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Lernverhalten beim Pferd

Pferde lernen

Wenn wir Pferde halten, dann bringen wir Ihnen ständig etwas bei. Nicht nur beim Reiten sind wir auf das Lernvermögen unserer Pferde angewiesen:

Wie soll sich das Pferd verhalten, wenn wir es führen?
Darf das Pferd dem Menschen auf die Füße treten bzw. es anrempeln?
Was soll ein Pferd machen, wenn es an eine “Leine” gebunden wird und plötzlich um den Menschen herumlaufen soll?

Da unsere Pferde sehr viel im Laufe ihres Lebens lernen, scheint es interessant mal ein wenig auf die Theorie zu schauen. Wie lernt ein Pferd? Wie funktioniert überhaupt das Lernen?

Was gehört alles zum “Lernen”?

Vorüberlegungen: Lerntheorien werden später “eher wissenschaftlich” noch erklärt. Zunächst scheint es interessant zu überlegen, was man sich selber unter Lernen vorstellt:

Zum “Lernen” gehört zunächst einmal ein Verhalten. Denn nur ein bestimmtes (äußerlich sichtbares) Verhalten nehmen wir an unseren Pferden wahr. Dann gehört noch etwas “Neues” (eine neue Situation, ein neuer Gegenstand) dazu. – Das Pferd hat gelernt mit einem bestimmten Verhalten auf einen neuen Gegenstand (auf ein “neues” Verhalten seines Ausbilders) zu reagieren. Wir sprechen vom Lernen!

Das Pferd muß also in irgendeiner Form aktivwerden,um zu lernen. Ein Pferd lernt beispielsweise, dass eine zunächst angsteinflössende Plane ungefährlich ist. Das Pferd lernt es, weil es dann doch nach einiger Zeit neugierig ist und sich der Plane nähert. Es beschnuppert vielleicht die Plane, kratzt vorsichtig mit dem Huf auf ihr herum……

Zum Lernen gehört also der Spieltrieb, die Neugierde, die Motivation von Seiten des Pferdes. Das Lernen lernenDamit unsere Pferde wirklich lernen können, müssen wir entsprechende Möglichkeiten schaffen. Hat das Pferd bisher erfahren, dass es immer nur bestraft wird, wenn es etwas versucht herauszubekommen – sprich etwas ausprobiert – dann wird es auch nicht mehr lernen. Es bleibt passiv – da es die Strafe fürchtet.

Wir müssen unseren Pferden den Raum lassen auch mal etwas “Falsches” auszuprobieren. Sobald es dann (zunächst vielleicht zufällig) das richtige Verhalten zeigt, wird es belohnt. Aber….

Wo ist denn nun die Grenze zwischen Bestrafung, negative und positive Belohnung / Bestärkung? Im Umgang dürfen wir nicht vergessen, dass Pferde um ein Vielfaches größer, schwerer und auch stärker sind als wir. Es ist einfach zu gefährlich, Pferden alles zu erlauben.

Loben

Motivation durch Belohnung

Hier scheiden sich häufig die Geister. In unzähligen Fachzeitschriften streiten sich die Experten. Belohnung durch Futter – Belohnung nur durch akustische Reize – Klickertraining etc.

Gehen Sie mal mit geöffneten Ohren durch einen Stall

Probieren Sie doch einfach mal Folgendes: Sie betreten eine Stallgasse am frühen Abend und stellen sich einfach mal ganz unbeobachtet in eine Ecke. Erleben Sie dann ganz bewusst einmal die Athmosphäre, die auf der Stallgasse herrscht.

“Jetzt bleib´doch endlich einmal stehen!”
“Kannst Du mir nicht mal gescheit den Huf geben!”
“Herrgott – jetzt bleib doch endlich mal still stehen!”
“Wie wäre es mal – wenn Du mal ´rum gehen würdest?”

Mehr oder weniger freundlich, werden Pferde angesprochen … Haben Sie eigentlich schon häufiger Pferdebesitzer erlebt, die ihre Pferde loben?

Loben fällt uns häufig schwer

Naja, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht in Deutschlands Ställen … oder doch? Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann fällt es doch schon auf, dass Loben viel schwieriger ist als Kritik. Gerade wenn man aus dem Stau noch schnell in den Stall kommt, ist man nicht gerade sehr ausgeglichen. In so einem Moment auch noch die Ruhe zu finden, das Pferd für richtiges Verhalten zu loben und zwar auch noch exakt im richtigen Moment fällt nicht immer leicht.

Dennoch….

Überlegen Sie in welcher Athmosphäre es Ihnen selber leichter fällt zu lernen bzw. zu arbeiten. Diese Athmosphäre sollten Sie auch versuchen für sich und Ihr Pferd zu schaffen.

Was bedeutet nun “loben”?

Wir brauchen selbstverständlich nicht jede Bewegung und jede Reaktion des Pferdes ununterbrochen zu loben. Das würde dem Pferd tatsächlich sogar lästig …

Motivation

Jede Reaktion im Zeitfenster von 2 – 3 Sekunden nach dem jeweiligen Verhalten gehört zur Bestärkung. Hier sollte mehr Augenmerk auf die positive Bestärkung gelegt werden.

Positive Verstärkung kann wie folgt aussehen:
– stimmliches Lob
– Futter / Futterbelohnung
– Ruhe(Pausen) anbieten
– Training beenden
– Streicheln etc.

Wichtig hierbei ist es, das Gefühl zu schulen, damit man sich in das jeweilige Pferd hineinversetzen kann. Es gilt zu erkennen, wie häufig Übungen wiederholt werden können, wie lange man nach einer Übung dem Pferd eine Pause gibt, wann man lobt etc. Timing ist wichtig.

Lernaufbau…. Vorgehen…

In der Verhaltensbiologie hat sich Folgendes herausgestellt: Zu Beginn einer Lernphase muss jeder Versuch (und sei er noch so klein) belohnt werden. Hat das Pferd einmal den Weg gefunden, was man von ihm will, belohnt man nur noch die deutlichen (richtigen) Versuche seitens des Pferdes die Aufgabe zu lösen. Ist die Aufgabe eigentlich schon gelernt, wird nur noch unregelmäßig belohnt – bzw. nur noch die wirklich tollen Ergebnisse (ggfs. um wieder neue Motivation aufkommen zu lassen – auch zwischendurch mal einen nicht ganz so gelungenen Versuch.)

