Tag Archives: Pferdes

Lernverhalten beim Pferd

Pferde lernen

Wenn wir Pferde halten, dann bringen wir Ihnen ständig etwas bei. Nicht nur beim Reiten sind wir auf das Lernvermögen unserer Pferde angewiesen:

Wie soll sich das Pferd verhalten, wenn wir es führen?
Darf das Pferd dem Menschen auf die Füße treten bzw. es anrempeln?
Was soll ein Pferd machen, wenn es an eine “Leine” gebunden wird und plötzlich um den Menschen herumlaufen soll?

Da unsere Pferde sehr viel im Laufe ihres Lebens lernen, scheint es interessant mal ein wenig auf die Theorie zu schauen. Wie lernt ein Pferd? Wie funktioniert überhaupt das Lernen?

Was gehört alles zum “Lernen”?

Vorüberlegungen: Lerntheorien werden später “eher wissenschaftlich” noch erklärt. Zunächst scheint es interessant zu überlegen, was man sich selber unter Lernen vorstellt:

Zum “Lernen” gehört zunächst einmal ein Verhalten. Denn nur ein bestimmtes (äußerlich sichtbares) Verhalten nehmen wir an unseren Pferden wahr. Dann gehört noch etwas “Neues” (eine neue Situation, ein neuer Gegenstand) dazu. – Das Pferd hat gelernt mit einem bestimmten Verhalten auf einen neuen Gegenstand (auf ein “neues” Verhalten seines Ausbilders) zu reagieren. Wir sprechen vom Lernen!

Das Pferd muß also in irgendeiner Form aktivwerden,um zu lernen. Ein Pferd lernt beispielsweise, dass eine zunächst angsteinflössende Plane ungefährlich ist. Das Pferd lernt es, weil es dann doch nach einiger Zeit neugierig ist und sich der Plane nähert. Es beschnuppert vielleicht die Plane, kratzt vorsichtig mit dem Huf auf ihr herum……

Zum Lernen gehört also der Spieltrieb, die Neugierde, die Motivation von Seiten des Pferdes. Das Lernen lernenDamit unsere Pferde wirklich lernen können, müssen wir entsprechende Möglichkeiten schaffen. Hat das Pferd bisher erfahren, dass es immer nur bestraft wird, wenn es etwas versucht herauszubekommen – sprich etwas ausprobiert – dann wird es auch nicht mehr lernen. Es bleibt passiv – da es die Strafe fürchtet.

Wir müssen unseren Pferden den Raum lassen auch mal etwas “Falsches” auszuprobieren. Sobald es dann (zunächst vielleicht zufällig) das richtige Verhalten zeigt, wird es belohnt. Aber….

Wo ist denn nun die Grenze zwischen Bestrafung, negative und positive Belohnung / Bestärkung? Im Umgang dürfen wir nicht vergessen, dass Pferde um ein Vielfaches größer, schwerer und auch stärker sind als wir. Es ist einfach zu gefährlich, Pferden alles zu erlauben.

Loben

Motivation durch Belohnung

Hier scheiden sich häufig die Geister. In unzähligen Fachzeitschriften streiten sich die Experten. Belohnung durch Futter – Belohnung nur durch akustische Reize – Klickertraining etc.

Gehen Sie mal mit geöffneten Ohren durch einen Stall

Probieren Sie doch einfach mal Folgendes: Sie betreten eine Stallgasse am frühen Abend und stellen sich einfach mal ganz unbeobachtet in eine Ecke. Erleben Sie dann ganz bewusst einmal die Athmosphäre, die auf der Stallgasse herrscht.

“Jetzt bleib´doch endlich einmal stehen!”
“Kannst Du mir nicht mal gescheit den Huf geben!”
“Herrgott – jetzt bleib doch endlich mal still stehen!”
“Wie wäre es mal – wenn Du mal ´rum gehen würdest?”

Mehr oder weniger freundlich, werden Pferde angesprochen … Haben Sie eigentlich schon häufiger Pferdebesitzer erlebt, die ihre Pferde loben?

Loben fällt uns häufig schwer

Naja, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht in Deutschlands Ställen … oder doch? Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann fällt es doch schon auf, dass Loben viel schwieriger ist als Kritik. Gerade wenn man aus dem Stau noch schnell in den Stall kommt, ist man nicht gerade sehr ausgeglichen. In so einem Moment auch noch die Ruhe zu finden, das Pferd für richtiges Verhalten zu loben und zwar auch noch exakt im richtigen Moment fällt nicht immer leicht.

Dennoch….

Überlegen Sie in welcher Athmosphäre es Ihnen selber leichter fällt zu lernen bzw. zu arbeiten. Diese Athmosphäre sollten Sie auch versuchen für sich und Ihr Pferd zu schaffen.

Was bedeutet nun “loben”?

Wir brauchen selbstverständlich nicht jede Bewegung und jede Reaktion des Pferdes ununterbrochen zu loben. Das würde dem Pferd tatsächlich sogar lästig …

Motivation

Jede Reaktion im Zeitfenster von 2 – 3 Sekunden nach dem jeweiligen Verhalten gehört zur Bestärkung. Hier sollte mehr Augenmerk auf die positive Bestärkung gelegt werden.

Positive Verstärkung kann wie folgt aussehen:
– stimmliches Lob
– Futter / Futterbelohnung
– Ruhe(Pausen) anbieten
– Training beenden
– Streicheln etc.

Wichtig hierbei ist es, das Gefühl zu schulen, damit man sich in das jeweilige Pferd hineinversetzen kann. Es gilt zu erkennen, wie häufig Übungen wiederholt werden können, wie lange man nach einer Übung dem Pferd eine Pause gibt, wann man lobt etc. Timing ist wichtig.

Lernaufbau…. Vorgehen…

In der Verhaltensbiologie hat sich Folgendes herausgestellt: Zu Beginn einer Lernphase muss jeder Versuch (und sei er noch so klein) belohnt werden. Hat das Pferd einmal den Weg gefunden, was man von ihm will, belohnt man nur noch die deutlichen (richtigen) Versuche seitens des Pferdes die Aufgabe zu lösen. Ist die Aufgabe eigentlich schon gelernt, wird nur noch unregelmäßig belohnt – bzw. nur noch die wirklich tollen Ergebnisse (ggfs. um wieder neue Motivation aufkommen zu lassen – auch zwischendurch mal einen nicht ganz so gelungenen Versuch.)

Erlernte Hilflosigkeit

mit Strafe erziehen ………

Strafe funktioniert auch! (Leider…..)

Ein Pferd, das hauptsächlich mit Strafe ausgebildet wurde, kann ein nach außen hin recht erfolgreiches Pferd sein. Es zeigt sich “artig” und kann auch in seiner ausgebildeten Disziplin recht gute Leistungen bringen.

Ein Freizeitpferd, an das wir Anforderungen wie Zuverlässigkeit und Scheufreiheit etc. stellen, wird so ein Pferd aber bestimmt nicht. Das Pferd wird je nach Temperament mehr oder weniger heftig versuchen, dem Einflussbereich des Menschen zu entgehen. Keine gute Ausgangslage für ein Verlasspferd.

Ein Experiment …..

In Europa werden Experimente zur Erforschung der Verhaltensbiologie hauptsächlich an Mäusen und Ratten durchgeführt. In Amerika gibt es auch Experimente mit Menschen.

Dr. Alfonso Aguilar erzählte auf einem seiner Seminare über folgenden Versuch:

Man bildete zwei Studentengruppen.
Der ersten Gruppe gab man Aufgaben, die innerhalb von 15 Sekunden gut zu beantworten waren.
Die zweite Gruppe erhielt Fragen, die in 15 Sekunden nicht zu beantworten sind.
Alle Mitglieder der zweiten Gruppe erhielten bei jeder falschen Anwort einen kurzen Stromschlag (sprich eine unangenehme Bestrafung!)

