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Bericht über die Arbeit von Alfonso Aguilar

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Vom 9-11. September 2014 ist er bei uns und wird einen Kurs bei uns abhalten. 🙂 Die Vorfreude ist jetzt schon da !

9. September 2014: Bodenarbeitstag, Round Pen Arbeit, Kommunikation etc.

10.-11. September 2014: Bodenarbeit weiterführende Arbeiten und Reiten

Jeder Tag kann einzeln gebucht werden, Alfonso geht komplett auf eure Wünsche und Probleme ein. Alles kann individuell gestaltet werden. Wenn alle Informationen vorliegen werde ich den Kurs so schnell wie möglich veröffentlichen.

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Mehr zu Alfonso auch hier:

http://www.aguilarnaturalconcepts.com/German/html_german/germany.html


Lernen als Ausbildungsziel

Da Pferde nicht unsere Sprache sprechen, müssen wir ihre erlernen. Das tun wir am besten, wenn wir lernen, ‚wie Pferde lernen‘. Mit diesem Fachwissen ausgestattet, kann man dem Pferd individuell einen Lernweg aufzeigen, durch den es versteht, was wir von ihm wünschen. Alfonso Aguilar, Horsemanship-Ausbilder und Tierarzt, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Lernverhalten von Pferden und vermittelt diese Wissen in seinen praktisch orientierten Kursen. Seine Verständigung mit dem Pferd beginnt dabei am Boden.

Zögernd bringt Besitzerin Heike Merkisch ihren Braunen zum Round Pen. Kaum öffnet sie das Paneltor, schiebt sich das Pferd an der Besitzerin vorbei, zieht sie am Führstrick mit. Die Augen des Wallachs sind wach. Sein Körper gespannt. Kaum hat die 32-Jähre ihr Pferd vom Halfter befreit, dreht dieses auf der Hinterhand um und trabt zügig mit nach außen gebogenen Hals im Round Pen umher. Alfonso Aguilar steht ruhig neben ihr in der Mitte und lässt das Pferd gewähren. „Erst einmal kann er sich umschauen“, beginnt der Mexikaner seine Arbeit mit dem Kurspferd, „er erwartet schon von vorneherein, dass er Druck vom Menschen bekommt“, erklärt er. „Ich möchte seine Erwartungshaltung in den Menschen aber nicht erfüllen, sondern ändern.“ Der Horseman arbeitet zunächst nur mit dem Pferd alleine, während Merkisch das Verhalten ihres Pferdes und die Herangehensweise von Aguilar in Ruhe von Außen beobachtet. „Ich mache mit ihm keine freie Arbeit im Round Pen mehr, da ich es nicht schaffe, seine Aufmerksamkeit bei mir zu halten. Der Trainer, bei dem er kurzzeitig in Beritt war, hat ihn auf dem Zirkel gescheucht, bis er triefte vor Schweiß. Perino hat nun mal schlechte Erfahrungen im Round Pen gemacht“, erläutert die Besitzerin die Geschichte ihres Warmblutmixes.

Schlechte Erlebnisse vergessen Pferde nie

Aguilar, weiterhin passiv in der Mitte des Pens: „Pferde vergessen nichts. Das ist gut, wenn es um solides Training geht und schlecht, wenn sie traumatische Situationen erlebt haben. Diese sind meist nie wirklich aus ihrem Bewusstsein zu löschen. Man kann Pferden aber helfen, solche verankerten Ängste zu überwinden. Reiter neigen dazu, schnell aufzuhören, wenn etwas nicht gut läuft. Dennoch ist es wichtig, nicht aufzuhören, wenn gerade alles schief läuft, denn das ist dann das Bild, was das Pferd im Bewusstsein als zuletzt Gelerntes abspeichert. Am nächsten Tag wird das Problem dann noch größer sein“, beschreibt der Pferdekenner. Wichtig ist also, dass dem Pferd nach einer traumatischen Situation direkt gezeigt wird, das nichts gefährlich ist. Und dies geschieht bei ihm mit Ruhe, Schritt für Schritt. Und Ruhe, die hat der Horseman aus Mexiko. Seine bescheidene und unaufdringliche Art scheint das Geheimnis seines freundlichen und effektiven Umgangs mit Pferden zu sein, die sich schnell seinem Energiepegel anpassen.