Erlernte Hilflosigkeit

mit Strafe erziehen ………

Strafe funktioniert auch! (Leider…..)

Ein Pferd, das hauptsächlich mit Strafe ausgebildet wurde, kann ein nach außen hin recht erfolgreiches Pferd sein. Es zeigt sich “artig” und kann auch in seiner ausgebildeten Disziplin recht gute Leistungen bringen.

Ein Freizeitpferd, an das wir Anforderungen wie Zuverlässigkeit und Scheufreiheit etc. stellen, wird so ein Pferd aber bestimmt nicht. Das Pferd wird je nach Temperament mehr oder weniger heftig versuchen, dem Einflussbereich des Menschen zu entgehen. Keine gute Ausgangslage für ein Verlasspferd.

Ein Experiment …..

In Europa werden Experimente zur Erforschung der Verhaltensbiologie hauptsächlich an Mäusen und Ratten durchgeführt. In Amerika gibt es auch Experimente mit Menschen.

Dr. Alfonso Aguilar erzählte auf einem seiner Seminare über folgenden Versuch:

Man bildete zwei Studentengruppen.
Der ersten Gruppe gab man Aufgaben, die innerhalb von 15 Sekunden gut zu beantworten waren.
Die zweite Gruppe erhielt Fragen, die in 15 Sekunden nicht zu beantworten sind.
Alle Mitglieder der zweiten Gruppe erhielten bei jeder falschen Anwort einen kurzen Stromschlag (sprich eine unangenehme Bestrafung!)

Runde zwei:
Beide Gruppen erhielten nun identische Fragen. Gruppe eins konnte eine hohe Anzahl der Fragen beantworten. Gruppe zwei versuchte es überhaupt nicht mehr. Alle Studenten in der Gruppe zwei ware so “eingeschüchtert” und so in Erwartung der “Strafe”, die ja auf jeden Fall zu kommen schien, dass sie eher passiv das Experiment vorübergehen lies.

Erlernte Hilflosigkeit….

Der Begriff “erlernte Hilflosigkeit” wurde 1967 von den amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier geprägt.
» siehe Wikipedia erlernte Hilflosigkeit – Experiment mit Hunden

So drastisch das Beispiel vielleicht auf den ersten Blick wirkt, im Nachhinein, dient es aber sehr plastisch zur Erklärung. Ohne Motivation werden unsere Pferde bald keine Versuche mehr starten neues Verhalten bzw. neue Verhaltensmuster zu zeigen. Unsere Pferde, werden vorsichtshalber nur noch Verhaltensmuster zeigen, bei denen sie “sicher sind”, dass keine Strafe folgt.

Helfen wir unseren Pferden, damit sie positiv lernen können!

Wir wollen unseren Pferden keine Hilflosigkeit beibringen – (in der Verhaltensbiologie als submissives Verhalten bezeichnet …. übrigens bei Versuchen mit Mäusen wurde nachgewiesen, dass sogar körperliche Gesundheitsprobleme bis zum Tod dadurch ausgelöst werden können!) – sondern …
… wir wollen ihnen neue Lektionen beibringen, wir wollen ihnen die Angst vor dem Hänger fahren nehmen, wir wollen ihnen beibringen gelassen auf Schrecksituationen zu reagieren usw. usw.

Strafe

Eigentlich gibt es nur eine Situation, in der Strafe angebracht ist. –> Die Sicherheit des Menschen ist gefährdet:
Das Pferd wird aggressiv, droht, beißt oder tritt… dann gilt es…. sofortauf der Stelle muss dem Pferd unmissverständlich klar gemacht werden, dass es seine Grenzen weit überschritten hat.

Hier nutzen wir die Strafe um ein Verhalten zu beenden! Lernen bedeutet aber nicht ein Verhalten zu beenden, sondern lernen soll ein “neues” Verhalten hervorbringen. Strafe beendet ein Verhalten!

Beenden wir alle Versuche des Pferdes, aufgrund unserer Hilfen ein Verhalten anzubieten, wird es mit der Zeit keinen Versuch mehr unternehmen zu reagieren.
Das Pferd stumpft ab – es resigniert – es wartet auf die scheinbar unausweichliche Strafe.

Motivation und ein Pferd mit Spaß an der Arbeit sieht anders aus!

 Quelle: www.pferdeleben.de

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10 genetische Verhaltensweisen die man bei Pferden verstehen sollte!

Warum tut er das? Wovor hat er Angst … da ist nichts! Die meisten, wenn nicht alle Pferdebesitzer haben sich das bereits gefragt. Auch wenn wir nicht immer das Verhalten der Pferde verstehen –immer steckt ein Grund dahinter, oder? Absolut. Diese Verhaltensweisen stammen alle aus der Evolution und Pferdebesitzern können sehr stark vom Verständnis dieser Verhaltensweisen profitieren.

Es gibt 10 genetisch vorgegebenen Verhaltensweisen, einzigartige Qualitäten des Pferdes, die durch natürliche Selektion über 50 Millionen Jahre vom Pferd entwickelt wurden und sich zur Arterhaltung und dem eigenen Überleben bewährt haben. Die Nichtbeachtung dieser Qualitäten, sowie

ein Unverständnis der Pferdebesitzer, machen es unmöglich, eine optimale Kommunikation mit Pferden zu haben.

1. Flucht – Wir neigen dazu, die Flatterhaftigkeit des Pferdes als Dummheit zu werten. Aber wenn Pferde erschrecken und weglaufen ist es einfach ein angeborener Instinkt, der auftritt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Beutetieren, die Hörner, Hauer oder Geweihe zur Verteidigung haben sind Pferde mit einem einzigen Mechanismus bewaffnet: Mit ihrem Mechanismus “das Leben zu retten” und der Fähigkeit sehr schnell zu laufen. Die folgenden neun Qualitäten stammen aus der ersten Reaktion der Pferde, der Flucht.

