Tag Archives: Pferd

Menschen und Pferde 2013

Ein paar Erinnerungen und Eindrücke aus 2013

Collage

Mehr Bilder und Impressionen findet ihr hier: http://www.openranch.de/kurse/

Ich wollte nicht versäumen einen kurzen Rückblick für das Jahr 2013 zu schreiben. Auf dem oberen Bild seht ihr ein paar meiner schönsten Eindrücke aus dem Jahr 2013. Es war ein unglaublich aufregendes, sehr lehrreiches und verrücktes Jahr. Nie hätte ich geglaubt so viele tolle Menschen kennen zu lernen. Ich hatte so viel Spaß, jeder Kurs war anders, immer besonders auf seine Art. Ich habe in den vielen Jahren vorher nicht annähernd so viel über Menschen und Pferde gelernt wie in dem vergangenen Jahr. Viele der Lehren machen jetzt erst Sinn, manches verstehe ich erst jetzt. Zusammenhänge werden klarer. Die Arbeit mit Pferden ist etwas besonderes und ich möchte es niemals missen!

Meine Mutter sagt immer Pferdeleute sind alle etwas „verrückt“ damit hat sie wahrscheinlich Recht. Letztens habe ich ihr einen Post aus Facebook vorgelesen, ich musste so sehr schmunzeln, meine Mutter hat nur mit dem Kopf geschüttelt. Jemand war krank und hat geschrieben nach langer Zeit endlich wieder im Stall und das misten macht so einen Spaß! Pferdeleute sind so herrlich anders! Menschen die damit nichts zu tun haben, können das nicht nachvollziehen. Das wir viel Geld für Dinge ausgeben, lieber eine neue Decke fürs Pony kaufen als uns ein paar neue Schuhe. Die Jagd und Pferd steht vor der Tür, wir fahren na klar hin. Obwohl alle sagen, eigentlich brauche ich ja nichts 😉 Und dann voller Tüten nach Hause kommen! Ich denke das ist eine Lebenseinstellung und nicht nur ein Hobby. Viele der Teilnehmer sind auch Freunde geworden, mit den meisten stehe ich noch immer im Kontakt. Im nächsten Jahr sehe ich ganz viele Gesichter wieder und freu mich sehr darüber. Auch kommen ganz viele neue „Verrückte“ dazu, die meisten Kurse sind schon jetzt fast vollständig schriftlich bestätigt und voll. Es gibt nur noch vereinzelt Plätze. Ich werde aufgrund der Nachfrage noch einige mehr planen. Für mich ein Erfolg mit dem ich nie gerechnet hätte und darauf bin ich sehr stolz!

Das Jahr 2014 wird nicht minder aufregend und interessant! Bin gespannt wievel Knoten noch platzen und wieviel Wissen noch dazu kommt….

Ich möchte mich bei euch alle bedanken, ihr alle habt dazu beigetragen das so ein Ort entstanden ist!

Ich wünsche euch schöne besinnliche Weihnachten und ein wundervolles neues Jahr 2014 mit viel Gesundheit und allem was ihr euch wünscht!

Marina

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Gut behütet oder übertrieben verzärtelt? Pferde eindecken

Auch ich hab mich jahrelang gegen das Eindecken gewehrt, doch mein Goldjunge scheint mit seiner Regendecke auch wesentlich zufriedener zu sein, letztendlich muss jeder sein Pferd beobachten und es für sich entscheiden. Lästig ist es trotzdem ;-)!


Eindecken oder nicht eindecken?

Nahezu jeder Pferdebesitzer steht irgendwann vor der Frage, ob auch er sein Pferd im Winter eindecken soll. Tut er seinem Pferd damit etwas Gutes oder schadet er ihm sogar? Für die Dressur-Studien ist Swea Menser dieser Frage nachgegangen und hat Freizeitreiter und Profis befragt.

Pferd im Winter

The same procedure as every year?

Jedes Jahr im Herbst vollzieht sich in den Reitställen landauf, landab ein immer gleiches Ritual: Sobald die Tage kürzer werden und die Temperaturen unter die eigene Wohlfühlmarke sinken, fangen die ersten Pferdebesitzer an, ihre Vierbeiner einzudecken. Schnell ziehen weitere nach.

Die Reitsportindustrie hat sich schon längst auf den Decken-Boom eingestellt. Egal ob Abschwitzdecke, Fliegendecke, Stalldecke oder atmungsaktive Regendecke – es gibt nahezu alles, was das Reiterherz begehrt. Kaum eine andere Frage aber erhitzt die Gemüter von Reitern und Pferdebesitzern so sehr wie die, ob das Eindecken im Winter überhaupt sinnvoll und notwendig ist.

Die Decken-Befürworter führen ins Feld, dass sie ihren Pferden mit dem Eindecken eine Erleichterung verschaffen. Hella Ridder, Reitlehrerin und Dressurreiterin aus Nordrhein-Westfalen, deckt ihre Pferde rechtzeitig vor dem Wachstum des Winterfells ein. Sie will damit verhindern, dass das Fell zu dicht und lang wird und ihre Pferde bei der Arbeit zu stark schwitzen. Hella Ridder: „Seitdem ich das so praktiziere, trocknen meine Pferde nach dem Reiten viel schneller. Sie sind außerdem leistungsbereiter. Keines meiner Pferde hat seitdem gehustet.“ Die Besitzerin eines im Offenstall gehaltenen Vollblüters hingegen greift im Winter zur Decke, weil sich ihr Wallach bei nasskaltem Schmuddelwetter verspannt. Weiterer Vorteil des Eindeckens: Die Pferde sind immer trocken und sauber. Langes Putzen entfällt – eine Zeitersparnis gerade für berufstätige Reiter.

Nicht minder engagiert tragen die Decken-Gegner ihre Argumente vor. Ihrer Meinung nach benötigen gesunde Pferde überhaupt keine Decke. So sieht es auch die Reiterin einer 15jährigen Warmblutstute, welche ebenfalls im Offenstall wohnt. Die Besitzerin hat noch nie beobachtet, dass ihr Pferd im Winter friert. Im Gegenteil empfindet sie das Eindecken als schädliche Verweichlichung der Pferde und befürchtet, dass sich Pferde, die sich beim Wälzen in den Deckengurten verheddern, schwer verletzen können.

Aber wer hat nun recht? Ist das Eindecken hilfreich und nützlich oder schadet es vielmehr? Um das Fazit vorwegzunehmen: Es gibt keine allgemein gültige und auf jeden individuellen Fall übertragbare Antwort auf diese Frage. Auch die Experten sind sich hier nicht einig.

Das Wärmekraftwerk der Pferde

Unstrittig ist, dass Pferde über einen ausgeklügelten Mechanismus zur Wärmeregulation verfügen und Temperaturschwankungen von bis zu 40 Grad problemlos verkraften. Die Komforttemperatur für Pferde liegt zwischen minus 15 und plus 25 Grad, wobei sich das Optimum bei fünf Grad trockner Kälte befindet – also deutlich unter den Temperaturen, die vom Menschen noch als angenehm empfunden werden. Erst bei minus zehn Grad beginnen Pferde mit normalem Winterfell, über einen vermehrten Stoffwechsel für mehr Körperwärme zu sorgen.