Runde zwei:
Beide Gruppen erhielten nun identische Fragen. Gruppe eins konnte eine hohe Anzahl der Fragen beantworten. Gruppe zwei versuchte es überhaupt nicht mehr. Alle Studenten in der Gruppe zwei ware so “eingeschüchtert” und so in Erwartung der “Strafe”, die ja auf jeden Fall zu kommen schien, dass sie eher passiv das Experiment vorübergehen lies.

Erlernte Hilflosigkeit….

Der Begriff “erlernte Hilflosigkeit” wurde 1967 von den amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier geprägt.
» siehe Wikipedia erlernte Hilflosigkeit – Experiment mit Hunden

So drastisch das Beispiel vielleicht auf den ersten Blick wirkt, im Nachhinein, dient es aber sehr plastisch zur Erklärung. Ohne Motivation werden unsere Pferde bald keine Versuche mehr starten neues Verhalten bzw. neue Verhaltensmuster zu zeigen. Unsere Pferde, werden vorsichtshalber nur noch Verhaltensmuster zeigen, bei denen sie “sicher sind”, dass keine Strafe folgt.

Helfen wir unseren Pferden, damit sie positiv lernen können!

Wir wollen unseren Pferden keine Hilflosigkeit beibringen – (in der Verhaltensbiologie als submissives Verhalten bezeichnet …. übrigens bei Versuchen mit Mäusen wurde nachgewiesen, dass sogar körperliche Gesundheitsprobleme bis zum Tod dadurch ausgelöst werden können!) – sondern …
… wir wollen ihnen neue Lektionen beibringen, wir wollen ihnen die Angst vor dem Hänger fahren nehmen, wir wollen ihnen beibringen gelassen auf Schrecksituationen zu reagieren usw. usw.

Strafe

Eigentlich gibt es nur eine Situation, in der Strafe angebracht ist. –> Die Sicherheit des Menschen ist gefährdet:
Das Pferd wird aggressiv, droht, beißt oder tritt… dann gilt es…. sofortauf der Stelle muss dem Pferd unmissverständlich klar gemacht werden, dass es seine Grenzen weit überschritten hat.

Hier nutzen wir die Strafe um ein Verhalten zu beenden! Lernen bedeutet aber nicht ein Verhalten zu beenden, sondern lernen soll ein “neues” Verhalten hervorbringen. Strafe beendet ein Verhalten!

Beenden wir alle Versuche des Pferdes, aufgrund unserer Hilfen ein Verhalten anzubieten, wird es mit der Zeit keinen Versuch mehr unternehmen zu reagieren.
Das Pferd stumpft ab – es resigniert – es wartet auf die scheinbar unausweichliche Strafe.

Motivation und ein Pferd mit Spaß an der Arbeit sieht anders aus!

 Quelle: www.pferdeleben.de

Leave a Comment

Filed under Allgemein

10 genetische Verhaltensweisen die man bei Pferden verstehen sollte!

Warum tut er das? Wovor hat er Angst … da ist nichts! Die meisten, wenn nicht alle Pferdebesitzer haben sich das bereits gefragt. Auch wenn wir nicht immer das Verhalten der Pferde verstehen –immer steckt ein Grund dahinter, oder? Absolut. Diese Verhaltensweisen stammen alle aus der Evolution und Pferdebesitzern können sehr stark vom Verständnis dieser Verhaltensweisen profitieren.

Es gibt 10 genetisch vorgegebenen Verhaltensweisen, einzigartige Qualitäten des Pferdes, die durch natürliche Selektion über 50 Millionen Jahre vom Pferd entwickelt wurden und sich zur Arterhaltung und dem eigenen Überleben bewährt haben. Die Nichtbeachtung dieser Qualitäten, sowie

ein Unverständnis der Pferdebesitzer, machen es unmöglich, eine optimale Kommunikation mit Pferden zu haben.

1. Flucht – Wir neigen dazu, die Flatterhaftigkeit des Pferdes als Dummheit zu werten. Aber wenn Pferde erschrecken und weglaufen ist es einfach ein angeborener Instinkt, der auftritt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Beutetieren, die Hörner, Hauer oder Geweihe zur Verteidigung haben sind Pferde mit einem einzigen Mechanismus bewaffnet: Mit ihrem Mechanismus “das Leben zu retten” und der Fähigkeit sehr schnell zu laufen. Die folgenden neun Qualitäten stammen aus der ersten Reaktion der Pferde, der Flucht.

2. Wahrnehmung – Das Pferd ist das scharfsinnigste aller Haustiere. Diese Qualität ist wichtig für die schnelle Erkennung und Flucht vor Raubtieren. Sehen wir uns einmal die fünf wichtigsten Sinne an:

Geruchssinn: Pferde haben einen sehr guten Geruchssinn, da wird sogar so manche Hundenase blass vor Neid.

Hören: Menschen hören in einem Frequenzbereich von etwa 20 000 Hertz. Ein Hertz = eine Schwingung pro Sekunde. Pferde hören mindestens bis zu 38 kHz, also bis zu 38 000 Schwingungen pro Sekunde. Pferde können somit im Ultraschallbereich hören. Zudem können sie die Ohren schwenken und das gibt dem Pferd die Möglichkeit genau festzulegen, woher die Klänge stammen und wie weit sie entfernt sind. Dies war auch entscheidend für das Überleben in der Wildnis.

Tastsinn: Ein Pferd ist sehr empfindlich, weshalb ein schlecht platzierter Satteldecke oder gar eine einzelne Fliege extreme Reizungen verursachen kann. Menschen haben diesen Sinn lediglich in den Fingerspitzen, das Pferd hat den Tastsinn über seinen gesamten Körper verteilt.

Geschmackssinn: Haben Sie schon einmal versucht unbemerkt Buta oder ein neues Ergänzungsmittel in das Pferdefutter zu mischen? Meist erhält man da lediglich ein Naserümpfen. Pferde haben einen sehr ausgeprägten Geschmackssinn. Bei Weiden in der freien Wildbahn ist es wichtig für Pferde zwischen gutem Gras und verschimmelten Futter zu differenzieren.

Sehen: Der Sinn, der sich am meisten vom Unsrigen unterscheidet ist das Augenlicht des Pferdes. Während die Pferde keine besonders starke Tiefenwahrnehmung haben, gibt es andere Faktoren, die Pferde ermöglichen Dinge zu sehen, die uns gar nicht wirklich bewusst sind. Die seitlich platzierten Augen erlauben Pferden eine nahezu 360° Rundumsicht, ein wichtiger Mechanismus des Überlebens für die wilden Equiden. Zusätzlich haben Pferde eine hervorragende Nachtsicht, ähnlich der einer Katze, aber lediglich in Schwarz-Weiss. Das Pferde-Fokussierungssystem unterscheidet sich auch sehr stark von dem der Menschen: Ein menschliches Auge benötigt im Schnitt etwa eineinhalb bis zwei Sekunden, um von Nah auf Fern umzuschalten. Pferde, auf der anderen Seite, machen den Übergang nahtlos. Dies liegt daran, dass sie verschiedene Teile des Auges zur Fokussierung verwenden. Pferde verwenden den oberen Teil ihrer Augen um Dinge aus der Nähe zu betrachten, weshalb sie oft ihre Köpfe dabei senken. Der untere Teil des Auges sieht weit entfernte Objekte scharf, weshalb das Tier seinen Kopf heben wird, wenn es etwas in der Ferne betrachtet. Wenn das Pferd seinen Kopf hoch hält, was es zwangsläufig tun muss um scharf zu sehen, ist es so aber auch gleichzeitig schneller in der Lage bei Bedarf zu flüchten.