2. Wahrnehmung – Das Pferd ist das scharfsinnigste aller Haustiere. Diese Qualität ist wichtig für die schnelle Erkennung und Flucht vor Raubtieren. Sehen wir uns einmal die fünf wichtigsten Sinne an:

Geruchssinn: Pferde haben einen sehr guten Geruchssinn, da wird sogar so manche Hundenase blass vor Neid.

Hören: Menschen hören in einem Frequenzbereich von etwa 20 000 Hertz. Ein Hertz = eine Schwingung pro Sekunde. Pferde hören mindestens bis zu 38 kHz, also bis zu 38 000 Schwingungen pro Sekunde. Pferde können somit im Ultraschallbereich hören. Zudem können sie die Ohren schwenken und das gibt dem Pferd die Möglichkeit genau festzulegen, woher die Klänge stammen und wie weit sie entfernt sind. Dies war auch entscheidend für das Überleben in der Wildnis.

Tastsinn: Ein Pferd ist sehr empfindlich, weshalb ein schlecht platzierter Satteldecke oder gar eine einzelne Fliege extreme Reizungen verursachen kann. Menschen haben diesen Sinn lediglich in den Fingerspitzen, das Pferd hat den Tastsinn über seinen gesamten Körper verteilt.

Geschmackssinn: Haben Sie schon einmal versucht unbemerkt Buta oder ein neues Ergänzungsmittel in das Pferdefutter zu mischen? Meist erhält man da lediglich ein Naserümpfen. Pferde haben einen sehr ausgeprägten Geschmackssinn. Bei Weiden in der freien Wildbahn ist es wichtig für Pferde zwischen gutem Gras und verschimmelten Futter zu differenzieren.

Sehen: Der Sinn, der sich am meisten vom Unsrigen unterscheidet ist das Augenlicht des Pferdes. Während die Pferde keine besonders starke Tiefenwahrnehmung haben, gibt es andere Faktoren, die Pferde ermöglichen Dinge zu sehen, die uns gar nicht wirklich bewusst sind. Die seitlich platzierten Augen erlauben Pferden eine nahezu 360° Rundumsicht, ein wichtiger Mechanismus des Überlebens für die wilden Equiden. Zusätzlich haben Pferde eine hervorragende Nachtsicht, ähnlich der einer Katze, aber lediglich in Schwarz-Weiss. Das Pferde-Fokussierungssystem unterscheidet sich auch sehr stark von dem der Menschen: Ein menschliches Auge benötigt im Schnitt etwa eineinhalb bis zwei Sekunden, um von Nah auf Fern umzuschalten. Pferde, auf der anderen Seite, machen den Übergang nahtlos. Dies liegt daran, dass sie verschiedene Teile des Auges zur Fokussierung verwenden. Pferde verwenden den oberen Teil ihrer Augen um Dinge aus der Nähe zu betrachten, weshalb sie oft ihre Köpfe dabei senken. Der untere Teil des Auges sieht weit entfernte Objekte scharf, weshalb das Tier seinen Kopf heben wird, wenn es etwas in der Ferne betrachtet. Wenn das Pferd seinen Kopf hoch hält, was es zwangsläufig tun muss um scharf zu sehen, ist es so aber auch gleichzeitig schneller in der Lage bei Bedarf zu flüchten.

3. Reaktionszeit: Pferde haben die schnellste Reaktion von allen domestizierten Tieren. Das ergibt sich wahrscheinlich daraus, dass Flucht der wichtigste Abwehrmechanismus des Pferdes ist. Während eine schnelle Reaktionszeit sehr nützlich für die Flucht vor Raubtieren ist, kann es aber auch für den Menschen rund um Pferde gefährlich werden. Wenn ein Pferd wirklich um sich schlagen oder zutreten will, könnten sich Menschen im Ernstfall nicht schnell genug entfernen.

4. Desensibilisierung: Obwohl Pferde von Natur aus flatterhaft sind und manchmal ängstlich, Desensibilisieren sich Pferde schneller als jedes andere domestizierte Tier. Wenn ein Tier auf der Flucht ist und dennoch an seinem Leben hängt, so ist es sinnvoll, gerade um Energie zu sparen, dass es die Fähigkeit hat, sich schnell zu Desensibilisieren ansonsten würden es auch vor ungefährlichen Dingen ewig davon laufen. Sobald das Pferd erkennt, dass der Reiz, der ihn erschreckt hat, nicht wirklich weh tut, wird die Mehrheit sehr rasch desensibilisiert.

5. Lernen: Der renommierte amerikanische Pferdepsychologe Miller ist davon überzeugt, dass das Pferd der schnellste Lerner aller heimischen Tiere ist. Wenn Sie durch die Flucht am Leben bleiben wollen oder müssen, so ist es besser wenn sie die Fähigkeit haben sehr schnell zu lernen.

6. Gedächtnis: Wer denkt, dass Pferde dumm sind, der irrt gewaltig. Die Merkfähigkeit des Pferdes ist unfehlbar. Sie haben eine der besten Erinnerungsfähigkeiten im gesamten Tierreich, sie sind nach den Elefanten gleich an zweiter Stelle, was diese Fähigkeit bertifft.

7. Dominanz: Equine Dominanz beruht nicht auf roher Kraft, weshalb wir Menschen eine Führungsposition in einer, so wie es der amerikanische Horseman Pat Parelli so treffend ausdrückt, Herde von Zweien, also Mensch und Pferd, der Leader sein können. In einer natürlichen Pferdeherde sind zumeist die älteren, erfahrenen und auch fairen Stuten die Führungspersönlichkeiten. Während diese in der Regel nicht in einem schlechten körperlichen Zustand sind, so sind sie sicher nicht das stärkste Mitglied einer Herde.

8. Kontrolle:  Pferde dominieren durch die Kontrolle der Bewegung. Dominante Stuten, zum Beispiel, behaupten ihre Führungsanspruch entweder dadurch, dass sie andere Pferde zur Bewegung zwingen oder in einer Bewegung hemmen. Dieser Umstand ermöglicht es uns Menschen, die Führung in einer Herde zu übernehmen.