Dr. Maximilian Pick, Fachtierarzt für Pferde aus dem bayerischen Icking, steht demzufolge auf dem Standpunkt, dass es zwar viele Gründe für das Eindecken gibt, aber nur wenige davon seien auch vernünftig. „Pferde, die artgerecht gehalten werden und deren Thermoregulationsmechanismus funktioniert, erkälten sich nicht, auch dann nicht, wenn sie in Zugluft stehen oder nass sind. Gesunde und artgerecht gehaltene Pferde brauchen also keine Decke,“ so Dr. Pick. Einzig bei einem Notfall – bei einer Kolik, nach einem Unfall oder bei schwerem Blutverlust – könne es medizinisch notwendig sein, das Pferd mit einer Decke vor einem weiteren Temperaturverlust zu bewahren. Eindecken, weil dem Menschen kalt ist und er dieses Empfinden auf sein Pferd überträgt, schadet laut Pick mehr, als das es nutzt. Eingedeckte Pferde könnten ihren Thermoregulationsmechanismus nicht mehr ausreichend trainieren. Ihr Organismus wird anfälliger.

Pauschale Antworten gibt es nicht

Picks Kollege Dr. Christian Schütte aus Bonn macht die Beantwortung der Frage davon abhängig, wie das Pferd genutzt wird. Bei reinen Freizeitpferden, die im Winter weniger geritten werden als im Sommer, empfiehlt er, auf das Eindecken zu verzichten. Dr. Schütte: „Ich habe lange Zeit in Bayern gearbeitet und dabei oft beobachten können, dass es Pferden mit gutem Winterfell noch nicht einmal etwas ausmacht, wenn Schnee auf ihrem Rücken liegt. Ihre Thermoregulation schützt sie davor, sich zu erkälten.“ Einzige Ausnahme für ihn sind Pferde, die alt, krank oder gegenüber nasskalten Witterungen besonders empfindlich sind.

Bei Sportpferden, die auch im Winter intensiv gearbeitet werden, verhindert frühzeitiges Eindecken laut Schütte, dass die Pferde ein zu dichtes Winterfell bekommen und zu stark schwitzen. Auf Scheren kann möglicherweise sogar verzichtet werden, was für Schütte sinnvoller ist. Geschorenen Pferden fehlt die isolierende Luftschicht, weswegen sie schneller frieren und sich auch leichter erkälten können.

Eine ähnliche Position vertritt der Vielseitigkeitsreiter Hinrich Romeike. Für Romeike gehören Scheren und Eindecken allerdings zwingend zusammen. Sein Pferd Marius, mit dem er die Mannschaftsgoldmedaille bei den Weltreiterspielen in Aachen 2006 gewann, wird im Winter unvermindert intensiv trainiert. Damit Marius nicht so stark schwitzt und nach dem Reiten schneller trocknet, wird er rechtzeitig geschoren. Eine Decke schützt ihn dann vor der Kälte. Frühzeitiges Eindecken, um das Fellwachstum zu beeinflussen, bringt Romeikes Auffassung nach nicht viel. Auch eingedeckte Pferde bekämen ein dichteres Winterfell und würden deutlich mehr schwitzen als ihre geschorenen Artgenossen. Solche Pferde würde man nach intensiver Arbeit kaum mehr trocken bekommen. Ungeschorene Pferde deckt Romeike nicht ein.

Jochen Schumacher vom FS Reit-Zentrum in Reken möchte die Frage nach Sinn oder Unsinn des Eindeckens nicht pauschal beantworten: „Pferdebesitzer sollten ihre Tiere gut beobachten und individuell entscheiden, ob ein Eindecken sinnvoll ist oder nicht.“ Für Schumacher ist dies abhängig von der Haltungsform, der Rasse, den Witterungsverhältnissen und dem Gebrauch des Pferdes. In den rassegemischten Gruppen in Reken beobachtet Schumacher häufig, dass empfindlichere Pferde mit feinerem Winterfell die zur Verfügung stehenden Unterstände auch bei nasskaltem Wetter oftmals nicht aufsuchen und schnell frieren. „Islandpferden und anderen Robustrassen kann auch der typische westfälische Winter mit Temperaturen um die 5 Grad plus und Regen nicht viel anhaben. Bei Warmblütern und vielen Vollblütern sieht das aber schon ganz anders aus. Ihr Winterfell schützt sie zwar gegen Kälte, aber nicht so gut gegen Nässe.“ Schumacher empfiehlt Besitzern empfindlicherer Pferde daher, ihre Vierbeiner mit einer leichten Allwetterdecke einzudecken, damit sie bei jedem Wetter den Auslauf mit Artgenossen genießen können. Für ihn stellt das Eindecken einen Kompromiss dar, den er gern eingeht, um allen Pferden ganzjährig eine Auslaufhaltung zu ermöglichen.

Ob das eigene Pferd nun im Winter eingedeckt wird oder nicht, diese Frage muss jeder Pferdebesitzer also individuell für sich selber beantworten. Den Vierbeiner genau zu beobachten und die eigenen Beweggründe für oder gegen das Eindecken selbstkritisch zu hinterfragen, sind Voraussetzungen für eine Entscheidung, bei der das Wohl des jeweiligen Pferdes immer im Vordergrund steht.

Quelle: http://www.dressur-studien.de/index.php/gut-beh-oder-trieben-verzelt-pferde-eindecken.html

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Die Schuld hat immer der Reiter?

Warum macht mein Pferd das nicht? Ich reite schon seit ich ein Kind bin, aber dieses Pferd! Ich liebe mein Pferd, aber! Ich habe schon mein Leben lang Pferde, aber! Mein Pferd mach dies nicht! Mein Pferd kann das nicht! Ich habe das beste Pferd, aber! Mein Pferd versteht nicht! Ich habe keine Angst, aber ich will nicht, dass mein Pferd dies oder das macht!

All diese Fragen und Feststellungen haben die selbe Ursache. Die Wenigsten werden zustimmen oder zugeben dass es so ist, aber dafür gibt es lediglich eine Antwort: „Du verstehst die Pferde nicht!“ In 99% aller Fälle ist dabei der Reiter schuld.

Wenn sich jedoch das Pferd am Boden oder im Sattel nicht so verhält, wie der Reiter dies will, kommen meist oben genannte Ausreden. Zudem auch noch erklärend hinzu: „Der ist mit dem linken Fuß aufgestanden“ oder auch „das liegt sicher am Wetter“.

Ray Hunt, einer der besten Horsemen der Welt sagte einmal zu diesem Thema: „Viele Reiter mogeln sich so durch. Hie und da werden ein paar Basisübungen ausgelassen und konsequente Übungsabläufe unterbrochen. Die Ausbildung eines Pferdes ist jedoch wie ein Puzzle und alle Puzzleteile müssen an der richtigen Stelle liegen. […] Für Reiter, die jedoch keine fundierte Ausbildung genießen konnten und deswegen bei dem Puzzle noch nicht einmal die Ecken des Bildes und somit die Eckpfeiler der Reiterei finden, wird es ganz schön schwer.“

Dies geschieht zumeist aus einer Vermeidungsstrategie heraus, die der Reiter einnimmt. Oft sind hier zu wenig Wissen oder Können, zu geringes Selbstwertgefühl sowie zuwenig oder falsche Empathie der Grund. Es wird zudem auch bei Pferden ein Gedankengut hinein interpretiert, dass das Pferd eigentlich so gar nicht hätte. Anthropomorphismus, so der lateinische Fachbegriff dazu. Man kann ein Pferd nicht mit einem Menschen vergleichen. Dazu ist das Denken, Handeln und Fühlen zu sehr unterschiedlich.

Oft wird von ReiterInnen auch gesagt: „Ich schau mir mal verschiedene Ausbildungskonzepte an und hol mir dann etwas davon raus.“ Ist das nicht wie: Ich lerne mal ein paar Wörter Französisch, Englisch und Latein und dann kann ich Esperanto sprechen?

Ein Pferd braucht einen Leader, eine Orientierungshilfe. An wem soll sich das Pferd orientieren, wenn nicht am Reiter? Bekommt ein Pferd keine konsequente Führung, so übernimmt das Pferd automatisch diese Führungsrolle und bestimmt dann selbst als Leader was zu tun ist.