Pferde ziehen sich in sich zurück

Das bedeutet aber nicht, dass der Ausbilder immer nur schlapp in der Mitte herum steht. Klar, deutlich und auch mal rasant agiert er, bleibt dabei aber immer aggressionslos und unaufdringlich in seinen Bewegungen. Kurswallach Perino, der wie ein aufgezogenes Uhrwerk seine Runden dreht, gibt er ziemlich schnell seine Wunschrichtung an. Er schneidet ihm den Weg ab und lässt ihn vom Seil weg in die andere Richtung wenden. „Perino schaltet mental aus. Es ist, als hätte er sich zurückgezogen und als wenn nur sein Körper die Abläufe abspult. Mental ist er gerade nicht zu erreichen. In so einem Fall unterbreche ich seinen eingefahrenen Modus. Das verwundert und verunsichert ihn zu beginn, gibt ihm aber die Möglichkeit, wieder frei zu denken und zu überlegen“, erklärt Aguilar. Ruckartig und schnell sind die Wendungen des Braunen, hektisch sein Auge. Doch dieses verändert sich. Aguilar positioniert sich immer wieder so neu, das der Wallach nachdenken muss. Dieser bewegt sich nun vorsichtiger, passt auf und versucht herauszufinden, was der Mensch will. Sein Blick wird fragender. Durch eine Pause gibt Aguilar ihm im richtigen Moment die Antwort: gut gemacht. Und schon ist das Pferd im Lernmodus, es ist hervorgekommen hinter seiner emotionalen Schutzmauer. „Nun bedarf es weniger ruhigen, gezielten Bewegungen des Maxikaners und Perino läuft ihm frei hinter her. Er bleibt neben ihm stehen. Die Spannung ist raus, das Pferd gäht. Viele Pferde tun dies in so einer Situation und manche Horsemen sagen: ‚er lässt die Schmetterlinge raus‘.

Tiere sterben, um Stress zu entkommen

Für Aguilar ist nun die Basis im Pferd für motiviertes Lernen geschaffen. Nun muss nur noch Besitzerin Merkisch dazu bereit sei, ihren eigenen Lernweg zu bestreiten. „Wenn etwas nicht klappt und Perino wieder einmal etwas tut, was mir nicht passt, frustriert mich das“, erzählt die Reiterin, der es dann an praktischen Möglichkeiten fehlt, die Situation ins Positive zu wenden. „Der mentale Zustand, in dem sich ein Reiter befindet, ist äußerst wichtig. Er entscheidet darüber, ob Lernen überhaupt möglich ist“, so Aguilar. „Viele Pferde geben innerlich auf, hören auf zu kooperieren und zu lernen, wenn der Mensch ihnen Aufgaben nicht verständlich vermitteln kann. Sie haben nicht die Chance, sich unseren Unzulänglichkeiten mit ihnen zu entziehen, wie Wildtiere es auf haben. Bei diesen Tieren gibt es nämlich den so genannten ‚Sudden Death‘. Wird ein Wildtier zum Beispiel gefangen und auf dem Boden mit Stricken gefesselt, kann es einfach sterben: es gibt auf und bekommt einen Herzstillstand. Pferde sterben nicht so schnell, aber sie werden – eingesperrt durch ihre heutigen domestizierten Lebensbedingungen in Stallungen oder auch auf Paddocks – frustriert. Wie dieser Wallach geben Sie auf und hören auf, zu kooperieren. Oder sie werden krank, bekommen Stresskoliken oder entwickeln ‚Untugenden‘ wie Koppen oder Weben.“

Frustrationen, die nicht lohnen

Und wie dem Pferd geht es dann meistens auch dem Reiter: klappen die Ausbildungsschritte mit dem Pferd nicht mehr, macht es nicht mehr das, was man möchte, wird der Reiter frustriert. Merkisch bestätigt dies: „Ich merke, wie sich in meinem Bauch ein Klotz formt und Frust steigt in mir auf. Ich weiß dann nicht, was ich machen soll, damit Perino das macht was ich möchte“. In der Regel fängt Gewalt da an wo wissen endet. Hier fehlt es also ‚nur‘ an den richtigen Ausbildungsschritten. Was mache ich, wenn…? Und diese Schritte müssen dann noch in der Praxis verstanden und umgesetzt werden. Keine Kleinigkeit. Aber durchaus machbar. „Auch der Mensch hat einen Lernrahmen und sollte offen für Neues sein, aber auch selbstkritisch und fair zu sich“, rät der Horseman. „Klappt etwas nicht, sollte man ‚immer‘ einen Schritt zurückgehen und nachdenken. Der Mensch sollte alles Erdenkliche tun ‚wollen‘, um zu loben und Freude zu haben. Funktioniert etwas nicht und Frust kommt auf, kann man zu einer Lektion zurückgehen, die klappt, das Pferd dafür loben und
sich über den gelungenen Moment freuen“.