9. Körpersprache: Im Gegensatz zu Menschen, die ihre Gefühle durch Worte ausdrücken können, sind Pferde rein auf die Körpersprache angewiesen. Wenn wir mit Pferden gerecht und natürlich interagieren wollen, müssen wir in der Lage sein die Körpersprache des Pferdes zu verstehen und zu imitieren.

10. Nestflüchter von Geburt an: Pferde kommen bereits voll Entwickelt zur Welt, was bedeutet, dass sie bereits kurz nach der Geburt auf ihren vier Beinen stehen können. Sie können sich sofort selbst ernähren, galoppieren, buckeln, fliehen und der Herde folgen. All ihren Sinne und neurologischen Funktionen sind vollkommen ausgereift. Kurz nach der Geburt ist eine der kritischen Lernphasen von Fohlen die die Bindung zur Mutter stärkt. Diese Phase können Pferdebesitzer für die Sozialisierung und Prägung der Fohlen auf dem Menschen sehr gut nutzen, auch Imprint genannt.

Natürlich ist jedes Pferd anders und sollte auch als Individuum behandelt werden. Das heißt, dass ein grundlegendes Verständnis wie ein Pferd „funktioniert“ vorhanden sein muss. Ein Reiter kann dieses Wissen sehr gut verwenden, um eine starke Beziehung zu dem Tier zu schmieden und auch einen sicheren Umgang in der Arbeit um ihn herum.

Quelle: http://www.nfwrc.com/cms/10-genetische-verhaltensweisen/

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Wie galoppiere ich leicht, unbeschwert und doch versammelt? Ein Bericht von Leslie Desmond

Wie galoppiere ich leicht, unbeschwert und doch versammelt?

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Wenn man ein Pferd rückwärts richtet, kann man am besten sehen, ob es seine Hufe richtig hebt. Schleifspuren im Sand bedeuten, dass das Pferd die Beine nicht richtig anhebt. Es bewegt sich nicht leichtfüßig und losgelassen, sondern schlurft durch den Sand. Dies ist ein sicherer Hinweis darauf, dass dieses Pferd sich auch in der Vorwärtsbewegung – und gerade im Galopp – genauso flach und schlurfend vorwärts bewegt. Es springt die Galoppschritte dann nicht richtig durch, sondern nimmt sie gequält und schwer.

Wenn sich das gleiche Pferd aber ohne Reiter bewegt, sind seine Galoppsprünge meist frei, losgelassen und ungezwungen. Der Grund: Der Reiter ist nicht richtig vorbereitet und ausgebildet. Er muss bei sich selbst anfangen. Sich fit machen. Ist er es nicht, kann er sich elastischer trainieren. Wenn er kein genaues Ziel hat, kann er zielgerichteter werden. Nur ein Reiter, der Fit und in seiner Mitte ist, kann dem Pferd ein guter Partner sein. Ein Pferd, dass von Natur aus frisch und frei galoppiert, muss lediglich lernen, dass es das auch unter dem Reiter kann und darf. Dass heißt nicht, dass man nun nur noch durch die Gegend jagd. Folgende Punkte zeigen einen möglichen Weg zum Ziel: Zu einem freien, losgelassenen, ungezwungenen und doch kontrollierten Galopp.

„Manchmal müssen wir uns erst ändern, damit sich unser Pferd ändern kann. Menschen, die den ganzen Tag funktionieren müssen – die z.B. immer das tun müssen was ihr Chef sagt – haben häufig Schwierigkeiten damit, sich los zu lassen. Denn Flexibilität, Spontanität und Anpassungsfähigkeit ist das, was wir dem Pferd bei seiner Ausbildung anbieten müssen. Nur über diese Eigenschaften lässt sich eine gefühlvolle Mensch-Pferd- Beziehung aufbauen. Versuche dich neu zu definieren. Nur für einen Augenblick. Wenn du Probleme hast in deinem Beruf, in deiner Familie, mit dem Computer oder sonst wie, was stellst du dann nicht alles für Überlegungen an, was du anders tun kannst, um das Problem zu lösen. Warum willst du nicht auch mit deinem Pferd einen neuen besseren Versuch starten.

Was bedeutet es eigentlich, ein Pferd zu versammeln, ihm einen Rahmen geben, es rund zu machen oder ins Gebiss zu reiten? Zunächst einmal bedeutet es für das Pferd, dass es sich nicht frei bewegen kann. Darüber denken viele nicht nach, die nach diesen Richtlinien arbeiten. Es ist wichtig, dass du deinem Pferd immer wieder kleine Aufgaben stellst. Eine Aufgabe für dein Pferd kann alles sein, was du möchtest. Du kannst ihm sagen: “Bitte einen Schritt zurück“, oder „den Kopf etwas runter bitte“, oder „bitte in den Hänger“ oder auch nur „geh hier entlang“.Aus irgend einem Grund forderst du das von deinem Pferd. Nur fordere es bewusst und führe es bewusst durch. Jeden Schritt, immer mit Schritten, die du von deinem Pferd mit Absicht forderst und nicht dein Pferd einfach so von sich alleine machen will. Du mußt wollen und nicht immer fragen: “Was will mein Pferd?“

Oft fordern Reiter etwas ab und im nächsten Augenblick ändern sie schon wieder ihre Meinung. Das erstickt den Versuch. Gib deinem Pferd aber auch die Möglichkeit das auszuführen, was du von ihm willst. Was wir wollen, ist das leichte und willige Gefühl des Pferdes für das was wir wollen. Es muß sich anfühlen, als wenn dein Pferd lang und gelöst mit weiträumigen Schritten nach einem Ritt nach Hause geht. Es ist die freie fließende Bewegung der Hüften und Schultern, wenn das Pferd entspannt ist, der Kopf schwingt und die Zügel schwingen lose mit im Rhythmus der vier Füße.

Und damit sind wir bei der Problematik des Galopps. Ein Weg, dieses Ziel auch im Galopp zu erreichen ist der, daß wir lernen müssen so schnell reiten zu können, wie ein Pferd laufen kann, ohne in den Zügeln und damit im Maul zu hängen, wenn es mal schnell wird. Wir müssen lernen wie man nicht gleich runter fällt. Wir müssen lernen nach vorn zu sehen und nicht nach unten, weiter zu atmen und nicht den Atem anhalten. Wir müssen wissen was wir wollen und nicht daran zweifeln das wir das Richtige tun. Das ist viel auf einmal.