Pat Parelli, amerikanischer Horseman und auch Schüler von Ray Hunt gibt zu diesem Thema immer wieder zu bedenken: „It is not about the problem, it´s about the relationship!“ Es geht nicht um das Problem, es geht um die Beziehung. Ein Pferd, dass dich akzeptiert und respektiert, wird machen wonach du frägst. Dies bedingt jedoch, dass wir konsequent mit den Pferden arbeiten. Denn wie soll sich ein Pferd auskennen, wenn du heute ein Verhalten belohnst und morgen das Pferd für selbiges Verhalten bestrafst?

75% aller ReiterInnen haben zudem enorme Defizite im Reiten. Sie kennen keine Abfußungsfolge, spüren nicht ob das Pferd auf der Vorderhand läuft oder wann es sich auf die Hinterhand setzt, wissen nicht wann man welchen Zügel wie einsetzt und von einem korrekten Sitz ist oft gar keine Rede.

„Reiten ist wie Tanzen mit dem Pferd“, stellte Buck Brannaman einmal in den Raum. Um aber gute Figuren tanzen zu können, muss ich wissen, wann welcher Fuß wo ist. Andernfalls werde ich mich selbst behindern. Wenn man beim Pferd nicht weiß, welcher Fuß gerade wo ist, werde auch ich mein Pferd in der Ausübung mehr behindern, als ich ihm helfe. Leichtigkeit, Gefühl und Timing ist das A und O im Reiten.

„Reiter sehen es nicht gerne, wenn Grenzen gesetzt werden. Am liebsten würden sie alles ohne Druck machen. Doch wie auch bei antiautoritärer Erziehung hängt das Pferd ohne eine Zurechtweisung oft in der Luft. Grenzen setzen ist meiner Meinung nach fair. Keine Grenzen zu setzen ist sogar oft unfair“ so Birger Gieseke, selbst ein ausgezeichneter und erfahrener Horseman aus Deutschland.

“Wenn ihr das hier begreift, wenn ihr das hier hinkriegt, dann macht euch das besser. Und zwar in Dingen, von denen ihr nie geglaubt habt, dass sie mit Pferden zu tun haben”, sagt Buck Brannaman zu Beginn seines Filmes „Buck“

Es ist an uns zu begreifen, dass das Pferd aus dem Trieb handelt, sich selbst und die Art zu erhalten. Das ist vernünftig, sonst gäbe es keine Pferde mehr. Der Reiter hat das zu respektieren und sein Handeln danach zu richten. Ein Pferd soll die Sicherheit bekommen, dass es tun kann, was der Mensch von ihm erwartet, ohne dass es sich aufgeben muss. In erster Linie muss der Mensch erkennen und lernen, weniger zu tun um mehr zu erreichen. Statt dass er, wie so oft, mehr und mehr Druck ausübt. Blind dafür, dass er so immer weniger erreicht.

Ray Hunt: “Jetzt geht da raus und lernt von euren Pferden. Versucht, es auf ihr Niveau hinaufzuschaffen. Statt sie auf Eures herunter zu zerren.”

Quelle: http://www.nfwrc.com/cms/reiter-schuld/

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Neuer Bericht von Stefan Ostiadal: Der Klassiker – Die Kontervolte