Schritt für Schritt für Pferd und Reiter

Perinos Besitzerin lernt die ersten Schritte dazu im Round Pen: Hier ein bisschen mehr Druck, hier weniger, seitlich wegdrehen, schneller oder langsamer gehen, weniger Energie oder mehr – keiner hat gesagt, dass es leicht ist, neue Abläufe im Körper zu etablieren, aber mit etwas Übung gelingt es und Spaß macht es mit dem Fokus auf kleine Erfolge auch. Perino läuft nun auch seiner Besitzerin hinterher. Dies ist keine Soap-Story zum Thema ‚Pferdenanny‘, sondern die ersten kleinen Ausbildungsschritte zu adäquater Bodenarbeit im Sinne des Pferdes. „Hier ist nichts magisch an der Sache. Wir verstehen nur ein bisschen mehr, wie ein Pferd handelt und mit dem Wissen können wir uns dem Pferd gegenüber richtig verhalten. Das ist alles.“ Und jeder, der will, kann lernen, gefühlvoll und artgerecht mit seinem Pferd zu kommunizieren.

Text & Fotos: Rika Schneider

Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/

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QUO VADIS WESTERNREITEN?

Ein interessanter Bericht von der Westernhorse Seite Autor ist Hardy Oelke!


Die Idealisten von einst sind besorgt, manche haben sich sogar wieder abgewandt vom Westernreiten. Doch die nichts anderes kennen, machen munter weiter, steigern sich möglichst sogar in ihrem Tun und haben für die Mahner nur ein mit­leidiges Lächeln. Dass auch die konventionelle Reiterei ihre Problem hat, kann uns nicht trösten– wir müssen unsere eigenen selbst lösen.

Maik Bartmann ist AQHA-, NRHA-, FEI- und NRCHA Judge und ist nicht selten in der Situation, keinen wahren Champion küren zu können, sondern das kleinere unter einer Reihe von Übeln wählen zu müssen.

Foto ck photographics

Kaum jemand würde bestreiten wollen, dass das Niveau auf Westernturnieren gestiegen ist, dass wir heute die sprichwörtlichen „Lichtjahre“ entfernt sind von dem, was auf den ersten Turnieren anfangs des letzten Jahrhunderts zu sehen war. Selbst sozusagen auf halber Strecke, etwa bei der Gründung der NRHA, als zum Beispiel Reining sich bereits als Spezialdisziplin herauskristallisiert hatte, oder sagen wir in den 1980er Jahren, als sich die NRHA Futurity bereits etabliert hatte, selbst da waren die Lei­stungen bei weitem noch nicht so geschliffen wie heute. Und kaum jemand würde widersprechen wollen, wenn behauptet wird, dass die Qualität der Western Pleasure-Pferde bezüglich der Bewegungen im Durchschnitt deutlich höher liegt als vor, sagen wir, 30 Jahren. Aber bedeutet das auch, dass wir auf der ganzen Linie eine positive Entwicklung verzeichnen können?

Wenn es um negative Auswüchse geht, müssen meistens die Pleasure-Pferde herhalten. Und nicht zu Unrecht – diese Spezialdisziplin hat sich in einer Weise entwickelt, dass kaum einer der darin Involvierten noch einen Bezug zur Normalität mehr zu haben scheint. Worin zeigt sich das? Es kann daran erkannt werden, dass auch eine Klasse von hocherfolgreichen Pleasure-Pferden absolutes Unverständnis und sogar Abscheu bei jemandem hervorruft, der noch nie eine Pleasure gesehen hat. Ein gestandener Pferdemann, der Pferde in allen möglichen Bereichen kennt, von der klassischen Dressur über den Fahr- und Springsport, Hirtenreiten, Trekking­reiten usw. , wird ungläubig gucken, wenn er zum ersten Mal eine Pleasure sieht , und wird sie für einen schlechten Witz halten.

„Ich möchte bestimmt nicht alle Pleasure-Reiter über einen Kamm scheren“, sagt Maik Bartmann, AQHA, NRHA, FEI und NR­CHA Judge. „Aber die Disziplin braucht nach wie vor entscheiden­de Verbesserungen. Viele Pferde würden viel besser aussehen, wenn sie mit etwas mehr Vorwärtsbewegung und Raumgriff laufen würden!“

Keine Frage, es gibt jene geborenen Pleasure-Pferde, jene super Beweger. Aber was die Disziplin runterzieht, sind die vielen anderen, die künstlich auf etwas getrimmt werden, das ihnen von Natur aus nicht gegeben ist, und die darum im Viertakt laufen, schräg oder schaukelnd galoppieren, den Kopf rauf und runter schwingen, apathisch vorgestellt werden usw.