Fühle dich im Galopp wohl, reite ihn aus, reite frei, reite vorwärts. Der Galopp ist für ein Pferd sehr bedeutungsvoll. Es ist für dich ein langer Weg, bis du dich wohl fühlst bei vollem Tempo. Du mußt einen unabhängigen Sitz haben, und eine unabhängigen Hand. Dein Pferd fühlt sich von Geburt an im Galopp wohl, du mußt es erst lernen. Springen in der englisch Reiterei und Arbeit mit Kälbern in der Western Reiterei in einem langsameren Tempo, das sind gute Hilfen um dahin zu kommen. Nicht nur weil dein Pferd irgendwann versteht, daß es einen Grund gibt, warum du dieses oder jenes von ihm willst, sondern mehr in der Art, daß da jemand ist, der die natürliche Bewegung des Pferdes bestimmen und ordnen kann. Das Meiste dabei ist mental, denn wenn das Pferd weiß, da ist eine Aufgabe, folgt es in den meisten Fällen auch der Aufforderung diese Aufgabe zu lösen. Das Pferd tut das in der Art, das es immer im Gleichgewicht bleiben will und in Übereinstimmung mit dem Gefühl des Reiters. Mit anderen Worten, alles was der Reiter tun muß, er darf das Pferd nicht in seiner Bewegung stören. Er muß mit minimaler Einmischung reiten und nicht aufhören in dieser Art mit seinem Pferd zu sprechen.

Wenn ein Pferd in Aufrichtung mit durchhängenden Zügeln, aufmerksam gespitzten Ohren, durchspringenden Hinterbeinen , die Schultern und Vorderfußwurzelgelenke schön weit vorgreifend, um Platz zu schaffen für die Hinterbeine, wenn ein Pferd so galoppiert, dann fühlst du die Kraft und Leichtigkeit mit der ein Pferd sich bewegen kann.

Du kannst in Bills Buch Fotos mit Beispielen sehen. Du kannst alles von deinem Pferd verlangen, was es physisch kann und das wird es auch tun, wenn es dich versteht. So auch deinen Wunsch aus dem Stand galoppieren zu wollen und umgekehrt vom Galopp zum Stand zu wechseln. Oder anders gesagt, wenn dein Pferd das Gefühl hat, dich nicht zu verstehen, dann fühlt es sich leblos, ich will damit sagen, es fühlt sich schrecklich. Das kannst auch du fühlen. Trotzdem versuchen Reiter immer wieder ein Pferd zu führen indem sie

1. Die Zügel fest anstellen und anziehen und das Pferd dann den Kopf hoch reißen.

2. Nach unten schauen (eine Verhaltensweise weil wir immer auf unsere Hände schauen, was in enger Verbindung steht zur Angst runter zu fallen, tatsächlich aber die Vorhand unnötig belastet.

3. Das Genick des Pferdes zu stark biegen (Hebelwirkung über die Zäumung, Tricks und ständiges im Maul hängen bewirken das)

4. Ein Hohlkreuz machen (eine feste Hand, schlechter Sitz, hochgezogene oder nach vorne gedrückte Absätze. All das bewirkt das.

5. Mit flatternden Schenkeln bzw. Schultern auf dem Pferd sitzen.

6. Das Pferd selbst Gebäudefehler hat: z.B. ein steifes Hinterbein, weiche Sprunggelenke, ein Hohlkreuz, eine schwere Vorhand.

Alle diese Fehler stören die Harmonie, das Gleichgewicht und die Verständigung und es herrscht ein schlechtes Gefühl zwischen Pferd und Reiter. Wie aber mache ich es besser? Laß dein Pferd sich wohl fühlen im Galopp. Du mußt 100%ig auch vorwärts wollen, wenn du angaloppieren willst. Zu Beginn ist das schwer, später kommt das ganz von alleine. Mit 100%ig meine ich, wirklich voller Dampf voraus und geh einfach nur mit, so wie dein Pferd rennt.

Um sich an das Gefühl zu gewöhnen, auf einem schnellen Pferd zu sitzen, hilft es, zunächst ein langsames Pferd zu reiten. Dann aber fordere zum Renngalopp auf, wenn du dein Gleichgewicht gefunden hast ohne im Maul zu hängen. Du kannst nicht dein Pferd zum Galopp auffordern und selbst nicht dazu bereit sein. Ich will damit sagen: Habe keine Angst vor dem Galopp. Deine Angst ist zwar gut zu verstehen, aber wenn du Angst hast, mußt du die Angst erst verlieren, egal wie du es anstellst, sie muß erst weg. Erst dann kannst du galoppieren und erst dann wirst du fühlen wie schön und angenehm es ist im vollen Galopp zu reiten, an statt ständig mit dem Gedanken: Mein Pferd wird doch jetzt nicht durch gehen. Für viele ist es ein geheimer Traum so zu galoppieren.

Deshalb ist es an der Zeit zu lernen wie man das am besten lernt und macht. Bringe dich und dein Pferd auf Erfolgskurs, ich will sagen: „Mach es sicher für dich“ Solltest du noch nie dein Pferd draußen im Gelände galoppiert haben, so mußt du erst eine sichere und leichte Verbindung zur Hinterhand und Vorhand sowohl vom Boden als auch im Stand, Schritt und Trab haben. Du wirst schon fühlen, wenn du so weit bist. Außerdem sei sicher, daß du dein Pferd anhalten kannst indem du seine Bewegung durch Gewichtseinwirkung ebenso wie mit sanfter Zügelhand verlangsamst und anhältst. Mit anhalten meine ich wirklich stehen bleiben.