Volte in Außenstellung, Kontervolte, indirekte Biegung oder Counterbend Position (amerikanischer Ausdruck) – es gibt viele Begriffe für den Klassiker unter den gymnastischen Übungen im Westernreiten. Fast jeder Trainer verlangt diese Übung von seinen Pferden bzw. von seinen Reitschülern. Bevor wir jedoch versuchen diese Übung dem Pferd zu lehren, ist es natürlich von großem Vorteil, den Sinn und Zweck dieser Übung zu kennen.   Es nützt uns nichts, diese Übung zu kennen und zu können, sie aber dann in entscheidenden Momenten innerhalb unseres Trainings nicht zielorientiert einzusetzen. Das wäre verschenkte Mühe!   Was erreichen wir durch die Volte in Außenstellung? In erster Linie gymnastisieren wir dabei schwerpunktmäßig die Schulter des Pferdes und fördern ein Übertreten der Vorderbeine. Wann brauchen wir das? In allen Bereichen des Trainings versuchen wir die Kontrolle der Schulter zu behalten, um ausbalanciert und spurtreu unser Ziel zu erreichen. Jedoch kennt auch jeder von uns das Gefühl, wenn das Pferd nicht seine Spur hält, kippt oder in eine Richtung lehnt. Gerade die Schulterausrichtung des Pferdes wird innerhalb seiner Ausbildung stetig korrigiert, sofern wir technisch „korrekt“ reiten möchten.   Wenn wir die Schulterkontrolle vernachlässigen, bekommen wir Pferde, die die Ecken nicht auslaufen und abkürzen, Volten die sich wie Ostereier anfühlen und aussehen, Zirkel bei denen der innere Zügel immer schwerer wird, Galoppwechsel bei denen das Pferd in eine Richtung lehnt und nur vorne wechselt und Wendung die sich nicht flüssig anfühlen.   Kurz und knapp gesagt: Die Kontrolle und Ausrichtung der Schulter ist für viele Manöver und Lektionen das A und O! Wie Anfangs der Serie erwähnt, ist das Basistraining ein Fundament auf das ich immer wieder zurückgreife, um auch schwierigere Lektionen zu lehren, zu verbessern und zu korrigieren.   Wenn wir nun die Hilfen der Kontervolte aufschlüsseln, wird ganz schnell klar, dass es ein Zusammenspiel von mehreren Hilfen ist und ich es mit entsprechender Vorarbeit deutlich leichter habe. Um Kontervolten zu reiten, sollte ein Pferd sich stellen lassen, dem Schenkel weichen und einen begrenzenden Zügel akzeptieren. Auch spielt die Verlagerung des  Reitergewichts eine nicht unwichtige Rolle. Alles zusammen, mehrfach wiederholt und stetig verbessert, wird dann zur Routine und es entsteht eine „Leichtigkeit“ in dieser Übung.   Aus meiner Sicht sollten Pferde nicht mehrere Reiterhilfen gleichzeitig erlernen. Ich ziehe es vor, step by step vorzugehen und deshalb kommt innerhalb meines Trainings die Kontervolte erst wenn Voraussetzungen erfüllt sind und andere Hilfen bereits „im Pferd“ sind. Wer sich ein wenig an einen Plan hält und Zusammenhänge versteht, wird ganz schnell erkennen, wann der Zeitpunkt gekommen ist einen Schritt weiter zu gehen.   Wer die Serie bisher verfolgt hat, kennt die Ausbildungsschritte, die das Pferd bisher erlernt hat. Es war mir wichtig, dass das Pferd dem direkten Zügel nachgibt und willig seinen Kopf lateral zur Seite stellen lässt. Da ich dadurch jedoch nur Stellung und keine Lenkung habe, beschrieb ich in der letzten Ausgabe die Aufgabe und Wirkung des begrenzenden Zügels. Durch Reiten eines Sechsecks versuchten wir schwerpunktmäßig die Schultern (Lenkung) zu kontrollieren.  Erst wenn beide Voraussetzungen gegeben sind, arbeite ich nun an den Kontervolten. Vorher macht es für mich einfach keinen Sinn.  Ich würde das Pferd nur sinnlos überfordern und Reaktionen des Tieres bekommen, die mehr von Missverständnissen geprägt wären.  Deshalb die einfache Feststellung: Wer an Stellung und Sechseckreiten gearbeitet hat, wird es nun deutlich leichter haben. Wenn wir nach diesen Übungen an die Kontervolte gehen, dann ist das nichts anderes, als beide Übungen (Stellung & Sechseckreiten) miteinander zu kombinieren. Denn dabei stellen wird das Pferd in eine Richtung und lassen die Schulter vom Schenkel in die andere Richtung weichen.    Wie fange ich an?  Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, sinnvoll mit einem Pferd an diesen Übungen zu arbeiten. Ich beginne damit in der Regel an der Ecke des Platzes. Zuerst gehe ich einige Volten in Innenstellung und achte darauf, dass das Pferd locker wird und sich dabei wohl fühlt. Gehe ich z.B. im Uhrzeigersinn eine Volte und komme an die Bande, beginne ich den äußeren linken Zügel Richtung Sattelhorn zu führen, um das Pferd leicht nach links zu stellen. In der Lernphase erleichtert die Zügelführung über dem Horn die Aufgabe (ein in der Ausbildung weiter voran geschrittenes Pferd braucht das nicht mehr so deutlich, weil es dem Schenkeldruck deutlicher weicht!) Den rechten begrenzenden Zügel führe ich seitlich vom Pferd Richtung Voltenmitte. Dieser Zügel ist elementar wichtig, da er die Bewegungsrichtung unterstützt und, wie der Name schon sagt, stellungsbegrenzend wirken muss.  Schenkt man der Zügelführung des begrenzenden rechten Zügels keine Aufmerksamkeit, kann das Pferd sich u.U. viel zu weit nach links außen stellen und wir bekommen ein Problem.  Mein äußerer linker treibender Schenkel ist eine handbreit hinter dem Gurt und soll das Weichen der Schulter unterstützen. Der rechte Schenkel hat die Aufgabe, das Pferd in der Vorwärtsbewegung zu unterstützen und liegt etwa 2-3 Handbreit hinter dem Gurt. Mein Reitergewicht verlagere ich dabei ein wenig in die Bewegungsrichtung, also nach rechts. Auf keinen Fall knicke ich dabei in der Hüfte nach links außen um das Pferd „zu schieben“.    Mit diesen Hilfen und der begrenzenden Bande verlange ich nun einige wenige, vielleicht 2-4  Tritte an der Bande. In der Ecke mit Hilfe der Bande fällt es den Pferden meistens leichter und sie verstehen es besser als im „freien Raum“.  Nachdem das Pferd diese wenigen Tritte gemacht hat und die Bande geholfen hat, stelle ich das Pferd auf der Volte wieder nach innen und drücke mit dem inneren Bein „die Schultern wieder rüber“! Durch stetige Wiederholung zu beiden Seiten kann man von Tag zu Tag spüren, wie sich der Körper des Pferdes im vorderen Drittel leichter ausrichten lässt und das Pferd sicherer wird.   Aber Achtung! Durch den Beginn der Übung in der Ecke wollen wir natürlich dem Pferd nicht lehren, eine Ecke immer in Aussenstellung zu laufen und die Mittelhand nach innen zu drücken. Eigentlich wollen wir ja an dieser Stelle in der Regel das Gegenteil. Ein Pferd soll in Innenstellung die Ecke sauber auslaufen! Deshalb verlasse ich diese Position sobald ich spüre, dass das Pferd beginnt zu verstehen.   Verschiedene Linien im freien Raum Spüre ich die ersten Erfolge in der Ecke, verlagere ich die Volte an die lange Seite und nutze dort nur noch für einen Moment die Hilfe der Bande. Immer dann wenn meine Volte auf den Hufschlag trifft, stelle ich das Pferd wieder für 2-3 Tritte nach außen und verlange die Schulterkontrolle nun hier. Das gelingt in der Regel nun schon bald, da hierzu erneut die Bande genutzt wird.   Fühlt es sich von Tag zu Tag besser an, wird es Zeit die Übung in den freien Raum zu verlagern und an der Form und Leichtigkeit zu arbeiten. Hierzu begebe ich mich wieder auf eine Volte von 6-8m Durchmesser. Wie immer muss das Pferd sich erst zufrieden und gelöst auf der Volte bewegen. Und hier variiere ich komplett durch.  Gehe ich z.B. links herum, so versuche ich die Stellung beizubehalten (also links) und das Pferd mit den Vorderbeinen 2-3 Tritte in eine neue Volte nach rechts zu schicken – in eine Volten-Acht. Folgt das Pferd dieser Aufforderung und geht in Außenstellung in die neue Richtung stelle ich das Pferd nach 2-3 Schritten in der neuen Volte wieder nach innen und lasse es eine direkte Volte nach rechts gehen. Dann reite ich natürlich das Gleiche andersrum – aber Anfangs immer nur wenige Tritte !   Das Pferd sollte während der Übung mobil bleiben. Es ist normal, dass das Pferd durch die Außenstellung etwas langsamer wird. Aber auf jeden Fall sollten wir vermeiden, dass es stehen bleibt! Ich versuche in dieser Lernphase nie halbe oder ganze Kontervolten – nur wenige Schritte. Davon jedoch jeden Tag etwas mehr, bis ich ganze Volten reiten kann.  Es ist wie immer: In der Lernphase stellen wir dem Pferd eine Aufgabe und lassen unsere Hilfe solange anstehen, bis das Pferd die Lösung gefunden hat!    Auf die Form achten! Ganz gleich, ob ich nun erstmals in der Ecke beginne, die Position an die lange Seite verlege oder schon im freien Raum daran arbeiten kann: ich versuche von Anfang an, an der Durchlässigkeit zu arbeiten. Es ist normal, dass das Pferd am Anfang der Übung vielleicht etwas gegen das Gebiss geht und sich im Hals fest macht. Gerade deshalb ist es so wichtig nur 2-3 Tritte zu verlangen, bevor das Pferd sich noch fester macht und an Widerstand denkt. Meine Aufgabe ist es nun zu fühlen, wenn es eine Tendenz weicher wird in der Hand und beginnt nachzugeben. Manchmal beginnt das Pferd mit korrekten Schritten, ist aber fest im Hals und liegt auf der Hand. Beim dritten Schritt bietet das Pferd plötzlich etwas Nachgiebigkeit an und wird leichter in der Hand. Es ist von großem Vorteil dies zu fühlen und entsprechend zu reagieren. Es würde uns nichts nützen, wenn das Pferd zwar Kontervolten laufen kann, wir die Schultern dadurch kontrollieren und aufrichten können, aber das Pferd sich im Hals fest macht. Das Pferd soll im Laufe der Zeit lernen Funktion (Körperausrichtung) und Form (Durchlässigkeit) zu verbinden. Bei der Steigerung im Trab gehe ich nach der gleichen Reihenfolge vor. Ich beginne in der Ecke der Halle, usw.     Wann als Korrektur angewendet?   Basisübungen sind für mich eine Ansammlung verschiedener Werkzeuge, die ich gebrauche, um das Pferd zu korrigieren. Wenn ich nun mein Pferd in bestimmten Lektionen reiten will (Zirkel, Volten, gerade Linien, usw.) und ein Körperteil des Pferd bleibt nicht zwischen unseren Hilfen, hole ich die entsprechende Übung aus meiner „Werkzeugkiste“ und beginne unmittelbar damit zu „reparieren“ (korrigieren!)  Und diese „Werkzeugkiste“ enthält natürlich noch weiteres Werkzeug wie Schenkelweichen, Vorhand- Hinterhandwendungen, Kruppe herein, etc. Doch dazu in einer späteren Folge mehr.     Nachfolgend einige Beispiele wann ich eine Kontervolte als Korrektur einsetze.   Ein Pferd soll gerade links angaloppieren, nimmt dabei aber den Hals nach rechts und drückt mit der Schulter nach links statt geradeaus zu laufen. Korrektur = Konterbewegung nach rechts und erneut versuchen gerade nach vorne anzugaloppieren.   Auf dem Zirkel lässt das Pferd die innere Schulter fallen und der innere Zügel wird „immer schwerer“. Korrektur = Kontervolte nach außen.   Das Pferd springt auf dem Zirkel nach rechts im Galopp falsch an, weil es mit der Schulter deutlich nach innen drück und nicht vom inneren rechten Bein weg bleibt. Korrektur = Kontervolte (rechts gestellt nach links reiten) und daraus dann rechts anspringen lassen.   Beim Turn an einem Rind (Cuttingtraining) „schmeißt das Pferd die Schulter zuerst in den Turn“ („lean into the Turn“) Korrektur = Wendung abbrechen, Rind laufen lassen, Kontervolte reiten und daraus „trocken eine Wendung ohne Rind“ einleiten.  Das Gleiche gilt für den Rollback, wenn das Pferd sich in den Rollback lehnt. Generell sind Wendungen aus einer Kontervolte ein Klassiker im Rindertraining. Wenn wir uns vorstellen, dass ein Cuttingpferd während seiner Ausbildung in einem Roundpen den kleineren Kreis läuft und nach außen zum einzelnen Rind schaut, bewegt es sich in einer Konterbiegung. Diese Körperausrichtung erleichtert den nächsten Turn nach außen deutlich, weil dadurch die äußere Schulter aufgerichtet wird und besser über die Hinterhand schwingen kann.    Es gäbe noch etliche Beispiele aus allen Disziplinen, bei denen eine Kontervolte sinnvoll eingesetzt werden kann, um einen Bewegungsablauf zu optimieren bzw. zu korrigieren.  Und deshalb lehre ich diesen Klassiker meinen Pferden und versuche Beständigkeit und Leichtigkeit in diese Übung zu bekommen. Wir fangen langsam an uns verschiedene Basisübungen zu erarbeiten und stellen uns über Monate eine „Werkzeugkiste“ zusammen mit der wir dann sinnvoll an höheren  Aufgaben arbeiten können.