3. Reaktionszeit: Pferde haben die schnellste Reaktion von allen domestizierten Tieren. Das ergibt sich wahrscheinlich daraus, dass Flucht der wichtigste Abwehrmechanismus des Pferdes ist. Während eine schnelle Reaktionszeit sehr nützlich für die Flucht vor Raubtieren ist, kann es aber auch für den Menschen rund um Pferde gefährlich werden. Wenn ein Pferd wirklich um sich schlagen oder zutreten will, könnten sich Menschen im Ernstfall nicht schnell genug entfernen.

4. Desensibilisierung: Obwohl Pferde von Natur aus flatterhaft sind und manchmal ängstlich, Desensibilisieren sich Pferde schneller als jedes andere domestizierte Tier. Wenn ein Tier auf der Flucht ist und dennoch an seinem Leben hängt, so ist es sinnvoll, gerade um Energie zu sparen, dass es die Fähigkeit hat, sich schnell zu Desensibilisieren ansonsten würden es auch vor ungefährlichen Dingen ewig davon laufen. Sobald das Pferd erkennt, dass der Reiz, der ihn erschreckt hat, nicht wirklich weh tut, wird die Mehrheit sehr rasch desensibilisiert.

5. Lernen: Der renommierte amerikanische Pferdepsychologe Miller ist davon überzeugt, dass das Pferd der schnellste Lerner aller heimischen Tiere ist. Wenn Sie durch die Flucht am Leben bleiben wollen oder müssen, so ist es besser wenn sie die Fähigkeit haben sehr schnell zu lernen.

6. Gedächtnis: Wer denkt, dass Pferde dumm sind, der irrt gewaltig. Die Merkfähigkeit des Pferdes ist unfehlbar. Sie haben eine der besten Erinnerungsfähigkeiten im gesamten Tierreich, sie sind nach den Elefanten gleich an zweiter Stelle, was diese Fähigkeit bertifft.

7. Dominanz: Equine Dominanz beruht nicht auf roher Kraft, weshalb wir Menschen eine Führungsposition in einer, so wie es der amerikanische Horseman Pat Parelli so treffend ausdrückt, Herde von Zweien, also Mensch und Pferd, der Leader sein können. In einer natürlichen Pferdeherde sind zumeist die älteren, erfahrenen und auch fairen Stuten die Führungspersönlichkeiten. Während diese in der Regel nicht in einem schlechten körperlichen Zustand sind, so sind sie sicher nicht das stärkste Mitglied einer Herde.

8. Kontrolle:  Pferde dominieren durch die Kontrolle der Bewegung. Dominante Stuten, zum Beispiel, behaupten ihre Führungsanspruch entweder dadurch, dass sie andere Pferde zur Bewegung zwingen oder in einer Bewegung hemmen. Dieser Umstand ermöglicht es uns Menschen, die Führung in einer Herde zu übernehmen.

9. Körpersprache: Im Gegensatz zu Menschen, die ihre Gefühle durch Worte ausdrücken können, sind Pferde rein auf die Körpersprache angewiesen. Wenn wir mit Pferden gerecht und natürlich interagieren wollen, müssen wir in der Lage sein die Körpersprache des Pferdes zu verstehen und zu imitieren.

10. Nestflüchter von Geburt an: Pferde kommen bereits voll Entwickelt zur Welt, was bedeutet, dass sie bereits kurz nach der Geburt auf ihren vier Beinen stehen können. Sie können sich sofort selbst ernähren, galoppieren, buckeln, fliehen und der Herde folgen. All ihren Sinne und neurologischen Funktionen sind vollkommen ausgereift. Kurz nach der Geburt ist eine der kritischen Lernphasen von Fohlen die die Bindung zur Mutter stärkt. Diese Phase können Pferdebesitzer für die Sozialisierung und Prägung der Fohlen auf dem Menschen sehr gut nutzen, auch Imprint genannt.

Natürlich ist jedes Pferd anders und sollte auch als Individuum behandelt werden. Das heißt, dass ein grundlegendes Verständnis wie ein Pferd „funktioniert“ vorhanden sein muss. Ein Reiter kann dieses Wissen sehr gut verwenden, um eine starke Beziehung zu dem Tier zu schmieden und auch einen sicheren Umgang in der Arbeit um ihn herum.

Quelle: http://www.nfwrc.com/cms/10-genetische-verhaltensweisen/

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Was bedeutet es wenn „das Pferd das Auge wechselt“? Ein Bericht von Leslie Desmond

Wenn du an Einreite- oder Horsemanshipkursen teilnimmst, wirst du zwangsläufig hören, wie wichtig es ist, dass Pferde leicht und geschmeidig das Auge wechseln können, ehe der Reiter zum ersten Mal ein Bein über dessen Rücken schwingen kann. Ohne auch nur den geringsten Zweifel daran aufkommen zu lassen, spricht Buck Branaman in seinen Kursen davon, dass “ das Verständnis darüber, wie und warum ein Pferd das Auge wechselt „, ein Menschenleben retten kann. Auf seinen Kursen kann man ganz junge, aber auch ältere Pferde sehen. Manche von ihnen sind so beunruhigt und geplagt, dass sie von einer Fliege oder einfach vor allem, was ihnen Angst macht, davon rennen wollen. An solchen Pferden wird einem immer und immer wieder klar, wie wichtig es für jeden, der mit Pferden zu tun hat, ist, mit dem grundlegenden und nötigen Überlebensinstinkt der Pferde umgehen zu können. Falls du einmal die Gelegenheit hast, Fohlen und Jährlinge lange genug zu beobachten, (nicht unbedingt die, die in einem Stall aufwachsen) wirst du sehen, wie die spezielle Wahrnehmung der Pferde, — kombiniert mit deren grundlegenden Überlebensreaktionen — ihnen hilft, Kraft und Beweglichkeit in den ersten Lebenstagen und -wochen zu entwickeln. Es braucht dich nicht zu erstaunen, wenn du perfekte Sliding stops, Seitengänge oder Wendungen, gar tadellose Passagen und Capriolen siehst. Das sind die natürlichen, makellosen Bewegungen der Pferde, welche uns veranschaulichen, wie das Pferd über seinen Verstand und Körper verarbeitet, was es über seine Augen von der Umwelt wahrnimmt.

Ich habe herausgefunden und es selbst erlebt, dass viele Menschen der Wahrnehmung des Pferdes zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Bevor nicht ein schmerzhafter Unfall passiert ist, werden Dinge, die ihre Ursache in der Unfähigkeit, „das Auge wechseln zu können“ haben, als Bagatelle eines neugierigen Pferdes abgetan. Man kann den Reitanfänger nicht dafür verantwortlich machen, da es für ihn noch hundert andere Einzelheiten zu beachten gibt. Er muss die Anweisungen des Reitlehrers ja auch noch beachten und bald wirbelte alles in seinem Kopf durcheinander. Es ist wirklich schwer und anstrengend eine völlig fremde Sichtweise, immer in seinem Kopf ganz vorne präsent zu haben. Ich bin allerdings zur Überzeugung gekommen, dass es bei der Arbeit mit Pferden äußerst wichtig ist, ihrer speziellen Art von visueller Wahrnehmung, einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Die Sache mit diesen „wechselnden Augen“ kann und darf nicht bloß auf „wie macht man“ reduziert werden. Es gibt allerdings schon ein paar Dinge, auf die du bei deinen Pferden achten kannst, wenn du mit ihnen arbeitest. Es wird dir helfen, besser zu erkennen und zu verstehen – so funktioniert das Pferd. Ich hoffe sehr, dass diese Einführung zu den „wechselnden Augen“ jedem helfen wird, selbständig mehr Informationen des Pferdes erkennen und auswerten zu können.

Desmond1

Auf diesem Photo sieht man, wie Leslie auf der rechten Seite der Stute beginnt. Sie bringt deren Vorhand nach rechts rüber ( wobei sie die Stute mit der rechten Hand auf der linken Halsseite auffordert, vom Druck zu weichen.)