Sei sicher, daß du dein Pferd rückwärts richten kannst, geradeaus und auf einem Bogen ohne im Maul zu hängen und ohne seine Füße durch den Staub schleifen zu lassen. Beide, der Reiter und das Pferd, müssen dies gut verstanden haben und bequem und einfach in ihr Repertoire aufgenommen haben. Du mußt wirklich Vertrauen haben. Es ist keine Garantie dafür, daß es immer sofort gut klappt, wenn du dann zum ersten mal galoppierst. So aber hast du immer ein gutes Fundament parat. Wenn alles einmal zu sehr aus der Kontrolle gerät, dann weißt du, wie du alles zurück nehmen kannst und wie du wieder zu einer Einigung mit deinem Pferd kommst. Dann suche dir einen guten vertrauten Platz, wo es nicht zu Schwierigkeiten kommen kann. Hier beginnst du mit der Arbeit, die ihr schon kennt und wo ihr euch sicher fühlt, bevor ihr erneut galoppiert. Das kann nach wenigen Minuten sein, oder auch nach Tagen.

Wie auch immer, wenn du die Versammlung und Leichtigkeit fühlen möchtest, die ein Pferd von Natur aus hat, dann mußt du in der Lage sein in dieser Art ein Pferd zu reiten, bei der du dein Pferd nur auf natürliche Weise beeinflußt. Damit dein Pferd das befolgt, mußt du dem Pferd genug Inspiration lassen dir als Antwort anzubieten was du vorher von ihm verlangt hast: Leichtigkeit und wirkliche Aufmerksamkeit auf die du dich verlassen kannst. Merke dir bitte: Pferde, die von ängstlichen Reitern geritten werden, werden auch ängstlich und das kann gefährlich werden. Ein Pferd muß wissen, daß es sich auch mit einem Reiter auf seinem Rücken frei bewegen kann. Ein Pferd, das das nicht weiß, kann nicht als gut ausgebildet gelten, und auch nicht als reell und erfolgreich trainiert. Noch etwas: Versuche nicht ein Pferd im Galopp zu reiten, auf dem du dich nicht wohl fühlst und versuche es nie alleine.

Du solltest dir bewußt sein: Ein Pferd zu bewegen hat immer etwas damit zu tun, daß sich beide, Pferd und Reiter verstehen. Das Ziel für den Reiter ist es für sich selbst und sein Pferd eine Vertrauensbasis zu bilden. Deine Vorstellung ist es, auf 4 Hufen unbeschwert daher zu reiten aber die Vorstellung des Pferdes ist es unter jemanden sich zu bewegen, der seinen Kopf runter ziehen kann oder verdrehen kann, schneller als sich diese Worte schreiben lassen. Auch dein eigenes Pferd denkt genau so und fürchtet das. Zunächst musst du Leben in dein Pferd bringen und es aufmerksam machen. Das ist die Leichtigkeit die da sein muss, ehe du mit der Versammlung beginnst.

Warum schreibe ich gerade darüber, das man und wie man ein schnelles Pferd reiten sollte? Was hat das zu tun mit Leichtigkeit, Versammlung und Erhabenheit? Genau darum, weil so viele Reiter erst gelernt haben ein Pferd zu versammeln und Aufrichtung abzufordern, bevor sie mit ihrem Pferd nach draußen ins Gelände gehen. Das verwundert mich wirklich, und ein Pferd ist noch mehr verwundert. Nebenbei ist es auch nicht gerade sicher. Geh doch einen anderen Weg: Du vergeudest eine Menge Zeit, wenn du erst mit der Versammlung des Pferdes anfängst, bevor das Pferd gelöst ist. Es gebraucht dann später viel mehr Zeit, damit es die Aufgaben korrekt ausführt. Ich will damit sagen: Es soll sich in alle Richtungen gelöst und frei bewegen können, am Führhalfter genauso wie unter dem Sattel. Pferde sind gelöst und frei geboren. Von Geburt haben sie eine Scheu vor Menschen sowie eine natürliche Scheu vor vielen anderen Dingen. Das führt manchmal dazu, daß sie wegrennen um sich in Sicherheit zu bringen und nicht stehen bleiben um die Angst zu verlieren. Sie bekommen dann oft sogar Angst davor, daß sie Angst bekommen könnten. Erhalte die natürliche Gelöstheit.

Einige Pferde haben ihre natürliche, angeborene gelöst zu sein verloren. Sie haben aufgegeben damit sie brav sind.- Ihr Verstand ist umgepolt. Andere Pferde unterdrücken sie und das sind oft die dummen Pferde bis zu dem Augenblick, wenn sie sich nicht mehr unterdrücken lassen. Dies ist der Pferdetyp von dem du immer hörst: “Er hat mich abgebuckelt ohne einen Grund! Er hat es nie vorher gemacht.“ Oder so: “Er ist ohne einen Grund durchgegangen! Ich habe ihn 4 Tage die Woche geritten in den letzten 3 Jahren aber das hat er noch nie gemacht.“ Wir müssen unser Pferd gelöst halten damit wir uns wohl fühlen auf unserm Pferd. Genauso wie unser Pferd sich nur wohl fühlt, wenn es gelöst ist. Ansonsten passiert das, was ich oben beschrieben habe. Buckeln, durchgehen usw. Weil Reiter oft Angst vor ihrem eigenen Pferd haben, sind sie nicht gelöst und das Pferd dann auch nicht. Das ist zu verstehen, aber es verändert ein Pferd ganz furchtbar. Es macht ein Pferd gefährlich, besonders für Anfänger, Kinder und andere Pferde. Das ist nicht gut. Ein Pferd lösen und gelöste Versammlung, das sind zwei verschiedene Dinge. Das Pferd wird von Natur aus zur Leichtigkeit und Gelöstheit finden, wenn es versteht was es tun soll. Es wird leichter und schneller gelöst und versammelt sein, wenn der Reiter für sich und sein Pferd eine Aufgabe hat. Aber – und das ist wichtig an dieser Stelle – es muß eine andere Aufgabe sein als die Aufgabe, das Pferd zu lösen.