Stefan1

Stefan2

Stefan3

Stefan4

Quelle: https://www.facebook.com/open.ranch.1#!/media/set/?set=a.460060567423594.1073741827.276426655786987&type=1

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Sevens Great Chance der Name ist halt Programm

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Bericht veröffentlichen soll, bin dann aber zu dem Schluss gekommen auch anderen die Geschichte von Chance zu zeigen. Vielleicht haben sie Pferde die ähnliche Geschichten haben. Ich kann nur sagen, nicht aufgeben!


Chance ist etwas ganz besonderes, ich habe noch nie ein Pferd gesehen das mehr Charakter hat und so sensibel ist. Er hat eine besondere Geschichte, die hier nicht ungenannt bleiben soll. Anscheinend ist er auf der Welt um mir alles beizubringen was ich über Pferde wissen soll.

Und ich kann euch sagen, ich habe noch viel zu lernen!

 Ich habe ihn 2006 im Internet gefunden, da war er 2 Jahre alt und noch Hengst. Auf dem Foto sah er nett aus. Doch ich suchte nach Shorty etwas ebenfalls außer gewöhnliches und so verwarf ich Chance erstmal wieder.

Aber anscheinend sollte da schon sein Name eine Rolle spielen, ich konnte nicht aufhören seine Fotos anzuschauen und nach mehreren Wochen machte ich endlich einen Termin mit dem Züchter. Ich fuhr alleine nach Feierabend in die Eifel. Ich war etwas zu früh und als ich aus dem Auto stieg, ging gerade die Tür auf und Chance präsentierte sich in voller Pracht frisch gewaschen im Wind. Es war dieser Ausdruck in seinem Gesicht, diese Augen, eine Erscheinung! Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Da war in meinem Leben. Ich würde sagen Liebe auf den ersten Blick, noch heute muß ich bei der Erinnerung die Tränen unterdrücken, so ein schönes Pferd!

Chance1

Es blieb mir nichts anderes übrig als ihn zu kaufen. Er sollte mein „Neuer“ werden, mit dem endlich alles gut werden würde. Nach Rücksprache meines TA´s mit der ortsansässigen Klinik wurde mir versichert das alles ok wäre. Er hatte kurz vorher eine Chip OP im rechten Sprunggelenk gehabt, alles aber sehr gut ohne weitere Probleme überstanden.

Und da kam er nun, der Züchter brachte ihn im Mai 2008 zu uns, noch in einen Pensionsstall ganz in unserer Nähe, da lief er mit anderen Hengsten im Herdenverband.

Ich arbeitete fast jeden Tag mit ihm, ging viel spazieren, Round Pen Arbeit, longieren, Bodenarbeit. Ich habe mir viel Mühe bei der Ausbildung gegeben, er hatte alle Zeit der Welt in Ruhe ein stattliches Pferd zu werden. Er hatte ein perfektes Gebäude, sehr ausgewogen und harmonisch. In der Ausbildung ging alles sehr gut. Er machte sich prächtig, war kaum hengstig, ließ sich immer gut Händeln. Zu dem Zeitpunkt war er bereits leicht angeritten, ich ritt ihn im Unterricht mit anderen Pferden auf dem Platz und machte als Handpferd erste Erfahrungen im Gelände. Er hätte es verdient mit der Abstammung, dem Aussehen und vor allem wegen seines Charakters ein Hengst zu bleiben. Sicherlich haben wir sehr viele gute Hengste und um dem Pferd weiterhin ein schönes Leben zu geben, entschloß ich mich, ihn im Mai 2009 als 3jährigen in einer Klinik auf dem Tisch zu kastrieren. Hätten wir es besser gelassen….

Die OP soll ohne Probleme von statten gegangen sein, wir konnten ihn am 3ten Tag wieder abholen. Alles wäre gut verlaufen und ach was für ein nettes Pferd und so gut erzogen.

Zu  Hause fiel mir auf das „etwas“ unten raus hing. Vor Sorge rief ich die Klinik an, die mir aber rieten meinen TA anzurufen. Der kam zur Untersuchung und versicherte mir das es etwas von den Samenleitern oder überschüssige Haut wäre, es würde irgendwann absterben und abfallen. Das tat es auch. Die Schwellung ging auch zurück und anfangs war auch kein Unterschied in seinem Wesen zu erkennen. Schnell bemerkte ich aber das er viel schreckhafter war und er sich irgendwie anders in manchen Dingen verhielt. Das war der Punkt als wir das Haus kauften, ich hatte wenig Zeit und ich sagte mir, was er bis jetzt gelernt hat, wird er nicht mehr vergessen. Wie man sich täuschen kann…

Im November 09 bekamen wir unseren Schlüssel und Chance und das Pferd einer Freundin zogen als erstes ein. Dann kam der Winter und wir bauten das Haus um, also wenig Zeit und Möglichkeit im Winter mit dem Pferd zu arbeiten. Chance lebte sich schnell ein und es schien ihm eigentlich gut zu gehen. Er verhielt sich dann bei Spaziergängen völlig anders als früher, er stieg und war kaum händelbar. Ich schob es auf die Futtermenge, reduzierte diese. Bemerkte aber das er sehr dünn war und ein mäkeliger Fresser. Also was tun? Ich studierte jedes Futtermittelblättchen und stellte mehrmals das Futter um. Nie war ich ganz zufrieden.

Er entwickelte sich nicht richtig weiter, es wurde immer größer aber kaum breiter. Ich schob alles auf die Entwicklung. Im Frühjahr sah er irgendwie merkwürdig aus, total überbaut, sehr hochbeinig, strubbeliges Fell, lief auf seiner rechten Hand sehr schlecht, mochte sich nicht biegen, ging immer gegen das Seil, war schreckhaft, viel zu dünn, fras ohne Appetit, schien als Chef der 3köpfigen Herde irgendwie überfordert zu sein, seiner Aufgabe nicht gewachsen, sehr gestresst, lief unrund, bekam mehrere Hufgeschwüre, ging dann extrem lahm. All das bemerkte ich natürlich konnte es aber nicht greifbar machen. Viele meiner Freunde sagten ja gut er ist ein bißchen dünn aber fange jetzt mal wieder an zu reiten, klappt schon, stell dich nicht so an. Schon damals beschlich mich das Gefühl das etwas nicht stimmte! Schmied Wechsel danach wurde es nicht nur besser, die Füße bekamen eine bessere Form, passten nun besser zusammen. Füße wurden größer, besser in der Qualität. Ein Puzzelteil mehr.

