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Lernverhalten beim Pferd

Pferde lernen

Wenn wir Pferde halten, dann bringen wir Ihnen ständig etwas bei. Nicht nur beim Reiten sind wir auf das Lernvermögen unserer Pferde angewiesen:

Wie soll sich das Pferd verhalten, wenn wir es führen?
Darf das Pferd dem Menschen auf die Füße treten bzw. es anrempeln?
Was soll ein Pferd machen, wenn es an eine “Leine” gebunden wird und plötzlich um den Menschen herumlaufen soll?

Da unsere Pferde sehr viel im Laufe ihres Lebens lernen, scheint es interessant mal ein wenig auf die Theorie zu schauen. Wie lernt ein Pferd? Wie funktioniert überhaupt das Lernen?

Was gehört alles zum “Lernen”?

Vorüberlegungen: Lerntheorien werden später “eher wissenschaftlich” noch erklärt. Zunächst scheint es interessant zu überlegen, was man sich selber unter Lernen vorstellt:

Zum “Lernen” gehört zunächst einmal ein Verhalten. Denn nur ein bestimmtes (äußerlich sichtbares) Verhalten nehmen wir an unseren Pferden wahr. Dann gehört noch etwas “Neues” (eine neue Situation, ein neuer Gegenstand) dazu. – Das Pferd hat gelernt mit einem bestimmten Verhalten auf einen neuen Gegenstand (auf ein “neues” Verhalten seines Ausbilders) zu reagieren. Wir sprechen vom Lernen!

Das Pferd muß also in irgendeiner Form aktivwerden,um zu lernen. Ein Pferd lernt beispielsweise, dass eine zunächst angsteinflössende Plane ungefährlich ist. Das Pferd lernt es, weil es dann doch nach einiger Zeit neugierig ist und sich der Plane nähert. Es beschnuppert vielleicht die Plane, kratzt vorsichtig mit dem Huf auf ihr herum……

Zum Lernen gehört also der Spieltrieb, die Neugierde, die Motivation von Seiten des Pferdes. Das Lernen lernenDamit unsere Pferde wirklich lernen können, müssen wir entsprechende Möglichkeiten schaffen. Hat das Pferd bisher erfahren, dass es immer nur bestraft wird, wenn es etwas versucht herauszubekommen – sprich etwas ausprobiert – dann wird es auch nicht mehr lernen. Es bleibt passiv – da es die Strafe fürchtet.

Wir müssen unseren Pferden den Raum lassen auch mal etwas “Falsches” auszuprobieren. Sobald es dann (zunächst vielleicht zufällig) das richtige Verhalten zeigt, wird es belohnt. Aber….

Wo ist denn nun die Grenze zwischen Bestrafung, negative und positive Belohnung / Bestärkung? Im Umgang dürfen wir nicht vergessen, dass Pferde um ein Vielfaches größer, schwerer und auch stärker sind als wir. Es ist einfach zu gefährlich, Pferden alles zu erlauben.

Loben

Motivation durch Belohnung

Hier scheiden sich häufig die Geister. In unzähligen Fachzeitschriften streiten sich die Experten. Belohnung durch Futter – Belohnung nur durch akustische Reize – Klickertraining etc.

Gehen Sie mal mit geöffneten Ohren durch einen Stall

Probieren Sie doch einfach mal Folgendes: Sie betreten eine Stallgasse am frühen Abend und stellen sich einfach mal ganz unbeobachtet in eine Ecke. Erleben Sie dann ganz bewusst einmal die Athmosphäre, die auf der Stallgasse herrscht.

“Jetzt bleib´doch endlich einmal stehen!”
“Kannst Du mir nicht mal gescheit den Huf geben!”
“Herrgott – jetzt bleib doch endlich mal still stehen!”
“Wie wäre es mal – wenn Du mal ´rum gehen würdest?”

Mehr oder weniger freundlich, werden Pferde angesprochen … Haben Sie eigentlich schon häufiger Pferdebesitzer erlebt, die ihre Pferde loben?

Loben fällt uns häufig schwer

Naja, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht in Deutschlands Ställen … oder doch? Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann fällt es doch schon auf, dass Loben viel schwieriger ist als Kritik. Gerade wenn man aus dem Stau noch schnell in den Stall kommt, ist man nicht gerade sehr ausgeglichen. In so einem Moment auch noch die Ruhe zu finden, das Pferd für richtiges Verhalten zu loben und zwar auch noch exakt im richtigen Moment fällt nicht immer leicht.

Dennoch….

Überlegen Sie in welcher Athmosphäre es Ihnen selber leichter fällt zu lernen bzw. zu arbeiten. Diese Athmosphäre sollten Sie auch versuchen für sich und Ihr Pferd zu schaffen.

Was bedeutet nun “loben”?

Wir brauchen selbstverständlich nicht jede Bewegung und jede Reaktion des Pferdes ununterbrochen zu loben. Das würde dem Pferd tatsächlich sogar lästig …

Motivation

Jede Reaktion im Zeitfenster von 2 – 3 Sekunden nach dem jeweiligen Verhalten gehört zur Bestärkung. Hier sollte mehr Augenmerk auf die positive Bestärkung gelegt werden.