Desmond2

Um Leslie im blinden Bereich hinter ihr, nicht aus den Augen zu verlieren, geht die Stute lieber etwas vom Hufschlag weg, anstatt sich im Hals nach rechts zu biegen. Dieses Verhalten resultiert aus ihrem Instinkt und gibt ihr „Sicherheit“. Die Stute fühlt sich noch nicht so wohl, als dass sie Leslie mit ihrem rechten Auge beobachten möchte. Hier sieht man sehr gut, wie es sich verhält, wenn ein Pferd nicht leicht das Auge wechseln kann.

Desmond3

Es waren einige Versuche nötig, bis dieser Mustang entspannt im Schritt gehen konnte, wenn Leslie ins Blickfeld seines rechten Auges kam. Zu Anfang hat er immer den Schweif eingeklemmt und ist im Roundpen davon gestürmt, bis er endlich auch die Nase in Bewegungsrichtung bringen konnte. Schließlich konnte er mit der Vorhand in beide Richtungen übertreten, ruhig aus der Wendung kommen, das Auge wechseln, wenn Leslie hinter ihm stand und dann auch ohne Verspannung weitergehen.

Was das Pferd nicht sieht

Die natürlichen „blinden Stellen“ eines Pferdes — der Bereich direkt vor und hinter dem Pferd — werden so genannt, weil sie Bereiche darstellen, die nicht zum natürlichen Wahrnehmungsbereich des Pferdes gehören. Um innerhalb dieser Bereiche zu erkennen, wer oder was von links nach rechts, oder von rechts nach links an ihm vorüber geht, muss das Pferd seine Kopfposition, seinen Hals, seine Vorhand und/oder seine Hinterhand verschieben. Das meinen wir mit dem „Wechseln der Augen“ . Deine eigene Sicherheit steht in direktem Bezug zur Fähigkeit deines Pferdes, das Auge leicht wechseln zu können oder nicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob du auf deinem Pferd sitzt oder am Boden bist. Die Geschwindigkeit, mit der ein Pferd sich bewegen kann, um für sich abzuklären, ob hinter ihm vielleicht ein Raubtier lauert, kann einen schon überraschen. Stell dir vor, es vermutet ein Raubtier, wenn du zum ersten Mal dein Bein über seinen Rücken schwingen willst. Das könnte ein Pferd im Kopf völlig außer Fassung bringen. Und dich dann auch.

Merke dir, dass das doppelte Absichern des blinden Bereichs nichts ist, worüber ein Pferd nachdenkt, oder gar um Erlaubnis fragt. Du irrst dich gewaltig, wenn du denkst, es müsste so sein. Als Reaktion auf eine erschreckende oder ungewohnte Bewegung, wird dein Pferd jeden seiner Körperteile, der ihm helfen kann, so schnell wie möglich zu entkommen, benutzen, wenn sein Überlebensinstinkt es ihm signalisiert. Dieser Vorgang ist so automatisch, wie das Blinzeln des Auges. Denke über folgendes nach: Scheut dein Pferd oder stürmt es davon, tust du euch beiden keinen Gefallen, wenn du es mit Sporen oder Gerte vorwärts treibst oder ruckartig am Zügel reißt, um es zu verlangsamen. Falls du so etwas einmal gelernt haben solltest, vergiss es ganz schnell und lerne um.

Wenn du dein Pferd drängst, sich mit seiner Angst zu konfrontieren, bevor du es nicht dahingehend vorbereitet hast, bei dir zu bleiben, wird das Pferd beim nächsten Mal mit großer Wahrscheinlichkeit noch heftiger, schlimmer reagieren – ganz zu schweigen davon, dass du zwischenzeitlich enorm viel Respekt eingebüßt hast. In so einer Situation ist der Preis menschlicher Ignoranz sehr hoch und die Folgen menschlicher Hartnäckigkeit sind oft fatal. Für deine und die Sicherheit deines Pferdes solltest du es wirklich sorgfältig darauf vorbreiten, sich in der Welt der Menschen sicher fühlen und sicher bewegen zu können. Nimm dir Zeit, das Pferd nimmt sich seine auch, und bedenke, dass es seiner Umwelt gegenüber sehr neugierig ist. Hier liegt nämlich auch der Ansatzpunkt, um dein Pferd so vorbereiten zu können, dass du bekommst, was du willst.

Wie das Pferd sieht

Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass es einen großen Unterschied macht, ob sich ein Tier mit Augen orientiert, die vorne im Kopf sitzen, oder mit solchen, die seitlich am Kopf sind. Pferde, Kühe, Ziegen, Hirsche und andere Beutetiere sehen mit solchen Augenpaaren. Raubtiere, wie Hunde, Katzen und Menschen haben die Fähigkeit, ihre vorne am Kopf sitzenden Augäpfel, hoch, runter, nach links oder rechts rotieren zu lassen. Obwohl wir beobachten können, dass Pferde beim Gähnen, wenn Mücken sie plagen oder sie Wasser in`s Auge bekommen, ihren Augapfel zurück unter ihr Oberlid rollen können, ist es dennoch so , dass die verlängerten Pupillen in einem verhältnismäßig stationären Augapfel zentriert sind. Das hat ein weit geöffnetes Auge mit binocularer und peripheraler Sicht zur Folge. Diesem Umstand hat es das Pferd zu verdanken, beim Weiden den Kopf nicht nach links oder rechts drehen zu müssen, um einen Radius von ca. 270 Grad überblicken zu können. Bringt man den Nasenrücken eines Pferdes um ein paar Grad in eine Richtung, reicht ihm ein kurzer Blick zur Beurteilung, ob eine wahrgenommene plötzliche Bewegung von einem Freund oder Feind ausgegangen ist. Genauso schnell beschließt es eine angepasste Reaktion, falls eine erforderlich ist.

Seine Bewegungen, seine Gedanken

Wenn ein Pferd nicht ganz sicher ist, was es sieht, kann es vorkommen, dass es schnell zur Seite springt, um aus einem anderen Winkel besser sehen zu können. Wenn ein Pferd Gefahr wahrnimmt, aber vielleicht seinem momentanen Standort oder gar seinen eigenen Fähigkeiten, einem Raubtier entkommen zu können, nicht vertraut, beschließt es unter Umständen, nicht zu fliehen sonder den Feind zu zertrampeln, um die Bedrohung loszuwerden. Möglich wäre auch, dass das Pferd zur Warnung schnaubt und einen Satz nach vorne macht, bevor es herumwirbelt, um sich dem Gegenüber zu stellen, welches es fürchtet. Minuten später, muss es sich vielleicht Luft machen, indem es eineinhalb Meilen hinausrennt, bevor es wieder in der Lage ist, anzuhalten, um dann in den Wind hinauszuschnauben. Es kommt immer darauf an. Mach dir klar, dass das charakteristische Benehmen des Pferdes — sein Instinkt, seine Natur — sich kein bisschen verändert, wenn du wie gewohnt auf ihm sitzt, und mit Sporen und Gerte versuchst zu erreichen, was du willst. Lerne kommende Probleme vorauszusehen und schon dementsprechend zu reagieren, bevor es dein Pferd tut. Je sensibler du wirst, um so besser und leichter wird es, mit deinem Pferd, statt gegen es zu arbeiten. Es kann hilfreich sein, sich einmal in die Situation des Pferdes zu versetzen.