Ich hatte eine neue Trainerin bei der fing ich wieder mit Unterricht an, sie gab sich viel Mühe, Chance auch aber irgendwie lief es nicht gut. Eines Tages ritt ich ihn zusammen mit einer Freundin auf dem Platz, alle meinten er sähe irgendwie aus als würde er schlafen, ich sagte das kann sich ja schnell bei Chance ändern…

1 Minute später lag ich im Sand, dummerweise wiedermal verletzt, er war einfach durchgegangen. Für mich hieß das mal wieder Klinik und wochenlanger Ausfall.

Da er ja eigentlich gerade wieder im Training war, wusste ich mir nicht anders zu helfen und gab ihn zu meiner Trainerin in Beritt. Da ich auf Krücken lief, konnte ich ihn nicht besuchen, mir blieb nur das tägliche telefonieren mit der Trainerin, sie sagte sie müsse ganz von vorne anfangen. Da war ich schon einigermaßen verunsichert. Er war doch eigentlich gut gewesen, was war nur los mit ihm, nach 2 Wochen Bodenarbeit und Beritt, sah sie keine deutliche Steigerung, sie meinte irgendwie würde etwas nicht mit ihm stimmen. Kurz danach ein Anruf, die erste Kolik in seinem Leben, er hatte vorher nie Anzeichen gehabt. Ich konnte es nicht fassen, ließ mich am nächsten Tag direkt hinfahren und er stand alleine auf einem Paddock als er mich sah, schrie er. Als wenn er sagen würde, warum hast du mich hier hergebracht.

Naja ich schob das auf die Umstellung, die Trainerin zeigte mir was sie schon mit ihm gemacht hatte, da das gleiche Bild, totale Anspannung, keine Biegung, zwar alles etwas besser aber gut? Weit von entfernt. Nach der Kolik war ich halt beunruhigt, habe meinen TA angerufen, allgemeine Untersuchung mit Bluttest, ohne Befund. Er wurde dünner. Sah unglücklich aus. Anderen TA angerufen mit Ostheopathie Ausbildung, Gangbildanalyse, er machte einen kompetenten Eindruck, sagte nach der Behandlung, kann Halswirbelblockade nicht lösen, Rest wäre jetzt einigermaßen ok. 2 Ostheopathin, Halswirbelblockade wurde gelöst. Chance machte den Eindruck als würde es besser werden… nach ein paar Tagen Anruf der Trainerin er hätte den Paddock zerlegt. Mein Pferd? Der würde hinter einem Gummiband stehen bleiben…

Ich besuchte ihn wieder, herzzerreißendes Gewieher, ich war fast froh als die Trainerin mir sagte, sie könnte jetzt nicht weitermachen. Ich holte ihn gleich ab und fuhr ihn gleich in die Klinik.

Das Ergebnis war ernüchternd, nach einer intensiven Gangbildanalyse, keine Blockaden im Rücken oder in der Schulter oder im Hals, auch keine Zahnprobleme. Der Klinikchef sagte nur schaut immer erst nach unten! Er hatte vor dem Schmied Wechsel einen leicht bockigen Huf, die äußerliche Anpassung wurde immer besser aber was innen war, zeigten uns dann die Aufnahmen. Er hat vorne rechts ein leicht abgesenktes Hufbein, anatomisch bedingt durch den damals sehr steilen Huf mit leichter Aufkrempung des Knochens dazu eine dünne Sohle sodas er eine starke Huflederhautentzündung hatte, wir haben das gesamte Pferd incl. Rücken durch geröntgt. Ca. 30 Aufnahmen. Zusätzlich waren beide Kniebänder zu lang, hinten rechts sprang häufiger die Kniescheibe raus. Eine Verkapselung nach der Chip OP am Sprunggelenk war noch zu sehen. Wenigstens der Rücken war völlig in Ordnung.

Kein Wunder also das er sich nicht biegen konnte, er mochte gar nicht vorne rechts zutreten, über das Bein drehen, er wurde abgespritzt und zeigte sofort die Bereitschaft sich zu biegen, lief wunderbar…

Er sollte für 4 Tage in der Klinik bleiben, bekam Eigenblutbehandlung, gegen die Entzündung. Die Kniebändern wurden mehrfach angespritzt, zig Mittel deren Namen ich vergessen habe. Einen Orthopädiebeschlag. Ich gab den Hinweis das man bei der Fütterung Acht geben müsste, er hätte kurz zuvor 2 Koliken gehabt und sie möchten bitte darauf aufpassen und ggf. etwas unternehmen, ihn untersuchen und dagegen steuern.  Ich holte ihn Freitags nachmittags ab und bekam einen Dahlschlag, er hatte viele Kilos abgenommen. Man konnte alle Rippen sehen, er war eingefallen. Einziger Trost seine Füsse schienen ihm keine Schwierigkeiten mehr zu machen…

Samstags morgens hatte er die schlimmste Kolik aller Zeiten, 6 Stunden. Der TA war 2mal da. Er bekam Spritzen zum Entkrampfen. Nichts half. Alles war so untypisch, keine „normale“ Kolik. Rektale Untersuchung war unmöglich da er ausschlug, so schlimm das er die Boxenwand zerdepperte. Ich sollte mit ihm laufen, zur Hölle das waren die schlimmsten 500m die ich jeh gelaufen bin. Er stieg, schlug, hatte unglaubliche Schmerzen. Er hat nie, auch nicht in der nachfolgenden Zeit, jemanden verletzt. Er schlug immer in die andere Richtung. War immer bemüht! Mein Gott muß dieses Pferd gelitten haben.

Ich stand während der Kolik in der Box nebenan, er drückte sich mit seinem Körper an meine Hände, bat regelrecht um Hilfe. Was sollte ich tun?

Fühlte mich völlig alleine, was danach kam war die Hölle. 1,5 Jahre andauernd wiederkehrende Koliken, in schlimmen Zeiten täglich. 10 unterschiedliche TA´s, 2 Klinikaufenthalte, Tierheilpraktiker, Ostheopaten, Futtermittelgurus, Kinesiologen, Heiler, Seher, wir haben alles probiert. Nichts half, niemand wusste einen Rat. Die Wintermonate wurden etwas besser, er nam etwas zu. Die Koliken setzten aus. Wenn er eine bekam, half nur eins Bewegung, die er sich selber einteilte. Ich ließ seine Boxentür auf, er konnte dann jederzeit laufen und ausschlagen wie er wollte. Vorher Colosan, der Geruch macht mich heute noch verrückt und Chance wohl auch. Danach beruhigte er sich meistens zusehend wenn es zu schlimm wurde, rief ich den einen oder anderen TA an. Die alle nur mit dem Kopf schüttelten, alle waren hilflos. Irgendwie waren das nie typische Koliken. Wir versuchten alle Mittel, nochmals Futterumstellung, Zusatzfuttermittel Gastrogard etc., Calm Pasten, Homäopathische Mittel, Blutuntersuchungen, Kotuntersuchungen, um nur einen Teil zu nennen. Ich habe gegoogelt bis der Rechner rauchte. Ich fand 1000 Sachen, habe auch alles probiert. Alle TA´s hatten Theorien und Ideen, Magengeschwüre,  physische Probleme etc. wir behandelten auf alles prophylaktisch. Zum Schluss auch Antidepressiva für Menschen… Nochmals TA Wechsel. Er wollte eine Gastroskopie/Magenspiegelung machen. Ich hatte Chance eine gute Stunde vorher in die Box gestellt. Ich hatte schon lange gemerkt das er bei vielen Menschen unruhig wurde und sogar Koliken bekam. Er ließ sich mittlerweile ja kaum noch anfassen und aufhalftern. Ich stellte ihn mit seinen Freunden in die Box und gab ihm Heu. Der TA kam mit einer Assistentin direkt von der Uni, noch voller Elan und Ideen. Ich holte Chance aus der Box, der TA hatte ein Stethoskop um den Hals, Chance hatte einen Puls von 80zig. Das ist ein Puls nach einer halben Stunde Trab und Galopp Arbeit! Er stellte die Frage ob wir die Kolik provozieren könnten.