Positive Verstärkung kann wie folgt aussehen:
– stimmliches Lob
– Futter / Futterbelohnung
– Ruhe(Pausen) anbieten
– Training beenden
– Streicheln etc.

Wichtig hierbei ist es, das Gefühl zu schulen, damit man sich in das jeweilige Pferd hineinversetzen kann. Es gilt zu erkennen, wie häufig Übungen wiederholt werden können, wie lange man nach einer Übung dem Pferd eine Pause gibt, wann man lobt etc. Timing ist wichtig.

Lernaufbau…. Vorgehen…

In der Verhaltensbiologie hat sich Folgendes herausgestellt: Zu Beginn einer Lernphase muss jeder Versuch (und sei er noch so klein) belohnt werden. Hat das Pferd einmal den Weg gefunden, was man von ihm will, belohnt man nur noch die deutlichen (richtigen) Versuche seitens des Pferdes die Aufgabe zu lösen. Ist die Aufgabe eigentlich schon gelernt, wird nur noch unregelmäßig belohnt – bzw. nur noch die wirklich tollen Ergebnisse (ggfs. um wieder neue Motivation aufkommen zu lassen – auch zwischendurch mal einen nicht ganz so gelungenen Versuch.)

Erlernte Hilflosigkeit

mit Strafe erziehen ………

Strafe funktioniert auch! (Leider…..)

Ein Pferd, das hauptsächlich mit Strafe ausgebildet wurde, kann ein nach außen hin recht erfolgreiches Pferd sein. Es zeigt sich “artig” und kann auch in seiner ausgebildeten Disziplin recht gute Leistungen bringen.

Ein Freizeitpferd, an das wir Anforderungen wie Zuverlässigkeit und Scheufreiheit etc. stellen, wird so ein Pferd aber bestimmt nicht. Das Pferd wird je nach Temperament mehr oder weniger heftig versuchen, dem Einflussbereich des Menschen zu entgehen. Keine gute Ausgangslage für ein Verlasspferd.

Ein Experiment …..

In Europa werden Experimente zur Erforschung der Verhaltensbiologie hauptsächlich an Mäusen und Ratten durchgeführt. In Amerika gibt es auch Experimente mit Menschen.

Dr. Alfonso Aguilar erzählte auf einem seiner Seminare über folgenden Versuch:

Man bildete zwei Studentengruppen.
Der ersten Gruppe gab man Aufgaben, die innerhalb von 15 Sekunden gut zu beantworten waren.
Die zweite Gruppe erhielt Fragen, die in 15 Sekunden nicht zu beantworten sind.
Alle Mitglieder der zweiten Gruppe erhielten bei jeder falschen Anwort einen kurzen Stromschlag (sprich eine unangenehme Bestrafung!)

Runde zwei:
Beide Gruppen erhielten nun identische Fragen. Gruppe eins konnte eine hohe Anzahl der Fragen beantworten. Gruppe zwei versuchte es überhaupt nicht mehr. Alle Studenten in der Gruppe zwei ware so “eingeschüchtert” und so in Erwartung der “Strafe”, die ja auf jeden Fall zu kommen schien, dass sie eher passiv das Experiment vorübergehen lies.

Erlernte Hilflosigkeit….

Der Begriff “erlernte Hilflosigkeit” wurde 1967 von den amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier geprägt.
» siehe Wikipedia erlernte Hilflosigkeit – Experiment mit Hunden

So drastisch das Beispiel vielleicht auf den ersten Blick wirkt, im Nachhinein, dient es aber sehr plastisch zur Erklärung. Ohne Motivation werden unsere Pferde bald keine Versuche mehr starten neues Verhalten bzw. neue Verhaltensmuster zu zeigen. Unsere Pferde, werden vorsichtshalber nur noch Verhaltensmuster zeigen, bei denen sie “sicher sind”, dass keine Strafe folgt.

Helfen wir unseren Pferden, damit sie positiv lernen können!

Wir wollen unseren Pferden keine Hilflosigkeit beibringen – (in der Verhaltensbiologie als submissives Verhalten bezeichnet …. übrigens bei Versuchen mit Mäusen wurde nachgewiesen, dass sogar körperliche Gesundheitsprobleme bis zum Tod dadurch ausgelöst werden können!) – sondern …
… wir wollen ihnen neue Lektionen beibringen, wir wollen ihnen die Angst vor dem Hänger fahren nehmen, wir wollen ihnen beibringen gelassen auf Schrecksituationen zu reagieren usw. usw.

Strafe

Eigentlich gibt es nur eine Situation, in der Strafe angebracht ist. –> Die Sicherheit des Menschen ist gefährdet:
Das Pferd wird aggressiv, droht, beißt oder tritt… dann gilt es…. sofortauf der Stelle muss dem Pferd unmissverständlich klar gemacht werden, dass es seine Grenzen weit überschritten hat.

Hier nutzen wir die Strafe um ein Verhalten zu beenden! Lernen bedeutet aber nicht ein Verhalten zu beenden, sondern lernen soll ein “neues” Verhalten hervorbringen. Strafe beendet ein Verhalten!