Um herauszufinden, was es für das Pferd bedeutet, das Auge zu wechseln, kannst du selbst einmal im Vierfüßlergang auf dem Boden krabbeln. Geh ruhig ein großes Stück. Stell dir dabei vor, dass deine Augen zwischen den Backenknochen und Ohren liegen. Während du so krabbelst, versuchst du daran zu denken, alles auch immer mit dem neuen Auge zu betrachten. ( Ich selbst habe das viele Male getan und meine Schüler haben durch diese Übung ihr Geschick in Horsemanship verbessern können. Durch Ray Hunt wurde ich auf diese Übung aufmerksam. Auch er krabbelt bei Kursen auf dem Boden herum, um zu demonstrieren, wie Pferde mit ihren Augen die Umwelt sehen. Du wirst recht bald herausfinden, dass die Augen  zwar gleichzeitig, aber dennoch zwei unterschiedliche Horizonte wahrnehmen. Das Pferd hat also zwei völlig verschiedene Sichterlebnisse von der Koppel, dem Auslauf, der offenen Landschaft, der Strasse und dem Verkehr. Jetzt wirst du verstehen, was dir dein Pferd mitzuteilen versucht, wenn es wie eine Katze zur Seite springt und völlig steif herumwirbelt, um irgend etwas besser erkennen zu können.

Der Mensch hat eine Sicht der Welt, die das Pferd nicht verstehen kann. Trotzdem nimmt es seine Existenz in dieser Welt oft ruhig und zufrieden, geradezu dankbar an. In vielen Situationen erfährt das Pferd keine Vorbereitung, hat es keinen Anhaltspunkt, wodurch es wissen könnte, wie es etwas tun soll. Fehlschläge, Misserfolge, ob groß, ob klein, sind häufig das Resultat von dem, was viele als Routine erwarten und voraussetzen, „wie jedes Pferd behandelt werden können sollte“. (Hat schon mal jemand das Pferd gefragt)

In Pferdeanhängern, und überall an Anbindehaken, werden die Pferde mit der Erwartung angebunden, dass sie in der Lage sind, dort ruhig zu stehen. Wenn es nach dem Pferd ginge, würde es kein “ in der Lage sein“, oder „sollte“ geben. So zu denken ist nicht pferdegerecht. Wenn du nicht selbst zur Hälfte Pferd bist, ( es gibt Menschen, die das sind, aber die sind so rar, wie die Zähne einer Henne ) wirst du nicht wissen, wie das Pferd in einer Situation reagieren wird, bis du diese Reaktion siehst, bzw. erlebst. Und selbst dann weißt du wahrscheinlich nicht, was genau aus der Sicht des Pferdes passiert ist.

Ähnliche Missverständnisse sind auch über Pferde, die „professionell trainiert“ wurden, weit verbreitet. Die meisten Leute nehmen an, dass wenn ein Pferd schon trainiert wurde, es in der Lage sein sollte, gesattelt und geritten zu werden. Diese Pferde wurden trainiert, keine Frage. Aber, wie und für wie lange? Zu welchem Zweck? Mit welcher Vorbereitun?

Hier sind die wichtigsten Punkte, die ich abkläre, bevor ich ein Pferd anbinde oder mein Bein über seinen Rücken schwinge.

– Das Wichtigste: Weiß ich, wie gut das Pferd sein Auge wechseln kann

– Auch sehr wichtig: Kann es über einen Führstrick, der sich noch nicht angespannt hat, Verbindung zu mir aufnehmen

– Kann es diese Verbindung über längere Zeit aufrecht erhalten

– Lässt sich das Pferd fahren und von beiden Seiten mit einer fließenden, weichen Verbindung am Führstrick führen Kann es Hinterhand und Vorhand voneinander trennen und greift es in der Wendung gleichmäßig aus ( mit Vor- und Hinterhand )

Bereite dein Pferd auf das Wechseln des Auges vor

Vier hilfreiche Tips

Die nun folgenden Anregungen sollen helfen, ein Pferd darauf vorzubereiten, die Augen im Bezug auf Objekte vor und hinter ihm so wechseln zu können, dass es sich dabei wohl fühlt. Wenn du mit deinem Pferd übst und dann auch Fortschritte machst, wird die Wahrscheinlichkeit, von deinem Pferd geschlagen oder verletzt zu werden immer geringer. Außerdem beugst du Verspannungen und einer Einseitigkeit des Pferdes vor.

1. Bevor du dein Pferd zum ersten Mal anbindest, sattelst oder aufsitzt, musst du es auf alle Fälle im Schritt fahren und von beiden Seiten mit dieser fließenden, weichen Verbindung über den Führstrick führen können. Du solltest dein Pferd, leicht und willig vor und zurück bewegen können. Beim Führen genauso wie beim Fahren — du kannst von rechts nach links und von links nach rechts fahren. In beide Richtungen sollte dein Pferd die Vorhand ruhig überkreuzen und mit der Hinterhand nachgiebig sein können. ( sieh dir die Photos von vorher noch einmal an).

2. Hast du ein Roundpen zur Verfügung, kannst du folgendermaßen arbeiten. Bringe dein Pferd dazu, einen angenehm ruhigen Schritt zu gehen und genauso ruhig den Hufschlag zu verlassen, um in die andere Richtung weiterzugehen. Übe solange, bis du dein Pferd in Form einer Acht vor dir herschicken kannst, ohne dass es sich in den Wendungen verspannt. Es sollte seine Nase in die neue Bewegungsrichtung bringen und dich nach dem Richtungswechsel im Augenwinkel des anderen („neuen“) Auges sehen können. (sieh dir die Photos von vorher noch einmal an).

3. Arbeite, bis dein Pferd ganz entspannt in beide Richtungen wechselt. Arbeite auch an den Übergängen. Vom Schritt in den Trab, vom Trab zurück in den Schritt, wieder in den Trab, für einen oder einige Sequenzen in den Galopp und wieder zurück in den Trab. Aus diesem Trab soll das Pferd in einen energischen Schritt übergehen. Lass es ein paar Schritte gehen, bevor du es vom Hufschlag nimmst und dir dein Pferd gegenüber steht. Nimm dir solange Zeit, bis dein Pferd mühelos und entspannt von Schritt, Trab, Galopp, hoch und runter schalten kann.

3. Desensibilisiere dein Pferd mit dem Führstrick oder dem zusammengerollten Lasso. Du musst dein Pferd an Berührungen auf “ beiden Seiten und abwechselnd von einer zur anderen Seite“ gewöhnen. Alle Körperteile werden miteinbezogen: vom Hals angefangen, über Rücken bis zur Hinterhand. Hilf deinem Pferd entspannt und ruhig zu bleiben, wenn du es aufforderst, den kopf, Hals, seine Schulter, die Rippen, die Hinterhand und alle vier Füße einzeln zu bewegen, bevor du es anbindest, sattelst oder aufsitzt. Vergiss nie, dass du dich auf jedes Pferd und die speziellen momentanen Umstände ganz individuell einstellen musst. Es bringt nichts, etwas gewaltsam beschleunigen zu wollen. Es ist ein Prozess, der die Zeit braucht, die er braucht. Hast du bei deiner Arbeit das Gefühl, nicht sicher zu sein, solltest du jemand um Hilfe bitten, der sich mit dieser Arbeit auskennt. Vergiss nie deine eigene Sicherheit. Dein Körper ist eine kostbare einzigartige Ausgabe, welche nicht leicht zu reparieren und schon gar nicht zu ersetzen ist.

Text: Leslie Desmond übersetzt von Gabi Dold

Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Der Galopp ein Bericht von Ute Holm

Der Galopp ist etwas Besonderes. Nicht nur, weil er beim Reiten am meisten Spaß macht. Der Galopp ist auch eine Bewegungsart des Pferdes, bei dem es sehr wichtig ist, ob das Pferd sich auf dem Reitplatz links herum oder rechts herum bewegen soll. Warum das so ist, kannst du feststellen, wenn du die Beine eines galoppierenden Pferdes einmal genau beobachtest. Während das rechte Vorderbein weit nach vorne greift, stößt sich das linke Vorderbein mehr nach hinten ab. Auch das rechte Hinterbein greift dann mehr nach vorne, während sich das linke mehr nach hinten abdrückt.