Ein weiterer Aspekt sind die Traininsgpraktiken und das, was man auf dem Abreiteplatz zu sehen bekommt…

Das Westernreiten – einst als die pferdefreundlichere Methode eingeführt – ist im Begriff, sein positives Image zu verlieren. Das „reiten“ in „Westernreiten“ ist im Begriff, durch Abrichten ersetzt zu werden. Es werden Show-Automaten trainiert. Man spricht auch ungeniert von „Knöpfen“, die eingebaut werden und die man eben kennen und bedienen muss, um diese oder jene Leistung eines Pferdes abrufen zu können. Reiterliche Einwirkungen, reiterliche Prinzipien geraten in Vergessenheit, sind unpopulär.

Warum kann sich all das durchsetzen? – Wenn Leute damit gewinnen, wird es kopiert. Und da liegt es in der menschlichen Natur, dass die meisten nicht anstreben, jene Meister zu kopieren, die solide und mit unmerklichen Hilfen reiten, sondern lieber je­ne, die es mit Rupfen und Stechen schaffen, aufs Podest zu kommen. Finesse ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu erreichen. Grobe Hilfen sind leicht zu verstehen und anzuwenden…

Aber warum kann man damit gewinnen? Weil die Richter es in der Show Arena nicht ohne weiteres erkennen, dass ein Pferd mit groben Mitteln eingeschüchtert wurde. Aber auch, weil sie sich oft genug nicht an die Regeln halten, weil sie oft genug in ihrem Nicht-Richter-Alltag als Trainer selber zu den Rupfern und Stechern gehören. Und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Es ist aber sicher auch nicht immer einfach für die Richter:

„Ich hatte unlängst noch wieder ein Schlüsselerlebnis, als ich eine große internationale Reining gerichtet hatte“, erzählt  Maik Bartmann. „Da war dieser Ritt, der in allen Manövern technisch besser war als alle anderen. Ich habe ihn gewinnen lassen, wie meine Kollegen auch. Aber dann habe ich mich gefragt: War das richtig? Das Pferd hatte zwar alles super gemacht, aber es hatte seinen Stress, seine Misslaunigkeit durch alles ausgedrückt, das ihm zur Verfügung stand – das Maul verkniffen, die Ohren so angelegt, dass sie fast nicht mehr zu sehen waren, und der Schweif – nach ja, wir wissen ja alle, was man gegen Schweifschlagen tun kann. Ich musste mich auf den ‘A. General’ besinnen, die Grundregel der NRHA. Da ist die Rede von ‘willingly guided’, dass sich das Pferd also willig führen lassen soll, es ist die Rede davon, dass Plus für die Einstellung des Pferdes gegeben werden soll (wenn diese positiv ist), da ist die Rede von ‘pleasing to watch’, also davon, dass es schön anzusehen sein soll. Da muss man sich fragen, ob es wirklich schön anzusehen ist, wenn ein Pferd so deutlich sein Unbehagen zeigt, ob das Spektakuläre der Manöver Priorität haben darf über die Willigkeit, Feinheit und Eleganz, welche die Regel offensichtlich anstrebt.“

Im Reining kann man grob zwei Richtungen unterscheiden, diejenigen, die Reining „kämpfen“, und diejenigen, die Reining zelebrieren. Der seit längerem erfolgreichste Reining-Reiter und Trainer der Welt, Shawn Flarida, erreitet seine Siege, indem er unauffällig und weitgehend still im Sattel sitzt, kaum etwas mit der Zügelhand macht und generell den Eindruck vermittelt, dass er den Ritt genießen kann. Wird er allerorts kopiert? Nein. Es gibt überhaupt nur ganz wenige, die ähnlich showen. Stattdessen wird versucht, ihn mit noch konsequenterem Hauen und Treten zu schlagen. Die meisten versuchen, mit aggressivem Showen zu gewin­nen, mit Zupfen und Rupfen und Klopfen…

„Ich weiß noch gut, wie Shawn 2002 mit Wimpys Little Step die Futurity gewonnen hat“, sagt Maik Bartmann. „Das war eine Offenbarung. Seit damals hat sich nicht mehr wirklich Entscheidendes getan.“

Er erinnert sich an eine Futurity in Amerika, die für ihn zu einem Aha-Erlebnis wurde, für die Zuschauer aber nur bedingt:

„Es war nach dem Non-Pro Go round. Wir hatten einen Run gesehen, der von den Manövern her, vom Technischen her, eigentlich durchgehend im Plusbereich gewesen war. Das Publikum hatte mit Beifall nicht gespart. Aber wenn man den ‘A. General’ zugrunde legte, war es eben doch kein wirklich guter Ritt, weil es nicht ‘pleasing to watch’ war, weil das Pferd sehr gestresst ausgesehen hatte, nicht willig arbeitete, sondern weil es sich nicht aufzumucken traute. Dies wurde genauso in der anschließenden Richterbesprechung angesprochen, uns wurde explizit nahegelegt, den ‘A General’ anzuwenden und alle Ritte regelkonform zu bewerten.

Im Finale hatten wir dann das gleiche Bild, eher noch etwas ausgeprägter. Das Publikum war begeistert und rechnete anscheinend mit einer Score um die 220. Aber was dabei herauskam, war eine 210,5 oder so – und die Zuschauer schienen ratlos. Aber niemand buhte, da alle fünf Richter zum gleichen Ergebnis gekommen waren. Es zeigt, dass sich da etwas verändert hat in der Wahrnehmung und der Zielsetzung. Aber der ‘A. General’ gilt, und ich finde, zu recht. Wir wollen keine Roboter sehen, die ohne Rücksicht auf ihre Gefühle abgerichtet wurden. ‘Willingly guided’ und ‘pleasing to watch’ wird hoffentlich immer die Richtschnur bleiben.

Auf der letzten Breeders Futurity saß Maik mit Kay Wienrich zusammen auf der Tribüne, und die beiden hatten nur für sich selbst mitgerichtet.

„Da war in der Hackamore/Snaffle Bit der Ritt eines deutschen Trainerkollegen, den wir gut fanden – nicht übermäßig spektakulär, aber mit leichter Zügelführung, ein Pferd, das sich nicht ‘in die Brust biss’, das ungestresst aussah, willig mitmachte, ohne Fehler lief und generell den Eindruck machte, als sei noch Luft nach oben, als wäre es weder an seiner Leistungsgrenze angelangt, noch an seine derzeitige maximale Leistungsgrenze gepusht worden“, erzählt Maik. „Wir guckten uns an und meinten, dass es eigentlich eine Score um 220 bekommen müsse, rechneten aber mehr oder weniger damit, dass es deutlich drunter blieb, weil der Ritt nicht so spektakulär war wie der eine oder andere sonst. Umso größer meine Freude, dass die Score tatsächlich 220 oder etwas mehr war, dass die Richterkollegen es genauso gesehen hatten!

Es liegt nicht immer nur an den Richtern, manchmal sind wir in der Situation, bei Kandidaten eine Rangfolge zu bestimmen, die uns alle nicht überzeugen… So ist es auch bei der Pleasure. Über kaum eine andere Klasse wird im Regelbuchausschuss so viel diskutiert. Immer wieder werden neue Regelvarianten gefunden und in Kraft gesetzt – ohne wirklich durchschlagenden Erfolg. Warum? Weil die Teilnehmer zum Teil eine falsche Vorstellung davon haben, was wir Richter sehen wollen, und zum großen Teil, weil viele ihre Pferde in eine Rolle zwingen wollen, die sie nicht ausfüllen können.

Viele meinen immer noch, je langsamer, desto besser. Nein: Wenn man extended jog verlangt, bekommt man oft Bilder zu sehen, bei denen man sich wünscht, die Pferde wären die ganze Zeit so geshowt worden…

Es gibt gute Beweger, wie sie in der Pleasure-Klasse vorherrschen sollten. Aber sie stellen leider nur einen kleinen Prozentsatz dar. Das Gros der Teilnehmer stellt Pferde vor, die mit großem Aufwand langsamer und immer langsamer gemacht wurden, dies aber von Natur aus gar nicht leisten können und dementsprechend unschön aussehen.“

Generell wünscht sich Maik Bartmann, dass in der Westernturnier-Szene die Pferde wieder mehr trainiert und weniger dres­siert werden.

„Wir betreiben einen fantastischen Sport zusammen mit unseren Pferden und sollten alles daran setzen, ihn auch nach außen so zu präsentieren“, sagt er. „Nur dann können wir auch weiterhin neue Freunde dafür begeistern.“

Von Hardy Oelke


QUELLE: http://www.westernhorse.de/detailseite/article/quo-vadis-westernreiten.html

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