohnheiten – zum Beispiel auf den Pferdehals oder Ohren zu schauen – zu unterlassen, sich dort mit den Augen ‚festzuhalten‘, stellen Sie sich folgendes vor: Rollen Sie einen Ball vor Ihrem Pferd her und folgen diesen mit den Augen, so vermitteln Sie auch über dieses Bild Ihrem Pferd über Ihrem Körper Bewegung und Bewegungsrichtung.

Atmung
Wenn man die Luft anhält – aus Ängstlichkeit, aus Wetteifer oder aus technischen Gründen -, baut man Spannungen in seinem Körper auf, auf die auch das Pferd reagiert. Korrekte Atmung führt zu weniger Verspannung im Körper, das Pferd wird ruhiger und williger und der Reiter wird nicht so leicht ermüden. Folgend eine Atemübung auf dem Pferd aus dem Qigong (Harmonisierung von Körper, Geist und Seele) – Fliessen des Atems und die Beweglichkeit fördern.
• Aufmerksamkeit auf die Atmung lenken, das Ein- und Ausatmen beobachten und beide Hände vor den Unterbauch halten. Die Handinnenflächen zeigen dabei nach oben, die Finger der einen Hand liegt leicht auf den Fingern der anderen.
• Mit dem Einatmen bewegen sich beide Hände nach oben bis zum Brustbein hinauf, dort drehen sich die Handinnenflächen nach unten und die Hände wandern mit dem Ausatmen wieder nach unten dort angekommen wandern diese mit dem Einatmen im Halbkreis nach vorne oben, über dem Kopf angekommen trennen sich die Hände und wandern mit Ausatmen nach links und rechts im seitlichen Halbkreis nach unten und treffen sich wieder vor dem Unterbauch; wo der Zyklus wieder von vorne beginnt.

Zentrieren der Körpermitte
Eine bessere Körperwahrnehmung führt dazu, dass der Reiter schneller als zuvor sein Gleichgewicht und damit auch seine Körpermitte wieder findet. Hat man seine Mitte erst einmal verloren, führen innere Unruhe und Anspannung unverzüglich zu einer Starrheit der Muskulatur, zum Verlust der Schnelligkeit und der Konzentration. Meist liegt unsere Mitte falsch, wenn wir uns am Pferd verkrampfen oder steif werden, wenn wir das Gleichgewicht verlieren. Oft sind wir kopf- oder vorderlastig und sind in der Brustatmung verhaftet. Die Mitte finden Sie wieder durch weiche Augen und tiefes Atmen in Ihr physisches Zentrum.

• Legen Sie eine Hand vorne auf Ihren Bauch, so dass der Daumen kurz unterhalb vom Bauchnabel liegt und positionieren Sie Ihre andere Hand gegenüber auf Ihren Rücken, auf den oberen Rand Ihres Kreuzbeines (den Teil des Wirbelsäulenfortsatzes, der direkt am fünften Lendenwirbel mit dem Becken verbunden ist).
• Atmen Sie tief nach unten, zwischen Ihre Hände und finden Sie Ihren eigenen Schwerpunkt in Ihrer Körpermitte.

 Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/

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