Ich sagte starren sie ihn weiter an dann haben wir es gleich!

Chance schaute sich bereits nach seinem Bauch um und hob nervös das Hinterbein. Wir diskutierten gemeinsam, und vergaßen fast das Chance neben uns stand. Er atmete einmal stark durch und fing dann an Heu zu fressen…. Puls im Normalbereich. Zur Spiegelung ist es nicht mehr gekommen. Wir diskutierten noch über mögliche Ursachen aber wirklich was erreicht haben wir wie immer nicht.

Ich will nur damit klar machen, das alles aus der Reihe ihn in Panik versetzt hat, fremde Menschen, fremde Umgebung, einfach alles „andere“. Sobald ich mit ihm spazieren gehen wollte, mit seinen Freunden oder ohne bekam er Koliken, fremde Pferde-Kolik, Weidewechsel Kolik, vorbeifahrende Kutsche-Kolik, zu viel Sonne-Kolik, zu viele Fliegen-Kolik. Ein Verladen hätte ihn umgebracht. An Reiten war nicht mehr zu denken. Wenn wir den normalen Alltag hatten ging meistens alles gut, wir optimierten den gesamten Ablauf, so reduzierten wir seinen Stress und die Koliken. Er nahm wieder etwas zu. Sein Fell war über den gesamten Zeitraum grau, farblos, strubbelig. Vom feeling her, immer elektrisiert, hab ihn immer mit einer Stromleitung verglichen die knistert. Weiterhin versuchten wir alle möglichen Mittel um es in den Griff zu bekommen. Wir hatten über den Winter eine gute Zeit wir schöpften Hoffnung, wollten wieder mehr mit ihm arbeiten, bereitete ihn auf das Training mit meiner neuen Trainerin vor. Bei mir ging eigentlich alles gut, doch dann kam das eigentliche Training, nur beim Führen mit anderen Menschen bekam er Koliken, ließ sich nicht mehr „fangen“. Versuchten auch andere Trainer, gleiches Ergebnis.

Der Sommer kam und sein Zustand verschlechterte sich zusehends, Training war lange nicht mehr möglich. Wir versuchten nur noch jeden Tag zu überstehen…

Es war furchtbar und im Juni 2011 erreichte die Geschichte seinen Höhepunkt, Chance hatte an einem sonnigen Tag den ganzen Tag Kolik. Wir entschlossen uns dem Elend ein Ende zubereiten, sein Kreislauf war völlig im Keller von der Schlagerei und dem Rumgelaufe. Man konnte sich das nicht mehr mit anschauen. Ich rief meinen TA an, der kam sofort schaute sich das Elend an und sagte er könne das Pferd aufgrund des guten Allgemein Zustandes nicht einschläfern…. Und nun?

Neue Tabletten um die Magensäfte zu reduzieren. Nochmaliger Versuch. Eine letzte Telefonnummer hatte ich noch in Petto. Der Tierheilpraktiker einer Freundin. Den rief ich an, erzählte vom Elend meines Pferdes, an meiner Stimme muß man gehört haben wie es um uns stand. Am nächsten Tag fing das neue Leben an.

Der THP kam und stellte mir 1000 und eine Frage zur Kastration. ??? Das war 2 Jahre her, worauf wollte er nur hinaus? Letztendlich hat er eine Handflächen Große Hernie ertastet, das ist ein Bindegewebsriss in der Bauchdecke, der Darm lag über diesem „Riss“ wohl abgeknickt und war an 2 Stellen Chronisch entzündet. Als er die Stelle ertastete bekam Chance eine leichte Kolik, beruhigte sich aber schnell. Das war die letzte wirkliche Kolik! Wir besprachen die weitere Vorgehensweise, wir bekamen die richtigen Homäopathische Mittel, wir reduzierten jeglichen Stress. Bestes Futter der Scharnebecker Mühle, Heu zur freien Verfügung. Viel Bewegung, ständige Kontrolle durch den THP. Eine OP hätte Chance umgebracht, mit seiner Psychose hätten wir ihn nirgends hinbringen können, der Stress wäre tödlich gewesen. So haben wir es konservativ versucht und hatten Erfolg. 2 Jahre ist er nun Kolik frei. Sein Fell hat seine alte Farbe bekommen, er ist rund, bekommt keine Hufgeschwüre mehr, seine Verdauung scheint sich eingependelt zu haben, der „Riss“ ist nicht mehr zu ertasten. Wir achten peinlich auf bestes Futter, haben zusätzlich noch einen Offenstall für den Sommer gebaut. Da sucht er bei zu hellem Licht und vielen Fliegen noch immer nach Schutz. Wir setzen ihm dann immer eine Fliegenmaske mit UV Schutz auf, das macht das Licht erträglicher. Er ist noch immer nicht der Alte! Aber wir sind auf einem guten Weg. Leider hat er durch die Krankheit wirklich Probleme entwickelt. Er ist noch manchmal in sich gekehrt, vertraut dem Menschen noch nicht wieder. Zieht sich bei Stress sofort zurück. Ist vorsichtig, nicht mehr so neugierig und mutig. Lernt erst wieder zu Lernen. Vieles haben wir versucht, vieles ist schief gegangen, vieles hat geholfen, viele Wege werden wir noch gehen. Jedes Puzzelteil hat seinen Wert.

Er hat seine „Chance“ verdient und die soll er haben, schließlich ist sein Name Programm. Ich gebe die Hoffnung nicht auf das Chance ein normales Reitpferd wird, das dem Menschen wieder vertrauen kann. Noch ist das Puzzel nicht komplett aber aufgeben..? Niemals !

Chance

Chance2

1 Comment

Filed under Allgemein

Bericht Pferde mittig Reiten von Buck Brannaman

Das Pferd im Rechteck 

BB_SB_Tuba_sch[1]

Bei jedem Pferd, das ich reite – ganz gleich ob es sich dabei um ein Jungpferd oder ein erfahrenes Pferd handelt – möchte ich, dass es sich unter mir zentriert bewegt.


Beim Reiten zeichne ich ein imaginäres Rechteck um mein Pferd: Eine Linie verläuft vor der Pferdenase, eine auf der jeweiligen seitlichen Körperseite und eine weitere hinter dem Pferdeschweif. Bei einem Jungpferd können die Seiten dieses Rechteckes bis zu sieben Meter vom eigentlichen Pferdekörper entfernt liegen, während sie bei einem erfahrenen Bridlehorse direkt bis an die Nüstern, Schweifhaare und Steigbügel heranreichen können. Mein Ziel beim Reiten ist es, das Pferd genau in der Mitte dieses Rechteckes zu positionieren.

Alle vier Beine meines Pferdes, präzise setzen zu können, es durch ein sanftes Aufnehmen der Zügel (soft feel), bei mir zu halten und es meinen Schenkeln, weichen zu lassen – all diese grundlegenden Dinge machen es mir möglich, beim Lehnen gegen eine Seite, das Pferd wieder in die Mitte des Rechtecks zu bringen.