Die Aufgabe darf also kein Selbstzweck sein. Viele Menschen wollen etwas sammeln, das man nicht sammeln kann. Ich sehe, wie es überall versucht wird, aber nicht klappt. Es ist nicht klug an der Versammlung zu arbeiten, indem man sein Pferd einengt und seine Absätze und Sporen einsetzt oder das Pferd mit einer Gerte schlägt damit es vorwärts geht. Es ist unvorstellbar wie viele Menschen das so machen nur um eine Aufgabe auszuführen. Das kann doch nicht richtig sein. Pferde sind gebaut und geboren um zu rennen, also zeige deinem Pferd, daß du das auch gut findest. Nimm ihm die Angst und galoppiere.

Wenn du Angst vor dem Galopp hast, dann ist das schon ein Problem für das Pferd. Um das zu bewältigen, versuche ein anderes Pferd zu reiten, zu dem du mehr Vertrauen hast. Galoppieren wollen aber Angst davor haben, das ist Gift für ein Pferd. Was heisst losgelöst in der Reiterei? Ein Pferd läßt sich nicht lösen durch Drill, Tricks oder Zwang. Ist jemand ängstlich oder hat Selbstzweifel dann zwängt er meist auch sein Pferd ein. Es gibt Möglichkeiten aus dieser Angst und diesen Selbstzweifeln herauszukommen. Geh einfach einen Schritt zurück an den Punkt, an dem du dich noch wohl fühltest, bevor das unangenehme Gefühl von Angst oder Zweifel kam. Du wirst schon selbst merken wenn dann wieder alles in Ordnung ist.

Wer aufmerksam ist, wird die Anzeichen bei seinem Pferd merken und vorsichtig sein, um diese kleinen Hinweise nicht zu ignorieren nur weil er unbedingt eine ganz bestimmte Übung machen will. Wenn alles in Ordnung ist, keine Angst, keine Zweifel – dann kommt die Leichtigkeit der Bewegung wovon wir hier sprechen – ganz von alleine. Es ist so absichtslos, so wie wenn ein Vogel auf einen Ast fliegt. Woher weiß ein Vogel, daß irgendwo da unten ein Wurm ist den er sucht? Er weiß es nicht, er fühlt es. Ähnlich ist es mit dem Reiten. Um effektiv zu reiten, gebraucht man in erster Linie Gefühl. Beide, der Vogel wie der Reiter, gebrauchen eine Mischung aus Instinkt, Wissen, Gefühl, Timing, Balance, Beobachtungsgabe und Unbefangenheit.

Es ist eigentlich immer das Gleiche wovon ich hier spreche und was wir gebrauchen um unsere Pferde zu verstehen. Aus irgend einem Grund machen wir es komplizierter als es ist. Ich weiß nicht warum. Die Wirkung des indirekten und direkten Gefühls ist es, die es deinem Pferd möglich macht, das zu tun was du von ihm möchtest. So sagt Bill Dorrance es in seinem Buch. Damit die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd richtig fließt, muß dein Pferd deine Anweisungen zu sinnvollen Aktionen verstehen. Schlußendlich: Sei sicher, daß du gelöst galoppieren kannst. Vermeide Drill und Anweisungen, vermeide Vorhersagen. Langweile dein Pferd nicht mit Routine.

Pferde sind sehr intelligent. Es ist daher besser diese Fähigkeit gleich von Anfang an zu deinem Vorteil zu nutzen. Mach dir klar was du von deinem Pferd erwartest. Mach dir bewußt, daß dein Pferd mutig und unerschrocken ist, und daß es sich gerne bewegt. Diese neue Art weicht ab von der gerade nicht gerade schmeichelhaften, jahrhundertelangen geschichtlichen Entwicklung zwischen Mensch und Pferd und sie paßt genau in die neue Entwicklung wie sie zur Zeit überall in der Reiterwelt auftaucht.

 Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/

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Vorwärts Reiten

Ein passender Bericht von Petra Roth Leckebusch zum gestrigen Thema


Richtig, Westernpferde sollen entspannt und gelassen sein. Sie sollen einen taktreinen Schritt, einen bequemen Jog, einen gleichmäßigen Lope gehen. Am Ende der Ausbildung sollen sie sich selber tragen und am losen Zügel ein gleichmäßiges Tempo halten können. Viele Westernreiter scheinen zu vergessen, dass dies ein Endergebnis einer jahrelangen Ausbildung ist! Denn ein Pferd muss zunächst einmal die Kraft und Balance bekommen, um langsam gehen zu können.

Gerade junge Pferde brauchen zu Beginn der Ausbildung etwas mehr Tempo, um sich auszubalancieren. Sie können dabei auch nicht sofort gleichzeitig durchs Genick gehen. Der Hals ist ihre Balancestange, und der muss lang und frei sein, damit sie lernen können, den Reiter zu tragen.

Unschön und folgenschwer: „Gebremste“ Jungpferde

Leider häufig zu sehen sind zusammengezogene Jungpferde, denen der Reiter den Kopf auf die Brust zieht und die unter allen Umständen langsam laufen sollen. Der Grund ist die Angst des Reiters, das Pferd könne ihm weglaufen. Die Folge ist ein verspanntes Pferd, das den Rücken festhält und auf der Vorhand liegt. Wenn die Verspannung lange genug anhält, wird das Pferd beginnen, sich auf die eine oder andere Weise zu wehren, denn es geht ihm nicht gut. Solche Pferde laufen dann weg, sobald man die Zügel lang lässt, andere bocken oder scheuen.

Manche verlieren auch ganz den Vorwärtsdrang und werden „klemmig“, d.h. sie halten sich fest und reagieren nicht mehr auf den vorwärtstreibenden Schenkel. Ihre Reiter versuchen dann mit noch mehr Druck, Strafe oder mit weiteren Zwangsmitteln wie z.B. schärferen Gebissen oder Schlaufzügeln das Problem zu lösen. Dadurch wird natürlich das Problem nur verschärft. Manch ein Pferd resigniert bei einer solchen Ausbildung und nimmt die Tortur irgendwann einfach hin. Andere Tiere bekommen ernste körperliche Probleme und beginnen zu lahmen. Die Pferdephysiotherapeuten oder Osteopathen haben dann gut zu tun, aber sie können auch nichts ausrichten, wenn sich der Trainingsstil nicht ändert.

Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Reiter ist Basis der Ausbildung

Pferde sind Fluchttiere und sie rennen, wenn sie Angst haben. Daher ist das Wichtigste in der Ausbildung, dem Pferd seinen Job beizubringen und ein Verhältnis zwischen Reiter und Pferd zu schaffen, bei dem sich beide gegenseitig vertrauen und miteinander wohlfühlen. Das erreicht man nicht mit Kraft oder Schmerzen, sondern nur mit Lob und Verständnis.

Junge Pferde sollte man vor dem Reiten ein paar Minuten ablongieren oder im Round Pen laufen lassen, damit sie Gelegenheit zum Austoben haben, bevor der Reiter im Sattel sitzt.

Vorwärts Reiten!: Aufbau von Balance und Kraft zur Vorbereitung auf langsame, getragene Gänge

Gerade zu Beginn der Ausbildung muss man es dem Pferd gestatten, sein Tempo zu finden. Das bedeutet nicht, dass man das Pferd unkontrolliert unter sich rennen lassen soll. Aber man darf auch keinen Herzinfarkt bekommen, wenn es mal ein paar schnellere Schritte macht. Oft ist es eben die mangelnde Balance, die das Pferd dazu bringt z.B. beim Antraben oder Angaloppieren zuerst etwas im Tempo zuzulegen.

Der Reiter sollte darauf gar nicht reagieren, geschmeidig sitzen und dem Pferd Gelegenheit geben, seine Balance wieder zu finden. Ideal ist es z.B. im Gelände eine schöne lange Strecke durch zu traben oder zu galoppieren und das Pferd frei hinter einem erfahrenen älteren Pferd herlaufen zu lassen, bis man spürt, wie der Rücken schwingt und es den Hals von alleine fallen lässt.

Manche Jungpferde reagieren auf das ungewohnte Reitergewicht aber genau andersherum: Sie rennen nicht, sondern sie gehen gar nicht vorwärts. Diese Pferde muss man erst recht nicht bremsen, sondern in die Gänge bringen und energisch vorwärtsreiten, bis sie frei laufen ohne ständig angetrieben zu werden. Bill Dorrance: „Mir kann kein Pferd durchgehen, ich kann immer schneller reiten, als es laufen kann.“

Auch in der Bahn sollte der Reiter zunächst große Linien reiten. Wenn das Pferd zu schnell wird, kann man z.B. auf den Zirkel gehen und warten bis das Pferd im Tempo zurückkommt. Mit fortschreitender Ausbildung verbessert das Pferd seine Balance und die Kraft nimmt zu. Es wird dann in der Lage sein, zunächst für einen kurzen Moment langsamer gehen zu können ohne dabei Takt und Losgelassenheit zu verlieren. Das wird mit einer Pause belohnt.

Was ist „schnell“ – was ist „langsam“?

„Schnell“ und „langsam“ sind dabei sehr subjektive Begriffe. Ich finde es Besorgnis erregend, wenn heute viele Westernreiter ein frisch und frei vorwärtsgehendes Pferd, das zufrieden und mit schwingendem Rücken dahertrabt, schon als „schnell rennendes“ Pferd ansehen. Wie schnell und wie langsam ein Pferd gehen kann, hängt mit seinem Exterieur zusammen. Ein Pferd mit einer kräftigen Hinterhand und einem balancierten Gebäude hat es leichter, sein Gewicht und das des Reiters zu tragen. Wie balanciert ein Pferd von Natur aus ist, sieht man gut, wenn man es frei im Round Pen laufen lässt. Das eine Pferd kann auf einem Zirkel von 15 – 17m ohne Probleme galoppieren, während ein anderes lieber schnell trabt. Dabei fallen junge Pferde im Round Pen häufig auf einer Hand in Kreuzgalopp oder Außengalopp; das hängt damit zusammen, dass sie noch nicht geradegerichtet sind und es ihnen schwer fällt, sich auf beiden Händen gleichmäßig zu biegen. Das ist ein Fehler, der mit der Ausbildung und der damit verbundenen Gymnastizierung behoben werden kann.

Tempo verlangsamen durch mehrmonatiges Training

Erst wenn das Pferd auf großen Linien taktmäßig und losgelassen vorwärts geht, kann man damit beginnen, es durchs Genick zu stellen und es vorwärts Abwärts zu reiten. Dann beginnt die biegende Arbeit auf beiden Händen. Ein Jungpferd versteht nicht, wenn man es mit dem Schenkel antreibt und gleichzeitig mit der Hand rückwärts wirkt. Daher sollte man zunächst Schenkel und Hand nicht gleichzeitig verwenden. Erst wenn das Pferd nach mehreren Monaten Training die Hilfen verstanden hat und genügend nachgiebig ist, kann man damit beginnen, es vorsichtig gegen die Hand zu treiben und dadurch das Tempo verlangsamen.

Vorwärts reiten – auch die älteren Pferde!

Aber auch ein fertig ausgebildetes Pferd, egal welcher Disziplin, muss zum Lösen und zur Verbesserung von Kraft und Balance vorwärts geritten werden. Es muss energisch antreten können, wenn der Reiter das verlangt – und genauso willig im Tempo zurückkommen. Es kann sich nur in einer guten Selbsthaltung tragen, wenn es dabei gerade gerichtet ist. Nur dann kann es Last auf der Hinterhand aufnehmen und diese dort in einem langsamen Tempo halten, oder energisch die Kraft nach vorne bringen und das Tempo erhöhen.

Ein geradegerichtetes, balanciertes und losgelassenes Pferd stellt dem Reiter seine Kraft in jeder Form zur Verfügung, und es wird das gerne tun. Doch der Weg dorthin ist weit. Auch ein talentiertes Pferd wird mehrere Jahre Training brauchen, bis es am losen Zügel in Selbsthaltung gehen kann.

Ein Pferd kann langsam gehen, wenn es die nötige Kraft dazu hat. Ein mit Hilfe der Zügel nach hinten gerittenes Pferd ist keine Lösung und darüberhinaus immer ein trauriger Anblick.


Quelle:  Petra Roth-Leckebusch für westernreiter (EWU)

Quelle: http://www.wittelsbuerger.de/wissen/2013/vorwaerts_reiten.htm

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