Beenden wir alle Versuche des Pferdes, aufgrund unserer Hilfen ein Verhalten anzubieten, wird es mit der Zeit keinen Versuch mehr unternehmen zu reagieren.
Das Pferd stumpft ab – es resigniert – es wartet auf die scheinbar unausweichliche Strafe.

Motivation und ein Pferd mit Spaß an der Arbeit sieht anders aus!

 Quelle: www.pferdeleben.de

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Menschen und Pferde 2013

Ein paar Erinnerungen und Eindrücke aus 2013

Collage

Mehr Bilder und Impressionen findet ihr hier: http://www.openranch.de/kurse/

Ich wollte nicht versäumen einen kurzen Rückblick für das Jahr 2013 zu schreiben. Auf dem oberen Bild seht ihr ein paar meiner schönsten Eindrücke aus dem Jahr 2013. Es war ein unglaublich aufregendes, sehr lehrreiches und verrücktes Jahr. Nie hätte ich geglaubt so viele tolle Menschen kennen zu lernen. Ich hatte so viel Spaß, jeder Kurs war anders, immer besonders auf seine Art. Ich habe in den vielen Jahren vorher nicht annähernd so viel über Menschen und Pferde gelernt wie in dem vergangenen Jahr. Viele der Lehren machen jetzt erst Sinn, manches verstehe ich erst jetzt. Zusammenhänge werden klarer. Die Arbeit mit Pferden ist etwas besonderes und ich möchte es niemals missen!

Meine Mutter sagt immer Pferdeleute sind alle etwas „verrückt“ damit hat sie wahrscheinlich Recht. Letztens habe ich ihr einen Post aus Facebook vorgelesen, ich musste so sehr schmunzeln, meine Mutter hat nur mit dem Kopf geschüttelt. Jemand war krank und hat geschrieben nach langer Zeit endlich wieder im Stall und das misten macht so einen Spaß! Pferdeleute sind so herrlich anders! Menschen die damit nichts zu tun haben, können das nicht nachvollziehen. Das wir viel Geld für Dinge ausgeben, lieber eine neue Decke fürs Pony kaufen als uns ein paar neue Schuhe. Die Jagd und Pferd steht vor der Tür, wir fahren na klar hin. Obwohl alle sagen, eigentlich brauche ich ja nichts 😉 Und dann voller Tüten nach Hause kommen! Ich denke das ist eine Lebenseinstellung und nicht nur ein Hobby. Viele der Teilnehmer sind auch Freunde geworden, mit den meisten stehe ich noch immer im Kontakt. Im nächsten Jahr sehe ich ganz viele Gesichter wieder und freu mich sehr darüber. Auch kommen ganz viele neue „Verrückte“ dazu, die meisten Kurse sind schon jetzt fast vollständig schriftlich bestätigt und voll. Es gibt nur noch vereinzelt Plätze. Ich werde aufgrund der Nachfrage noch einige mehr planen. Für mich ein Erfolg mit dem ich nie gerechnet hätte und darauf bin ich sehr stolz!

Das Jahr 2014 wird nicht minder aufregend und interessant! Bin gespannt wievel Knoten noch platzen und wieviel Wissen noch dazu kommt….

Ich möchte mich bei euch alle bedanken, ihr alle habt dazu beigetragen das so ein Ort entstanden ist!

Ich wünsche euch schöne besinnliche Weihnachten und ein wundervolles neues Jahr 2014 mit viel Gesundheit und allem was ihr euch wünscht!

Marina

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Die Schuld hat immer der Reiter?

Warum macht mein Pferd das nicht? Ich reite schon seit ich ein Kind bin, aber dieses Pferd! Ich liebe mein Pferd, aber! Ich habe schon mein Leben lang Pferde, aber! Mein Pferd mach dies nicht! Mein Pferd kann das nicht! Ich habe das beste Pferd, aber! Mein Pferd versteht nicht! Ich habe keine Angst, aber ich will nicht, dass mein Pferd dies oder das macht!

All diese Fragen und Feststellungen haben die selbe Ursache. Die Wenigsten werden zustimmen oder zugeben dass es so ist, aber dafür gibt es lediglich eine Antwort: „Du verstehst die Pferde nicht!“ In 99% aller Fälle ist dabei der Reiter schuld.

Wenn sich jedoch das Pferd am Boden oder im Sattel nicht so verhält, wie der Reiter dies will, kommen meist oben genannte Ausreden. Zudem auch noch erklärend hinzu: „Der ist mit dem linken Fuß aufgestanden“ oder auch „das liegt sicher am Wetter“.

Ray Hunt, einer der besten Horsemen der Welt sagte einmal zu diesem Thema: „Viele Reiter mogeln sich so durch. Hie und da werden ein paar Basisübungen ausgelassen und konsequente Übungsabläufe unterbrochen. Die Ausbildung eines Pferdes ist jedoch wie ein Puzzle und alle Puzzleteile müssen an der richtigen Stelle liegen. […] Für Reiter, die jedoch keine fundierte Ausbildung genießen konnten und deswegen bei dem Puzzle noch nicht einmal die Ecken des Bildes und somit die Eckpfeiler der Reiterei finden, wird es ganz schön schwer.“

Dies geschieht zumeist aus einer Vermeidungsstrategie heraus, die der Reiter einnimmt. Oft sind hier zu wenig Wissen oder Können, zu geringes Selbstwertgefühl sowie zuwenig oder falsche Empathie der Grund. Es wird zudem auch bei Pferden ein Gedankengut hinein interpretiert, dass das Pferd eigentlich so gar nicht hätte. Anthropomorphismus, so der lateinische Fachbegriff dazu. Man kann ein Pferd nicht mit einem Menschen vergleichen. Dazu ist das Denken, Handeln und Fühlen zu sehr unterschiedlich.