Das geht aber natürlich auch genau anders herum: Das linke Beinpaar greift mehr nach vorne aus. Das rechte Beinpaar stößt sich mehr nach hinten ab.  Nun ist auf einer geraden Strecke völlig gleichgültig, welches Beinpaar sich nach hinten oder vorne abstößt. Aber in einer Kurve oder einem Kreis nach rechts ist es für ein Pferd viel einfacher, wenn das rechte Beinpaar nach vorne greift. Und umgekehrt fällt ihm die Bewegung nach links viel leichter, wenn es die linken Beine sind, die mehr nach vorne gehen. Darum ist es also sehr wichtig, wie das Pferd angaloppiert und wie die Beine sich dann bewegen, je nachdem, ob wir nach rechts oder nach links galoppieren wollen.

Alle Reiter unterscheiden darum den Rechtsgalopp und den Linksgalopp. Auch für den Reiter ist es nicht angenehm, wenn das Pferd im Kreise läuft und dabei eine andere Fußfolge hat. In der Reiterfachsprache nennen wir das einen »Außengalopp«. Dieser Galopp fühlt sich dann irgendwie holperig an. Wir müssen darum unserem Pferd zu verstehen geben, mit welchem Fuß es den ersten Galoppsprung machen soll. Danach richtet sich dann, wie die anderen Beine sich bewegen. Der Galopp muss darum auf besondere Weise vorbereitet  werden.

Wie das geschieht, erkläre ich dir zunächst einmal für den Rechtsgalopp: Du setzt dich leicht verdreht in den Sattel. Das bedeutet, deine linke (oder äußere) Hüfte geht etwas nach hinten, die rechte (innere) Hüfte etwas nach vorne. Der Oberkörper geht mit, sodass deine Nase und dein Bauchnabel in einer senkrechten Linie sind. Das hat den Zweck, dass du nun dein linkes (also äußeres) Bein weit nach hinten legen kannst. Etwa zwei Handbreit sollten es schon sein. Erst dann kommen nacheinander die Hilfen.

Gewicht: Gib Gewicht in den inneren (also rechten) Steigbügel. Du rutschst damit etwas mehr nach außen, also nach links und sitzt hauptsächlich auf der linken Pobacke (Seite 72).

Schenkel
: Der linke, nach hinten gelegte Schenkel gibt Schenkeldruck und treibt, damit das linke Hinterbein des Pferdes den ersten Galoppsprung macht (siehe Kasten links). Der rechte Unterschenkel bleibt ohne Druck vorne am Sattelgurt liegen (Seite 75).

Zügel
: Man sollte mit den Zügeln vor dem ersten Galoppsprung ruhig etwas Kontakt zum Pferdemaul haben (was das bedeutet steht auf Seite 79). Doch beim ersten Sprung unbedingt loslassen! Sonst reißt die Trense das Pferdemaul zurück, da der Pferdekopf beim Angaloppieren nach vorne geht.

Stimme
: Ein langes schmatzendes Küsschen ist das Stimmkommando fürs Angaloppieren. Je länger du so ein Küsschen ziehen kannst, um so leichter versteht dich dein Pferd.

Für den Anfänger: Am wichtigsten sind für das Angaloppieren der Schenkeldruck mit dem äußeren Bein und die Stimmhilfe, also das Küsschen.

Für alle: Möchtest du in den Linksgalopp, geschieht alles eben seitenverkehrt: Das Becken dreht sich so, dass die rechte Hüfte etwas nach hinten geht und die linke etwas nach vorne. Du gibst Gewicht auf den linken Steigbügel. Das rechte Bein legst du nach hinten und gibst damit den Schenkeldruck.

Worauf du achten solltest:

– Wenn du aus dem Trab heraus angaloppieren willst, dann ist es sehr wichtig, dass du das Tempo kontrollieren kannst. Wenn das Pferd schon im Trab viel zu schnell ist und in einen regelrechten Renntrab verfällt, dann verlierst du im Galopp erst recht die Kontrolle. Also nur dann angaloppieren, wenn das Pferd ruhig, gleichmäßig und kontrolliert im Trab läuft.

– Wenn das Pferd falsch herum angaloppiert, dann hast du meistens den äußeren Unterschenkel nicht weit genug nach hinten gelegt. Gehe zurück in einen langsamen Trab oder Schritt und versuch es noch mal.

– Durch das Gewicht im inneren Steigbügel hilfst du dem Pferd, wenn es noch nicht so gut ausgebildet ist. Denn es will unter dein Gewicht treten (vergleiche Seite 72) und damit fällt es ihm leichter, richtig anzugaloppieren.

– Manchmal führt der äußere Schenkeldruck mit dem zurückgelegten Bein dazu, dass das Pferd zu sehr nach innen, zur Mitte der gedachten Kreisbahn, ausweicht. Dann musst du dein inneres Bein einsetzen, das ganz normal am Gurt liegt, und durch den Schenkeldruck oder durch leichtes Klopfen das Pferd etwas herausdrücken.

– Achte unbedingt darauf, dass deine Hände mit der Galopp Bewegung mitgehen, schon beim ersten Galoppsprung. Beobachte mal vom Boden aus,  wie ein Pferdekopf sich im Galopp bewegt. Du verstehst dann schnell, dass man mit starren Händen das Pferd bei jedem Galoppsprung abbremst oder ihm sogar weh tut

– Beim Angaloppieren kann es leicht passieren, dass deine Schultern nicht mehr waagerecht bleiben und die innere Schulter absackt. Dadurch wird dein Pferd in eine falsche Richtung gedrückt. Um das zu vermeiden, kannst du die innere Hand etwas höher halten. Im Rechtsgalopp ist also die rechte Hand etwas höher, im Linksgalopp die linke.

Wallpaper-Pferd-745x559-850f1c156a20f7a1[1]

Quelle: http://www.wittelsbuerger.de/wissen/2011/holm_teil_eins.htm

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Bericht Pferde mittig Reiten von Buck Brannaman

Das Pferd im Rechteck 

BB_SB_Tuba_sch[1]

Bei jedem Pferd, das ich reite – ganz gleich ob es sich dabei um ein Jungpferd oder ein erfahrenes Pferd handelt – möchte ich, dass es sich unter mir zentriert bewegt.


Beim Reiten zeichne ich ein imaginäres Rechteck um mein Pferd: Eine Linie verläuft vor der Pferdenase, eine auf der jeweiligen seitlichen Körperseite und eine weitere hinter dem Pferdeschweif. Bei einem Jungpferd können die Seiten dieses Rechteckes bis zu sieben Meter vom eigentlichen Pferdekörper entfernt liegen, während sie bei einem erfahrenen Bridlehorse direkt bis an die Nüstern, Schweifhaare und Steigbügel heranreichen können. Mein Ziel beim Reiten ist es, das Pferd genau in der Mitte dieses Rechteckes zu positionieren.

Alle vier Beine meines Pferdes, präzise setzen zu können, es durch ein sanftes Aufnehmen der Zügel (soft feel), bei mir zu halten und es meinen Schenkeln, weichen zu lassen – all diese grundlegenden Dinge machen es mir möglich, beim Lehnen gegen eine Seite, das Pferd wieder in die Mitte des Rechtecks zu bringen.