Zentrieren eines Jungpferdes

Ein junges Pferd wird nur für einige Momente in der Mitte bleiben können. Auch wenn ich viel daran arbeite, den Jungspund auf eine Linie zu bekommen, lasse ich das Wichtigste nicht aus den Augen: Sobald das Pferd die richtige Position findet, bin ich so ruhig und friedfertig wie ich nur sein kann. Zu Beginn wird dem Pferd das nicht allzuviel bedeuten. Doch schon bald wird es merken, dass sich ein ruhiger Reiter sehr gut anfühlt und es wird nach der Mitte des Rechteckes suchen. Dein Pferd möchte mit Dir auf dem Rücken wirklich gut auskommen. Doch wenn Du ihm niemals zeigst, wo es sein soll, wirst Du quer durch die Gegend hüpfen. Es wird dann niemals lernen, sich zwischen Deinen Beinen und Zügeln zu bewegen. Während ich letzte Woche auf einem Jungpferd einige Rinder einfing, wusste ich immer, wo sich mein Pferd innerhalb des Rechtecks bewegt – auch als ich im Galopp einem Rind folgte. Drückt das Pferd gegen meine Hand, nähert es sich der vorderen Rechteck-Linie. Dann musss ich es vielleicht langsam zurück nehmen. Drückt es nach hinten und nähert sich dieser Linie muss ich es nach vorne bringen und weicht es nach rechts oder links aus, bringe ich es mit meinen Schenkeln wieder zurück zur Mitte. Bewegt es sich diagonal in eine Ecke oder schwenkt seine Vor- oder Hinterhand aus, kann ich das Pferd mit Hilfe meiner Zügel und Schenkel wieder gerade in die Mitte bringen. Sobal mein Pferd diese Position gefunden hat, gebe ich nach. Es kann sich dort vielleicht noch nicht lange halten, so dass ich ihm wieder helfen muss, die Stelle zu finden. Ich versuche dies aber so zu gestalten, dass ich nicht auf ihm herumhacke. Ich mache mir nur bewusst wo er ist und dirigiere ihn dahin, wo er hin soll. Dein Rechteck geht immer mit Dir mit und aus diesem Grund ist es ganz gleich, ob Du in einer Volte oder auf einem Zirkel gehst – eine Mitte ist immer vorhanden. Wenn Deine Koordinationsfähigkeit, nicht ausgereift ist und Du erst bemerkst, dass Dein Pferd über die imaginäre Linie hinausgelaufen ist, wenn es auf der anderen Reitplatzseite angekommen ist, dann ist es zu spät. Du hast die Möglichkeit verpasst. Die Vorstellung davon, wo die Mitte deines Pferdes ist, muss Dir beim Reiten die ganze Zeit bewusst sein. Nehme seinen ganzen Körper wahr. Das ist es, woran ich beim Reiten denke und ich denke niemals nicht daran. Gehe behutsam daran, Dein Pferd wieder zur Mitte zurück zu bringen. Korrigierst Du zuviel oder gibst Du nicht früh genug nach, kann es passieren, dass Du direkt über die Mitte hinaus über die Linie der anderen Seite schießt. Da zusammen mit Deinen Hilfen immer ein gewisser Anteil an Abweichung kommt, muss Du Deine korrigierende Hilfe schon wegnehemen, bevor Dein Pferd die Mitte erreicht hat, damit es genau am richtigen Platz ankommt. Übertreibst Du all Deine korrigierenden Hilfen, wird Dein Pferd von all den imaginären Linien abprallen. Das Ergebnis ist dann ein sehr verwirrtes und verunsichtes Pferd.

Unterdrückung durch den Reiter

Auf meinen Pferde gebe ich kontinuierlich Hilfen und gebe diese wieder nach. Pferde kann man nicht in der Mitte halten. Seit über 20 Jahren gebe ich Kurse, so dass meine Beobachtungen auf Fakten basieren; die am wenigsten zentrierten Pferde, die mir in all den Jahren begegnet sind waren Dressurpferde (denken Sie jetzt nicht eine Minute daran, das ich Dressur schlecht reden will, denn wenn es von einem guten Reiter korrekt geritten wird ist es wunderschön – besser kann’s nicht werden). Aber ich rede von dem Reiter, der seinem Pferd nicht die Möglichkeit gibt, die Mitte zu finden, geschweige denn ihm die Wahl lässt dort zu sein. Ich rede von dem, der sein Pferd zu sehr eingrenzt und versucht, es am rechten Platz zu halten. Seine Pferde gehen direkt über die vordere Linie hinweg. Und unterdrückt der Reiter sein Pferd geht es auch durch die hintere Linie und wird stumpf gegenüber Schenkelhilfen. Dies kann mit jedem Pferd, jeder Disziplin passieren, wenn der Reiter ein unterdrückendes Verhalten an den Tag legt. Wenn Reiter Probleme haben, dann geben sie dem Pferd meist nicht genug Raum die Mitte zu finden. Mit ihrer unterdrückenden Reitweise zwingen sie das Pferd, dass zu tun, was sie wollen. Sie denken sie können das Pferd in die Mitte zwingen und dort halten. Aber das Pferd muss die Mitte suchen und finden, man kann es nicht dort hin zwingen. Ganz gleich welche Reitweise – diese Dinge sind überall identisch. Das Pferd, organisiert zu bekommen, auf den Punkt genau zu reiten ist bei allen Disziplinen gleich.

Manchmal fragen mich Pferdebesitzer, was ich mit ihrem Pferd machen würde, wenn es meins wäre. Ich sage ihnen, ich würde ihr Pferd reiten, so wie ich meine Pferde reite, bis es aussieht wie eines meiner Pferde. Ich mache da nichts anderes. Wenn Du ein älteres Pferd hast, dem einige Kindergarten-Sachen fehlen – geh zurück und hole sie nach. Alter spielt keine Rolle. Das Pferd braucht vielleicht ein bisschen länger, da es einige alte Geschichten verarbeiten muss, aber es wird sich sehr viel schneller ändern, als manche Menschen es tun könnten. Hast Du einmal gute Horsemanship gesehen und gelernt, was man tun kann, um dem Pferd zu helfen ruhiger und verlässlicher zu werden, warum solltest Du die Dingen dann nicht tun? Ganz gleich wie alt Dein Pferd ist, biete ihm das Dir best Mögliche an. Wenn Du Dich anpassen kannst, kann es Dein Pferd auch. Pferde können sich enorm ändern. Es gibt immer Hoffnung!
Text und Fotos © Emily Kitching

Quelle: http://www.goodhorsemanship.de/5_Themen%20&%20Trends/Artikel/Ausbildung/Buck_Centering.htm

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Roping Kurs

Wer hat Interesse an einem Roping Kurs? 


Wir würden gerne einen Roping Kurs in diesem Jahr veranstalten. Wunschtermin Ende Sommer Anfang Herbst. Damit wir danach bei einem schönen Lagerfeuer und Barbeque das gelernte nochmals diskutieren können.
Der Kurs richtig sich an Anfänger ohne Pferd, Vorkenntnisse werden dazu nicht gebraucht. Einfach zum Spaß, um das ganze mal kennen zulernen. Kosten werden ca. bei 100€ pro Person incl. Verpflegung liegen.

Hat jemand eine Idee für einen guten Trainer in dem Bereich? Wir suchen jemanden der auch dann mit uns weiter machen würde. Damit wir das am Boden gelernte auch vom Pferd arbeiten können.
Solltet ihr Interesse haben, könnt ihr euch gerne bei mir unter marina.schmidt@openranch.de melden.

Würde mich über Anregungen und Tipps freuen!

Leave a Comment

Filed under Allgemein