Oft wird von ReiterInnen auch gesagt: „Ich schau mir mal verschiedene Ausbildungskonzepte an und hol mir dann etwas davon raus.“ Ist das nicht wie: Ich lerne mal ein paar Wörter Französisch, Englisch und Latein und dann kann ich Esperanto sprechen?

Ein Pferd braucht einen Leader, eine Orientierungshilfe. An wem soll sich das Pferd orientieren, wenn nicht am Reiter? Bekommt ein Pferd keine konsequente Führung, so übernimmt das Pferd automatisch diese Führungsrolle und bestimmt dann selbst als Leader was zu tun ist.

Pat Parelli, amerikanischer Horseman und auch Schüler von Ray Hunt gibt zu diesem Thema immer wieder zu bedenken: „It is not about the problem, it´s about the relationship!“ Es geht nicht um das Problem, es geht um die Beziehung. Ein Pferd, dass dich akzeptiert und respektiert, wird machen wonach du frägst. Dies bedingt jedoch, dass wir konsequent mit den Pferden arbeiten. Denn wie soll sich ein Pferd auskennen, wenn du heute ein Verhalten belohnst und morgen das Pferd für selbiges Verhalten bestrafst?

75% aller ReiterInnen haben zudem enorme Defizite im Reiten. Sie kennen keine Abfußungsfolge, spüren nicht ob das Pferd auf der Vorderhand läuft oder wann es sich auf die Hinterhand setzt, wissen nicht wann man welchen Zügel wie einsetzt und von einem korrekten Sitz ist oft gar keine Rede.

„Reiten ist wie Tanzen mit dem Pferd“, stellte Buck Brannaman einmal in den Raum. Um aber gute Figuren tanzen zu können, muss ich wissen, wann welcher Fuß wo ist. Andernfalls werde ich mich selbst behindern. Wenn man beim Pferd nicht weiß, welcher Fuß gerade wo ist, werde auch ich mein Pferd in der Ausübung mehr behindern, als ich ihm helfe. Leichtigkeit, Gefühl und Timing ist das A und O im Reiten.

„Reiter sehen es nicht gerne, wenn Grenzen gesetzt werden. Am liebsten würden sie alles ohne Druck machen. Doch wie auch bei antiautoritärer Erziehung hängt das Pferd ohne eine Zurechtweisung oft in der Luft. Grenzen setzen ist meiner Meinung nach fair. Keine Grenzen zu setzen ist sogar oft unfair“ so Birger Gieseke, selbst ein ausgezeichneter und erfahrener Horseman aus Deutschland.

“Wenn ihr das hier begreift, wenn ihr das hier hinkriegt, dann macht euch das besser. Und zwar in Dingen, von denen ihr nie geglaubt habt, dass sie mit Pferden zu tun haben”, sagt Buck Brannaman zu Beginn seines Filmes „Buck“

Es ist an uns zu begreifen, dass das Pferd aus dem Trieb handelt, sich selbst und die Art zu erhalten. Das ist vernünftig, sonst gäbe es keine Pferde mehr. Der Reiter hat das zu respektieren und sein Handeln danach zu richten. Ein Pferd soll die Sicherheit bekommen, dass es tun kann, was der Mensch von ihm erwartet, ohne dass es sich aufgeben muss. In erster Linie muss der Mensch erkennen und lernen, weniger zu tun um mehr zu erreichen. Statt dass er, wie so oft, mehr und mehr Druck ausübt. Blind dafür, dass er so immer weniger erreicht.

Ray Hunt: “Jetzt geht da raus und lernt von euren Pferden. Versucht, es auf ihr Niveau hinaufzuschaffen. Statt sie auf Eures herunter zu zerren.”

Quelle: http://www.nfwrc.com/cms/reiter-schuld/

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Letzte Info´s für den Longenkurs mit Petra Hamer am kommenden Wochenende

Der Kurs beginnt am Samstag offiziell um 9.00 Uhr mit einer Theorieeinheit. Die aktiven Teilnehmer mit Pferd sollten sich zwischen 8.00 – 8.30 Uhr einfinden. Die Paddocks und Boxen stehen dann bereits für die Pferde bereit. Das Eintreffen der Zuschauer sollte kurz vor 9.00 Uhr sein, damit wir rechtzeitig starten können. Gerne könnt ihr euch noch als Zuschauer bis Donnerstag morgen bei mir anmelden.

Aktive Teilnehmer sollten, wenn vorhanden, folgende Dinge mitbringen: Longe, Kappzaum, Gerte, Führpeitsche, Longierpeitsche. Sollten diese Dinge nicht vorhanden sein, kann ich gerne mein Equipment zur Verfügung stellen. Außerdem hat auch Petra immer einen Kappzaum, der den meisten Pferden passt, dabei.