Zentrieren eines Jungpferdes

Ein junges Pferd wird nur für einige Momente in der Mitte bleiben können. Auch wenn ich viel daran arbeite, den Jungspund auf eine Linie zu bekommen, lasse ich das Wichtigste nicht aus den Augen: Sobald das Pferd die richtige Position findet, bin ich so ruhig und friedfertig wie ich nur sein kann. Zu Beginn wird dem Pferd das nicht allzuviel bedeuten. Doch schon bald wird es merken, dass sich ein ruhiger Reiter sehr gut anfühlt und es wird nach der Mitte des Rechteckes suchen. Dein Pferd möchte mit Dir auf dem Rücken wirklich gut auskommen. Doch wenn Du ihm niemals zeigst, wo es sein soll, wirst Du quer durch die Gegend hüpfen. Es wird dann niemals lernen, sich zwischen Deinen Beinen und Zügeln zu bewegen. Während ich letzte Woche auf einem Jungpferd einige Rinder einfing, wusste ich immer, wo sich mein Pferd innerhalb des Rechtecks bewegt – auch als ich im Galopp einem Rind folgte. Drückt das Pferd gegen meine Hand, nähert es sich der vorderen Rechteck-Linie. Dann musss ich es vielleicht langsam zurück nehmen. Drückt es nach hinten und nähert sich dieser Linie muss ich es nach vorne bringen und weicht es nach rechts oder links aus, bringe ich es mit meinen Schenkeln wieder zurück zur Mitte. Bewegt es sich diagonal in eine Ecke oder schwenkt seine Vor- oder Hinterhand aus, kann ich das Pferd mit Hilfe meiner Zügel und Schenkel wieder gerade in die Mitte bringen. Sobal mein Pferd diese Position gefunden hat, gebe ich nach. Es kann sich dort vielleicht noch nicht lange halten, so dass ich ihm wieder helfen muss, die Stelle zu finden. Ich versuche dies aber so zu gestalten, dass ich nicht auf ihm herumhacke. Ich mache mir nur bewusst wo er ist und dirigiere ihn dahin, wo er hin soll. Dein Rechteck geht immer mit Dir mit und aus diesem Grund ist es ganz gleich, ob Du in einer Volte oder auf einem Zirkel gehst – eine Mitte ist immer vorhanden. Wenn Deine Koordinationsfähigkeit, nicht ausgereift ist und Du erst bemerkst, dass Dein Pferd über die imaginäre Linie hinausgelaufen ist, wenn es auf der anderen Reitplatzseite angekommen ist, dann ist es zu spät. Du hast die Möglichkeit verpasst. Die Vorstellung davon, wo die Mitte deines Pferdes ist, muss Dir beim Reiten die ganze Zeit bewusst sein. Nehme seinen ganzen Körper wahr. Das ist es, woran ich beim Reiten denke und ich denke niemals nicht daran. Gehe behutsam daran, Dein Pferd wieder zur Mitte zurück zu bringen. Korrigierst Du zuviel oder gibst Du nicht früh genug nach, kann es passieren, dass Du direkt über die Mitte hinaus über die Linie der anderen Seite schießt. Da zusammen mit Deinen Hilfen immer ein gewisser Anteil an Abweichung kommt, muss Du Deine korrigierende Hilfe schon wegnehemen, bevor Dein Pferd die Mitte erreicht hat, damit es genau am richtigen Platz ankommt. Übertreibst Du all Deine korrigierenden Hilfen, wird Dein Pferd von all den imaginären Linien abprallen. Das Ergebnis ist dann ein sehr verwirrtes und verunsichtes Pferd.

Unterdrückung durch den Reiter

Auf meinen Pferde gebe ich kontinuierlich Hilfen und gebe diese wieder nach. Pferde kann man nicht in der Mitte halten. Seit über 20 Jahren gebe ich Kurse, so dass meine Beobachtungen auf Fakten basieren; die am wenigsten zentrierten Pferde, die mir in all den Jahren begegnet sind waren Dressurpferde (denken Sie jetzt nicht eine Minute daran, das ich Dressur schlecht reden will, denn wenn es von einem guten Reiter korrekt geritten wird ist es wunderschön – besser kann’s nicht werden). Aber ich rede von dem Reiter, der seinem Pferd nicht die Möglichkeit gibt, die Mitte zu finden, geschweige denn ihm die Wahl lässt dort zu sein. Ich rede von dem, der sein Pferd zu sehr eingrenzt und versucht, es am rechten Platz zu halten. Seine Pferde gehen direkt über die vordere Linie hinweg. Und unterdrückt der Reiter sein Pferd geht es auch durch die hintere Linie und wird stumpf gegenüber Schenkelhilfen. Dies kann mit jedem Pferd, jeder Disziplin passieren, wenn der Reiter ein unterdrückendes Verhalten an den Tag legt. Wenn Reiter Probleme haben, dann geben sie dem Pferd meist nicht genug Raum die Mitte zu finden. Mit ihrer unterdrückenden Reitweise zwingen sie das Pferd, dass zu tun, was sie wollen. Sie denken sie können das Pferd in die Mitte zwingen und dort halten. Aber das Pferd muss die Mitte suchen und finden, man kann es nicht dort hin zwingen. Ganz gleich welche Reitweise – diese Dinge sind überall identisch. Das Pferd, organisiert zu bekommen, auf den Punkt genau zu reiten ist bei allen Disziplinen gleich.

Manchmal fragen mich Pferdebesitzer, was ich mit ihrem Pferd machen würde, wenn es meins wäre. Ich sage ihnen, ich würde ihr Pferd reiten, so wie ich meine Pferde reite, bis es aussieht wie eines meiner Pferde. Ich mache da nichts anderes. Wenn Du ein älteres Pferd hast, dem einige Kindergarten-Sachen fehlen – geh zurück und hole sie nach. Alter spielt keine Rolle. Das Pferd braucht vielleicht ein bisschen länger, da es einige alte Geschichten verarbeiten muss, aber es wird sich sehr viel schneller ändern, als manche Menschen es tun könnten. Hast Du einmal gute Horsemanship gesehen und gelernt, was man tun kann, um dem Pferd zu helfen ruhiger und verlässlicher zu werden, warum solltest Du die Dingen dann nicht tun? Ganz gleich wie alt Dein Pferd ist, biete ihm das Dir best Mögliche an. Wenn Du Dich anpassen kannst, kann es Dein Pferd auch. Pferde können sich enorm ändern. Es gibt immer Hoffnung!
Text und Fotos © Emily Kitching

Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/5_Themen%20&%20Trends/Artikel/Ausbildung/Buck_Centering.htm

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Ausbildungsskala

Western – Reitlehre

Der Zweck jeder Ausbildung eines Pferdes muss es sein, seine Fähigkeiten durch systematische Gymnastizierung und Training zur vollen Entfaltung zu bringen, so daß es seine natürlichen Anlagen und Möglichkeiten ausnutzen und gehorsam den Signalen seines Reiters folgen kann.

Die Ausbildungsskala gilt sowohl für die Ausbildung des Jungpferdes, als auch für jede einzelne Trainingseinheit eines älteren Pferdes. Die Stufen bauen aufeinander auf, so dass auch im täglichen Training des Pferdes jede Stufe einzeln abgefragt werden sollte.

Vorraussetzung für das erfolgreiche Training unter dem Sattel ist eine Grunderziehung des Pferdes an der Hand: Die Bodenarbeit


Klassische Ausbildungsskala FN Western Ausbildungsskala EWU
1. Takt 1. Gleichmäßige, taktreine Gänge
2. Losgelassenheit 2. Losgelassenheit/Entspannung
3. Anlehnung 3. Nachgiebigkeit
4. Schwung 4. Aktivierung der Hinterhand
5. Geraderichten 5. Geraderichten
6. Versammlung 6. Absolute Durchlässigkeit

 

Alles gemeinsam ergibt die gewünschte natürliche Selbsthaltung des Western-Pferdes

1. Takt

Takt bedeutet, dass zeitliche Gleichmaß der Schritte, Tritte und Sprünge. Der Rhythmus der Bewegung muss auch in Wendungen, auf Zirkeln und Kreisen
gleichmäßig erhalten bleiben.