Solltet ihr noch offene Fragen haben, könnt ihr euch gerne unter 0173-5428888 oder per Mail an marina.schmidt@openranch.de melden. Ich werde dann versuchen alle offenen Fragen schnellstmöglich zu klären.

Freue mich auf einen tollen Kurs mit viel Input, altbekannte Freunde, viele neue Gesichter und tollen Pony´s 🙂

liebe Grüße Marina

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Bericht über die Arbeit von Alfonso Aguilar

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Vom 9-11. September 2014 ist er bei uns und wird einen Kurs bei uns abhalten. 🙂 Die Vorfreude ist jetzt schon da !

9. September 2014: Bodenarbeitstag, Round Pen Arbeit, Kommunikation etc.

10.-11. September 2014: Bodenarbeit weiterführende Arbeiten und Reiten

Jeder Tag kann einzeln gebucht werden, Alfonso geht komplett auf eure Wünsche und Probleme ein. Alles kann individuell gestaltet werden. Wenn alle Informationen vorliegen werde ich den Kurs so schnell wie möglich veröffentlichen.

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Mehr zu Alfonso auch hier:

http://www.aguilarnaturalconcepts.com/German/html_german/germany.html


Lernen als Ausbildungsziel

Da Pferde nicht unsere Sprache sprechen, müssen wir ihre erlernen. Das tun wir am besten, wenn wir lernen, ‚wie Pferde lernen‘. Mit diesem Fachwissen ausgestattet, kann man dem Pferd individuell einen Lernweg aufzeigen, durch den es versteht, was wir von ihm wünschen. Alfonso Aguilar, Horsemanship-Ausbilder und Tierarzt, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Lernverhalten von Pferden und vermittelt diese Wissen in seinen praktisch orientierten Kursen. Seine Verständigung mit dem Pferd beginnt dabei am Boden.

Zögernd bringt Besitzerin Heike Merkisch ihren Braunen zum Round Pen. Kaum öffnet sie das Paneltor, schiebt sich das Pferd an der Besitzerin vorbei, zieht sie am Führstrick mit. Die Augen des Wallachs sind wach. Sein Körper gespannt. Kaum hat die 32-Jähre ihr Pferd vom Halfter befreit, dreht dieses auf der Hinterhand um und trabt zügig mit nach außen gebogenen Hals im Round Pen umher. Alfonso Aguilar steht ruhig neben ihr in der Mitte und lässt das Pferd gewähren. „Erst einmal kann er sich umschauen“, beginnt der Mexikaner seine Arbeit mit dem Kurspferd, „er erwartet schon von vorneherein, dass er Druck vom Menschen bekommt“, erklärt er. „Ich möchte seine Erwartungshaltung in den Menschen aber nicht erfüllen, sondern ändern.“ Der Horseman arbeitet zunächst nur mit dem Pferd alleine, während Merkisch das Verhalten ihres Pferdes und die Herangehensweise von Aguilar in Ruhe von Außen beobachtet. „Ich mache mit ihm keine freie Arbeit im Round Pen mehr, da ich es nicht schaffe, seine Aufmerksamkeit bei mir zu halten. Der Trainer, bei dem er kurzzeitig in Beritt war, hat ihn auf dem Zirkel gescheucht, bis er triefte vor Schweiß. Perino hat nun mal schlechte Erfahrungen im Round Pen gemacht“, erläutert die Besitzerin die Geschichte ihres Warmblutmixes.

Schlechte Erlebnisse vergessen Pferde nie

Aguilar, weiterhin passiv in der Mitte des Pens: „Pferde vergessen nichts. Das ist gut, wenn es um solides Training geht und schlecht, wenn sie traumatische Situationen erlebt haben. Diese sind meist nie wirklich aus ihrem Bewusstsein zu löschen. Man kann Pferden aber helfen, solche verankerten Ängste zu überwinden. Reiter neigen dazu, schnell aufzuhören, wenn etwas nicht gut läuft. Dennoch ist es wichtig, nicht aufzuhören, wenn gerade alles schief läuft, denn das ist dann das Bild, was das Pferd im Bewusstsein als zuletzt Gelerntes abspeichert. Am nächsten Tag wird das Problem dann noch größer sein“, beschreibt der Pferdekenner. Wichtig ist also, dass dem Pferd nach einer traumatischen Situation direkt gezeigt wird, das nichts gefährlich ist. Und dies geschieht bei ihm mit Ruhe, Schritt für Schritt. Und Ruhe, die hat der Horseman aus Mexiko. Seine bescheidene und unaufdringliche Art scheint das Geheimnis seines freundlichen und effektiven Umgangs mit Pferden zu sein, die sich schnell seinem Energiepegel anpassen.