Jede Gangart hat ihren eigenen Takt: der Schritt ist ein Viertakt, der Trab ein Zweitakt und der Galopp ein Dreitakt. Der Takt der Bewegung kann verloren gehen, wenn das Pferd lahmt, sich festmacht oder noch nicht ausbalanciert geht. So verlieren besonders junge Pferde den Takt in Wendungen oder auf Kreisen. Unter Takt versteht man auch das zeitliche Gleichmaß, damit ist gemeint, das das Pferd innerhalb einer Gangart nicht unregelmäßig geht, also mal sehr langsam und dann wieder eilend. Natürlich kann der Reiter es schneller oder langsamer reiten, aber das muss dann durch die Einwirkung des Reiters bestimmt sein und sollte nicht vom Pferd ausgehen. Jeder kennt z.B. das Pleasure Pferd, das zu schnell zu langsam gemacht wurde und daher den Galopp bricht und in einen Viertakt fällt. Das sollte nicht passieren. Es ist also das erste Ziel des Trainings, dass das Pferd gleichmäßig und taktrein vorwärts geht.

2. Losgelassenheit / Entspannung

Kennzeichen der Losgelassenheit sind:
. Abschnauben
. Locker, schwingender Rücken
. Das Pferd eilt nicht, geht taktmäßig
. Das Pferd lässt den Kopf und Hals fallen und entspannt
. Der Schweif wird locker und ruhig getragen
. Das Pferd ist ruhig und aufmerksam

 Losgelassenheit ist die Vorraussetzung für jede Ausbildung. Erst wenn sich das Pferd unter dem Reiter entspannt und seinen Hals fallen lässt, gibt es den Rücken frei und kann den Reiter tragen. Ein losgelassenes Pferd kann seine Muskeln anspannen und entspannen, seine Gelenke gleichmäßig beugen und dem Reiter seine ganze Kraft zu Verfügung stellen. Zur Losgelassenheit gehört nicht nur die körperliche Losgelassenheit, sondern genauso die psychische Entspannung des Pferdes. Nur ein losgelassenes Pferd lernt! Solange es sich festhält, wird es gegen den Reiter arbeiten. Außerdem schädigt sich ein losgelassenes Pferd nicht. Viele Gelenk-und Muskelprobleme sind die Folge von Verspannungen. Daher ist es extrem wichtig, jedes Pferd zu Beginn einer Trainingseinheit richtig zu lösen. Solange das Pferd Angst hat, sich widersetzt oder nicht verstanden hat, was es tun soll, wird es nicht wirklich losgelassen sein können. Daher wird ein Problempferd niemals losgelassen sein. Für viele Übungen ist eine gewisse Konzentration und auch Anspannung notwendig. Aber der Grat zwischen Anspannung und Verspannung ist sehr schmal. Ein guter Trainer wird seinem Pferd immer wieder Phasen der Entspannung anbieten, um seine Losgelassenheit wiederherzustellen.

3. Nachgiebigkeit

Unter Nachgiebigkeit verstehen wir das willige Nachgeben des Pferdes im Genick und Hals auf die Zügelhilfen des Reiters. Das Endziel der Ausbildung des Westerpferdes ist immer ein Pferd, das nur noch minimaler Zügelhilfen bedarf und am losen Zügel einhändig im Bit zu reiten ist. Eine permanente Anlehnung an die Reiterhand wie im klassischen Reiten kennen wir im Westernreiten nicht. Beim Neck Reining gibt es keine permanente Anlehnung. Das Pferd soll ja am Ende der Ausbildung einhändig am durchhängenden Zügel in einer ihm angemessenen Selbsthaltung gehen. Daher ist es für uns wesentlich, dass das Pferd das Gebiss willig annimmt und jedem Signal des Zügels ohne jeden Widerstand sofort folgt.

4. Aktivierung der Hinterhand

Das Westernpferd braucht eine aktiv unter den Schwerpunkt tretende Hinderhand, die es ihm ermöglicht auf kleinstem Raum zu wenden, aus dem Stand in hohem Tempo vorzuschnellen, sowie den Reiter in niedrigem Tempo auszubalancieren und zu tragen. Um tief unter seinen Schwerpunkt zu treten, muss es seinen Rücken aufwölben. Die Dynamik der Bewegung muss im Trab und besonders auch im Galopp gefördert werden, um die Kraft und den Schub aus der Hinterhand des Pferdes zu entwickeln. Das klassische Reiten setzt an diese Stelle den Schwung. Durch energisches Vorwärtsreiten wird die Schubkraft des Pferdes entwickelt, um sie später in Tragkraft der Hinterhand umwandeln zu können. Der Schwung wird in erster Linie im Trab entwickelt. Diese Gangart spielt für das Westernreiten keine so wesentliche Rolle. Auch wir wollen die Hinterhand aktivieren, sie ist der Motor der Bewegung. Aber wir erreichen das durch Lektionen, wie Zirkelarbeit, Seitengänge, Rückwärtsrichten, später Rollbacks usw. in denen das Pferd lernt, den Rücken aufzuwölben und Last auf die Hinterhand aufzunehmen. Wir arbeiten dazu vermehrt im Galopp.

5. Geraderichten

Das gerade gerichtete Pferd tritt mit der Hinterhand in die Spur der Vorderhand und zwar sowohl auf geraden, wie auf gebogenen Linien. Jedes Pferd wird mit einer natürlichen Schiefe geboren. Erst wenn das Pferd beide Hinterbeine gleichmäßig belastet, kann es seine volle Kraft entfalten und ist in Balance. Natürlich muss ein Pferd auf beiden Händen gleichmäßig durchlässig und kräftig sein um den Anforderungen des Western Reitens zu entsprechen. Dies gilt wohl gleichermaßen für alle Reitweisen der Welt.

6. absolute Durchlässigkeit

Was das Westernpferd braucht ist die Tragkraft der Hinterhand, einen elastischen, aufgewölbten Rücken, kombiniert mit einem entspannt und natürlich getragenen Kopf und Hals. Nur ein durch und durch gymnastiziertes und gehorsames Pferd, dass alle Reiterhilfen sofort umsetzt, wird in der Lage sein die geforderten Manöver des Westernreitsportes zu vollbringen. Auch als Freizeitpferd im Gelände wird das durchlässige Pferd gehorsam den Signalen seines Reiters folgen und ihn aufmerksam und gelassen tragen und sich dabei selbst ausbalancieren ohne der ständigen Einwirkung seines Reiters zu bedürfen.

Dieses Endziel der Ausbildung wird erreicht, wenn alle vorhergehenden Stufen erfolgreich absolviert worden sind. Reell nach der Ausbildungsskala ausgebildete Pferde werden lange gesund bleiben können und sind zuverlässige Partner für ihre Reiter.

Warum hier am Ende nicht das Wort“ Versammlung“ steht ? Wir haben lange darüber diskutiert. Natürlich versammeln wir unsere Pferde auch. Aber in der klassischen Reitlehre wird die Versammlung durch den Spannungsbogen zwischen treibenden Hilfen und der Anlehnung an das Gebiss hergestellt. Das Pferd wird vermehrt aufgerichtet. Das Genick ist der höchste Punkt, die Hinterhand abgesenkt und zur klassischen Versammlung gehört die Hankenbiegung – die Biegung im Sprunggelenk. Also ganz so sieht unser versammeltes Pferd nicht aus. Unser Endziel ist nicht die Levade, sondern ein jederzeit durchlässiges und gehorsames Pferd. Unser Endprodukt muss je nach Disziplin einen Stop, einen Rollback, einen Spin gehen können, ein Rind kontrollieren, einen Trail Parcours überwinden, oder fliegende Galopp-Wechsel gehen. Es muss sich also versammeln, wenn die Aktion es erfordert. Aber die Versammlung ist nicht unser Selbstzweck. Es soll außerdem jederzeit aufmerksam und willig den Hilfen des Reiters folgen. Das vollendet ausgebildete Westernpferd ist ein Pferd, das all das tut, was der Reiter von ihm verlangt.


QuellePetra Roth-Leckebusch für westernreiter (EWU)

Leave a Comment

Filed under Allgemein