Pferde ziehen sich in sich zurück

Das bedeutet aber nicht, dass der Ausbilder immer nur schlapp in der Mitte herum steht. Klar, deutlich und auch mal rasant agiert er, bleibt dabei aber immer aggressionslos und unaufdringlich in seinen Bewegungen. Kurswallach Perino, der wie ein aufgezogenes Uhrwerk seine Runden dreht, gibt er ziemlich schnell seine Wunschrichtung an. Er schneidet ihm den Weg ab und lässt ihn vom Seil weg in die andere Richtung wenden. „Perino schaltet mental aus. Es ist, als hätte er sich zurückgezogen und als wenn nur sein Körper die Abläufe abspult. Mental ist er gerade nicht zu erreichen. In so einem Fall unterbreche ich seinen eingefahrenen Modus. Das verwundert und verunsichert ihn zu beginn, gibt ihm aber die Möglichkeit, wieder frei zu denken und zu überlegen“, erklärt Aguilar. Ruckartig und schnell sind die Wendungen des Braunen, hektisch sein Auge. Doch dieses verändert sich. Aguilar positioniert sich immer wieder so neu, das der Wallach nachdenken muss. Dieser bewegt sich nun vorsichtiger, passt auf und versucht herauszufinden, was der Mensch will. Sein Blick wird fragender. Durch eine Pause gibt Aguilar ihm im richtigen Moment die Antwort: gut gemacht. Und schon ist das Pferd im Lernmodus, es ist hervorgekommen hinter seiner emotionalen Schutzmauer. „Nun bedarf es weniger ruhigen, gezielten Bewegungen des Maxikaners und Perino läuft ihm frei hinter her. Er bleibt neben ihm stehen. Die Spannung ist raus, das Pferd gäht. Viele Pferde tun dies in so einer Situation und manche Horsemen sagen: ‚er lässt die Schmetterlinge raus‘.

Tiere sterben, um Stress zu entkommen

Für Aguilar ist nun die Basis im Pferd für motiviertes Lernen geschaffen. Nun muss nur noch Besitzerin Merkisch dazu bereit sei, ihren eigenen Lernweg zu bestreiten. „Wenn etwas nicht klappt und Perino wieder einmal etwas tut, was mir nicht passt, frustriert mich das“, erzählt die Reiterin, der es dann an praktischen Möglichkeiten fehlt, die Situation ins Positive zu wenden. „Der mentale Zustand, in dem sich ein Reiter befindet, ist äußerst wichtig. Er entscheidet darüber, ob Lernen überhaupt möglich ist“, so Aguilar. „Viele Pferde geben innerlich auf, hören auf zu kooperieren und zu lernen, wenn der Mensch ihnen Aufgaben nicht verständlich vermitteln kann. Sie haben nicht die Chance, sich unseren Unzulänglichkeiten mit ihnen zu entziehen, wie Wildtiere es auf haben. Bei diesen Tieren gibt es nämlich den so genannten ‚Sudden Death‘. Wird ein Wildtier zum Beispiel gefangen und auf dem Boden mit Stricken gefesselt, kann es einfach sterben: es gibt auf und bekommt einen Herzstillstand. Pferde sterben nicht so schnell, aber sie werden – eingesperrt durch ihre heutigen domestizierten Lebensbedingungen in Stallungen oder auch auf Paddocks – frustriert. Wie dieser Wallach geben Sie auf und hören auf, zu kooperieren. Oder sie werden krank, bekommen Stresskoliken oder entwickeln ‚Untugenden‘ wie Koppen oder Weben.“

Frustrationen, die nicht lohnen

Und wie dem Pferd geht es dann meistens auch dem Reiter: klappen die Ausbildungsschritte mit dem Pferd nicht mehr, macht es nicht mehr das, was man möchte, wird der Reiter frustriert. Merkisch bestätigt dies: „Ich merke, wie sich in meinem Bauch ein Klotz formt und Frust steigt in mir auf. Ich weiß dann nicht, was ich machen soll, damit Perino das macht was ich möchte“. In der Regel fängt Gewalt da an wo wissen endet. Hier fehlt es also ‚nur‘ an den richtigen Ausbildungsschritten. Was mache ich, wenn…? Und diese Schritte müssen dann noch in der Praxis verstanden und umgesetzt werden. Keine Kleinigkeit. Aber durchaus machbar. „Auch der Mensch hat einen Lernrahmen und sollte offen für Neues sein, aber auch selbstkritisch und fair zu sich“, rät der Horseman. „Klappt etwas nicht, sollte man ‚immer‘ einen Schritt zurückgehen und nachdenken. Der Mensch sollte alles Erdenkliche tun ‚wollen‘, um zu loben und Freude zu haben. Funktioniert etwas nicht und Frust kommt auf, kann man zu einer Lektion zurückgehen, die klappt, das Pferd dafür loben und
sich über den gelungenen Moment freuen“.

Schritt für Schritt für Pferd und Reiter

Perinos Besitzerin lernt die ersten Schritte dazu im Round Pen: Hier ein bisschen mehr Druck, hier weniger, seitlich wegdrehen, schneller oder langsamer gehen, weniger Energie oder mehr – keiner hat gesagt, dass es leicht ist, neue Abläufe im Körper zu etablieren, aber mit etwas Übung gelingt es und Spaß macht es mit dem Fokus auf kleine Erfolge auch. Perino läuft nun auch seiner Besitzerin hinterher. Dies ist keine Soap-Story zum Thema ‚Pferdenanny‘, sondern die ersten kleinen Ausbildungsschritte zu adäquater Bodenarbeit im Sinne des Pferdes. „Hier ist nichts magisch an der Sache. Wir verstehen nur ein bisschen mehr, wie ein Pferd handelt und mit dem Wissen können wir uns dem Pferd gegenüber richtig verhalten. Das ist alles.“ Und jeder, der will, kann lernen, gefühlvoll und artgerecht mit seinem Pferd zu kommunizieren.

Text & Fotos: Rika Schneider

Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/

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Bericht über Leistungsfähigkeit durch artgerechte Haltung

Dass Jungpferde nur mit viel Bewegung auf großen Weiden gesund aufwachsen – da sind sich Experten einig. Dass viele Pferde aber über 60 Prozent ihres restlichen Lebens in der Box verbringen, kümmert nur wenige. Pferde brauchen Wind und Wetter, können durch Bewegung im Auslauf trainert werden. Gerade Sportpferde werden durch Offenstallhaltung leistungsfähiger und gesünder!


Offenstallhaltung, also artgerechte Haltung, ist nicht nur etwas für Freizeitpferde oder naturbezogene Pferdebesitzer. Sportlich genutzten Pferden, insbesondere Hochleistungspferden, bietet diese Art von Pferdehaltung mehr Möglichkeiten gesund und fit fürs Turnier zu sein. Der tägliche Auslauf des Pferdes übernimmt dabei einen Teil des Trainings. Denn dieses besteht nicht nur aus Bewegungsarbeit, sondern auch aus Faktoren, die die Gesundheit und Leistungsbereitschaft der Pferde unterstützen. Nicht artgerechte Haltung und mangelndes Bewegungsprogramm hingegen verursacht oft das Gegenteil: Gesundheit und Leistungsbereitschaft des Sportpferdes werden gehemmt oder sogar gänzlich zunichte gemacht.

Reiten, Fahren oder Longieren – das Training macht nur einen kleinen Anteil des sportlichen Erfolgs aus
Wenn man annimmt, dass die sportliche Eignung mit 20 Prozent genetisch vorgegeben ist, so bleiben 80 Prozent Umweltbedingungen, die das Ergebnis prägen. 4 Jahre (1 Jahr Trächtigkeit und 3 Jahre Aufzucht) gehen in der Regel mindestens der sportlichen Nutzung voraus. Wer würde bestreiten, dass die Haltung der Pferde in diesen Jahren von entscheidender Bedeutung ist? Der Mensch möchte das Pferd nun für bestimmte sportliche Zwecke ausbilden und nutzen. Ausbildung und Training von Reiter und Pferd sind für die Umsetzung der Ziele wichtig. Noch wichtiger sind dabei aber die Haltungsfaktoren: Ein krankes Pferd erbringt gar keine Leistung, ein nicht optimal gehaltenes Pferd erbringt eine schwache Leistung. Menschliche Hochleistungssportler stellen ebenfalls ihr gesamtes Leben auf die Leistung ab. Kein Bereich wird dabei außer Acht gelassen. Wer den ganzen Tag im Bett liegt, und nur einmal am Tag für eine Stunde hart trainiert, muss recht bald mit Verspannungen und Verletzungen rechnen. Zudem kann er selbstverständlich nicht mit demjenigen konkurrieren, der sich den ganzen Tag bewegt, physiotherapeutisch versorgt wird, sich gesund und leistungsbezogen ernährt und sich mit Trainingspartnern austauscht – also mit ganzem Herzen und Spaß bei der Sache ist. Warum sollte das bei Pferden anders sein?

Temperaturschwankungen trainieren den Vierbeiner
Um sich vorzustellen, welche Haltungsbedingungen das Sportpferd braucht, um bereits dadurch trainiert zu werden, muss man sich nur kurz vor Augen führen, wie das Pferd in Freiheit lebt, wofür es ausgerüstet ist und wofür es keine Mechanismen hat. Pferde sind Steppentiere und keine Höhlenbewohner oder Tiere, die im Wald leben. Die Steppe bietet wenig Schutz durch Bäume oder Geländeformationen. Sie bedingt große Temperaturschwankungen, im Verlauf der Jahreszeiten, aber auch zwischen Tag und Nacht mit einem Unterschied von bis zu 40 Grad Celsius, weiterhin viel Licht und volle Sonneneinstrahlung, Wind, Regen und Schnee. Pferde haben demzufolge eine sehr gute Hitze- und Kältetoleranz. Ihre Thermoregulation funktioniert kurzfristig durch Schwitzen, Aufstellen des Fells und über veränderte Durchblutung im Kapillarsystem der Haut, langfristig über Fellwechsel und Fettschicht. Dabei sind sie es gewöhnt, dass es nachts viel kälter ist als tags, und dass sie ständig mehr oder weniger Wind und Frischluft haben.

Pferde können Kälte, Temperaturschwankungen, Wind und Klimareize nicht nur gut vertragen

Pferde auf Wiese
Sondern brauchen sie für ihre Abhärtung und für ihr Training. Rote Blutkörperchen müssen als Sauerstoffüberträger gebildet werden, was ein gleichsinniger Trainingseffekt ist. Dagegen haben Pferde keinen Schutz gegen alles, was sich in stehender Luft ansammelt, da dies in der Natur für sie nicht vorkommt: dauerhaftes erhöhtes Aufkommen von Schadgasen, Staub und Krankheitserregern, Parasiten sowie gegen Zugluft. Die bei Matratzenstreu entstehenden Ammonikakdämpfe greifen das empfindliche Lungengewebe der Pferde an und zerstören es langfristig. Lungengewebe vernarbt und kann sich nicht wieder erneuern. Ebenfalls in der „Matratze“ bei Luftabschluss entsteht Schwefelwasserstoff, das die roten Blutkörperchen verändert und damit den Sauerstofftransport hemmt. Beides ist als Anti-Trainingeffekt zu bewerten. Jeder kennt auch Heustauballergien, chronische Bronchitis bis hin zur Dämpfigkeit.

Pferde brauchen Wind

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Durch Luftbewegugen werden Schadstoffe und verbrauchte Luft abtransportiert. Wind darf nicht mit Zugluft verwechselt werden (siehe auch Rri 2/04). Nur wenige Pferdehalter wissen aber genau, was Zugluft wirklich ist: Es ist eine Luftströmung, die nicht den ganzen Pferdekörper trifft, sondern nur einen kleinen Teil und die außerdem kälter ist als die Umgebungstemperatur. Zugluft kann folglich nur in Ställen entstehen, die wärmer sind, als die Außentemperatur und wo die Luft nur an bestimmten Stellen zirkuliert. In geschlossenen Ställen (Warmställen) kann im Winter die Forderung nach genügend Frischluft ohne Zugluft in unseren Breitengraden niemals zufrieden stellend erfüllt werden. Sie kommt dagegen im Offenstall gar nicht vor.

Pferde brauchen als Steppentiere auch viel Licht

Steppe
UV-Strahlen fördern das Wachstum und sind beteiligt am Knochen- und Muskelstoffwechsel (Bildung von Vitamin D in der Haut), zudem werden rote Blutkörperchen vermehrt (gleichsinniger Trainingseffekt). UV-Strahlen erhöhen außerdem die Resistenz gegen Infektionskrankheiten. Mangel an Tageslicht führt bei Pferden wie auch bei Menschen zu Blutarmut (Anämie). Dies bedeutet weniger Sauerstofftransport, aber auch eine verminderte Leistungsfähigkeit der Muskeln, weil der Kohlenhydrathaushalt gestört abläuft. Es wird vermehrt Wasser eingelagert (Anti-Trainingseffekt). Große Fenster im Pferdestall fördern das Wohlbefinden der Pferde, sind aber kein Ersatz für Tageslicht, da sie die UV-Strahlen absorbieren.

Offenstall heißt nicht unbedigt Matsche und Gruppenhaltung
Die Alternative zum geschlossenen Boxenstall lautet daher: Offenstall. Dies bedeutet aber nicht automatisch Gruppenauslaufhaltung. Das wird oft falsch verstanden. Ein Offenstall ist klimatisch gesehen zunächst ein Gebäude, das an einer Seite offen und nicht gedämmt ist. Ob sich in diesem Gebäude Einzelboxen, Boxen für 2 Pferde oder Laufställe befinden, ob sich ein Offenstall direkt auf einer Weide befindet, oder ein Paddock angeschlossen ist, oder sich vor jeder Box ein Kleinauslauf oder gar kein Auslauf befindet, ist damit noch nicht näher  bezeichnet. Alle baulichen Variationen sind möglich und können nach der jeweiligen Situation (eigene Pferde oder Pensionsstall, keine oder hohe Fluktuation, Raumangebot,  vorhandene Gebäude, Nutzungszweck und sportliche Verwendung) errichtet werden.

Offenstallhaltung und Offenstallmanagement -richtig praktiziert – ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Sie hat nichts mit der Wellblechhütte auf dem Matschpaddock zu tun, wo jeder denkt: ein Fall für den Tierschutz. Sie ist auch nicht automatisch die kostengünstigste und zeitsparendste Haltungsform. Vielmehr müssen Baumaterialien, Abmessungen, Untergrund, Pferdebestand, Bewegungsmöglichkeiten, Pflege und Fütterung, sowie die Gewöhnung der Pferde sorgfältig geplant und aufeinander abgestimmt werden.

Ist Scheren und Eindecken tabu?
Sobald Pferde geschoren werden, damit sie im Winter bei harter Arbeit nicht zu stark schwitzen, und eine Decke erhalten, werden sie ihrer natürlichen Fähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, beraubt. Hier muss man weiter Eindecken, damit das Pferd nicht erkrankt. Dennoch kann das Pferd mit Decke in einem Offenstall (oder Paddockbox) gehalten werden. Schwitzen Pferde im Winter stark in ihrem langen Haarkleid, gibt es Experten, die kurz das salzige Fell mit einem Schwamm abwaschen und es dann wieder rausstellen. Denn auch in der Natur schwitzen Pferde beim Laufen im Winter, trocknen dann wieder oder werden nassgeregnet. Häufig kommt es aber individuell auf das Tier an, dessen Gewohnheit, gesundheitlicher Zustand und die regionstypischen Witterungen. Sind Sie sich unsicher, können Sie sich bei einer Umstellung von Boxen- auf Auslaufhaltung gerne bei  der Kölner Pferdeakademie (siehe unten) informieren. (Text: Rika Schneider)

 

Quelle: http://www.ropehalter.de/

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